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Premiere von «Underdogs»: 

Hunde-Kino im Knast

22. Jul 2008 09:21
Regisseur Jan Hindrik Drevs mit Film-Hund Klaus
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Berlin hat als Film-Hauptstadt ja schon einiges gesehen - aber eine Premiere im Gefängnis, noch dazu mit tierischen Darstellern? Für die Komödie «Underdogs» wurde die Strafanstalt Moabit kurzerhand zum Kinosaal. Mit Video

Der Stargast war Hund Klaus. Lässig präsentierte sich der zwei Jahre alte Labrador am Montagabend bei der Premiere der Knast-Komödie «Underdogs» an einem ungewöhnlichen Ort: im Berliner Gefängnis Moabit. Regisseur Jan Hinrik Drevs hatte nicht nur etliche Schauspieler mitgebracht, sondern auch einen der tierischen Darsteller.

«Wir freuen uns, dass wir hier ein hartes Publikum haben», sagte Drevs. Rund 50 verurteilte Straftäter durften als erste den Film sehen, in dem Kriminelle durch den Kontakt mit Tieren wieder zu Verantwortung und menschlicher Wärme finden - sie sollen im Gefängnis sechs Welpen zu Blindenhunden erziehen.

Leinwand zwischen Heizungsrohren

In der kargen Halle, in der sonst Gefangene Postsäcke reinigen, war vor grauen Heizungsrohren eine schlichte Leinwand gespannt. Wie im richtigen Kino gab es Beifall, Bravo-Rufe und Pfiffe. Immer wieder brandete Gelächter auf, wenn die «Premierengäste» Vertrautes aus dem Knastalltag in dem Film wiederfanden, so als mit einer Schnur Alkoholisches aus dem Fenster einer Gefängniszelle in eine andere Etage abgelassen wird. Der Film kommt an diesem Donnerstag bundesweit in die Kinos.

Regisseur Drevs freute sich sichtlich über die positiven Reaktionen. «Schön, dass der Film angekommen ist.» Das passe doch: Der Streifen sei im Knast erdacht, gemacht und gezeigt worden. Und TV-Star Ingo Naujoks («Tatort»), der in «Underdogs» den Häftling Prell spielt, rief den Gefangenen ironisch zu: «Vielen Dank fürs Sitzenbleiben!»

Harte Schale, weicher Kern

Es sei schon hart gewesen, dass er bei den Dreharbeiten im Gefängnis Bützow in Mecklenburg-Vorpommern beim «Einchecken» sein Handy abgeben musste, antwortet er treuherzig auf die Frage eines Gefangenen, wie sich die Schauspieler im Knast gefühlt hätten.

In dem Film geht es oft lakonisch zu. Als der muskelbepackte Einzelgänger Mosk (Thomas Sarbacher) einen Welpen zugewiesen bekommt und mit ihm auch in der Zelle schlafen muss, nennt er ihn nur voller Ablehnung «Hund». Viel lieber würde der Introvertierte für die Knast-Meisterschaft im Gewichtheben trainieren. Doch auch der harte Mosk hat einen weichen Kern - er tauft seinen tierischen Schützling später «Grappa» - wegen der Italien-Sehnsucht.

Klaus Kinski als Vorbild

Hark Bohm gibt sich als Hundetrainer streng, aber gerecht. Das Spielfilmdebüt von Drevs hat schon Auszeichnungen auf Festivals eingeheimst. Zu seiner Familie gehört inzwischen auch Hund Klaus - benannt hat ihn Drevs nach Schauspieler Klaus Kinski. «Klaus benimmt sich aber sehr viel besser als Kinski.»

In den USA habe er bei Arbeiten für einen Dokumentarfilm in einem Gefängnis erfahren, dass dort Hunde für die Resozialisierung eingesetzt werden, erzählte der 40-jährige Regisseur. Das habe ihn beeindruckt und inspiriert. In Deutschland habe er fast gar nichts von solchen Projekten gehört.

Häftlinge gerührt

«Na klar», ertönte ein Sprechchor auf die Frage der Filmleute, ob ein Hundetraining die Gefangenen interessieren würde. Man könnte ja auch Drogenspürhunde ausbilden, warf ein Gefangener unter dem Gejohle seiner Mithäftlinge ein.

«Der Film hat mich berührt», sagte ein Einzelhandelskaufmann nachdenklich, der wegen Betruges einsitzt. Der 26-Jährige ließ sich ein Autogramm von Drevs geben - «Für Ralph». Sozialarbeiter Bernd bedankte sich bei der Crew - für den «sehr leisen, sehr sensiblen» Film. Das Gefängnis sei ein Ort der Kälte, und wenn da ein Hund Gefühle wachrüttele und das auch rüberkomme, sei es bemerkenswert.

Auch Gefängnisleiter Wolfgang Fixson zeigte sich zufrieden. Der für Bedienstete und Gefangene oft schwierige Alltag sei ohne Sensationshascherei und Klischees eingefangen. Und für die Kultur in in seiner Haftanstalt mit rund 1000 Insassen nahm er auch in Kauf, dass für Hund Klaus noch ein Trinknapf besorgt werden musste. (Jutta Schütz/dpa)

Video: Trailer zu «Underdogs»


 
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