Kein anderes Werk hat er aber unter eigener Verantwortung so oft im Festspielhaus präsentiert wie «Die Meistersinger von Nürnberg»: Erstmals von 1968 bis 1975 (mit zweijähriger Unterbrechung 1971/2), dann eine weitere Neuinszenierung von 1981 bis 1988. Und schließlich führte Wolfgang noch einmal Regie bei den «Meistersingern» in den Jahren 1996 bis 2002. Es war zugleich seine letzte, beim Publikum überaus beliebte Inszenierung, mit der er künstlerisch Abschied nahm. Mehr als 120 Aufführungen der volkstümlichsten Oper Wagners wurden in Bayreuth vom Werkverständnis seines Enkels geprägt, ein Nachkriegsrekord für die Ewigkeit.Bis 1966 leiteten Wolfgang und Wieland Wagner gemeinsam 436 Aufführungen, danach war und ist Wolfgang noch für alle weiteren bis zum Ende der diesjährigen Festspiele allein verantwortlich. Mehr als 1200 Abende, darunter rund 450 in eigener Regie, standen im Festspielhaus in 57 Jahren in der Verantwortung des scheidenden Chefs - auch das ist ein Rekord. Den wird die eventuelle Nachfolgerin, Wagners 30-jährige Tochter Katharina, nur bei sehr langer Lebenszeit und entsprechend langer Regentschaft in der Bayreuther Gralsburg erreichen können. Kein Zweifel: Richard Wagner wäre stolz auf den fleißigsten seiner Nachfolger aus der eigenen Familie. (Wolfgang Hübner, AP)