Um breitere Anerkennung ringt auch noch im dritten Aufführungsjahr Tankred Dorsts Interpretation von Wagners vierteiligem Musikdrama «Der Ring des Nibelungen». Denn dieser «Ring» will trotz etlicher unbestreitbarer Qualitäten szenisch nicht richtig runden. Musikalisch ist die monumentalste Schöpfung Richard Wagners unter dem Dirigat von Bayreuth-Liebling Christian Thielemann allerdings ein überwältigendes Ereignis. Als neue Brünnhilde wird sich die Amerikanerin Adrienne Dugger präsentieren, die die ebenfalls aus den USA kommende Linda Watson ablöst. Kritisch dürften viele die Leistung des Tenors Endrik Wottrich als Siegmund in «Die Walküre» verfolgen. Denn der mit Katharina Wagner eng verbundene Sänger hat nicht mehr viel Kredit beim Bayreuther Publikum. Mehr noch bewegt allerdings die Frage, ob sich Wolfgang Wagner nach 57 Jahren an der Spitze der einzigartigen Institution selbst vom Publikum und 'seinem' Haus verabschieden wird. So viel dürfte feststehen: Wenn der alte, an Verdiensten so überreiche Mann noch einmal vor den riesigen Bühnenvorhang treten sollte, werden die Ovationen nicht enden und Tränen fließen. Denn einen wie ihn, das erscheint ungeachtet seines von vielen als zu spät empfundenen Abgangs gewiss, wird es nicht mehr geben. (Wolfgang Hübner, AP)