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Neue Ausstellung in Dresden: 

Faszination des osmanischen Schreckens

18. Jul 2008 16:10
In der Rüstkammer wird die hölzerne Nachbildung eines Apfelschimmels geschmückt
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Die sagenhaften Reichtümer der sächsischen Kurfürsten liegen im Grünen Gewölbe zu Dresden. Alle? Nein, denn die Geheimnisse der «Türckischen Cammer» sind noch zu entdecken.

Im Dresdner Residenzschloss soll sich 2010 eine zweite Schatzkammer neben dem Grünen Gewölbe öffnen: Nach mehr als 60 Jahren im Verborgenen kehrt mit der «Türckischen Cammer» eine weitere Sammlung sächsischer Kurfürsten und Könige ans Licht zurück. Auf gut 750 Quadratmetern ist die «Pracht des Orients» zu erleben, verspricht Rüstkammer-Direktor Dirk Syndram. Eine Kabinettausstellung mit acht besonderen Exponaten im Neuen Grünen Gewölbe gibt bereits einen Vorgeschmack auf die «Türkenkammer», eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen osmanischer Kunstwerke des 16. bis 19. Jahrhunderts.

Sie enthält rund 800 exotische Waffen, Zelte, Reitzeuge, Fahnen und Gewänder, die als diplomatische Geschenke, Ankäufe oder Beutestücke aus Schlachten gegen die Osmanen zusammengetragen wurden. Gut 600 davon sollen künftig die Faszination sächsischer Herrscher gegenüber dem Orientalischen erlebbar machen. «Die Kammer bietet eine Entdeckungsreise zu Arabiens Schätzen, ein Eintauchen in 1001 Nacht», sagt Syndram. Diese teils überlegene Hochkultur habe im 17./18. Jahrhundert auch eine Bedrohung für die europäische Kultur dargestellt. «Es war eine Mischung aus Faszination und Furcht, die Fürsten hierzulande beschlich, eine Faszination des Schreckens.»

Restauration eines Spannschlossgewehrs
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In den Schlachten, an denen auch Sachsens Kurfürsten in Diensten des Kaisers beteiligt waren, wurden militärische Überlegenheit, Disziplin und Kampftechniken, aber auch die prachtvolle und absolutistische Macht der Türken bewundert. «Erste Kontakte mit dem türkischen Reich gab es schon im späten 15. Jahrhundert, als verschiedene Kurfürsten ins Heilige Land pilgerten», erzählt Holger Schuckelt, Oberkonservator der Rüstkammer. «Im 16. Jahrhundert ging es dann mit ersten Geschenken an Kurfürst August richtig los.» So gelangten prunkvolle Gegenstände wie Reitzeuge und Waffen an den Dresdner Hof.

Die türkische Mätresse von August dem Starken

«Der Kontakt von Sachsen zu Osmanen war relativ friedlicher Natur, hatte mehr diplomatischen Charakter», erzählt Schuckelt. Ihre Blütezeit erreichte die Türkenmode unter Kurfürst Friedrich August I., genannt der Starke (1670-1733). «Er war als König von Polen direkter Nachbar des Osmanischen Reiches und unterhielt enge diplomatische Kontakte.» Der lebenslustige Monarch feierte nicht nur orientalische Feste, sondern hatte mit Fatima auch eine türkische Mätresse und zwei Kinder. Mit dem Orient identifizierte er sich noch mehr als er der Chinamode frönte.

Bei der Vermählung seines Sohnes 1719 ließ er etwa ein türkisches Serail als Wachsfigurenkabinett mit Harem, Würdenträgern und Eunuchen nachbilden, durch das es Führungen gab «wie bei Madame Tussauds», sagt Syndram. Dieses Serail habe Augusts Traum vom Hofstaat mit Pracht und Macht entsprochen. Bei seinen Nationenfesten trat der Regent gern als Sultan verkleidet auf und hielt sich nach dem Vorbild der osmanischen Elitetruppen eine eigene Janitscharengarde. Klingen und Uniformteile sind im künftigen Museum ebenso zu sehen wie Teile eines prächtigen Türkenzeltes.

Fünf Holzrösser wurden nachgebildet

Restauratoren arbeiten eine der Prunk-Reitgarnituren auf, die teils aus bestickter Seide, Gold, Silber und Emaille bestehen und mit Edelsteinen besetzt sind. Sie wird eines der fünf Holzrösser schmücken, die ein Bildhauer nach Inventarbeschreibungen nachgebildet hat. Deren Vorbilder waren einst ebenso im Orient für den Dresdner Hof gekauft worden wie Säbel oder Zelte.

Die Türkenkammer ist nicht die zahlenmäßig umfangreichste Sammlung, aber in Qualität und Vielfalt herausragend, so Syndram. Vieles sei in den Jahrhunderten verschenkt oder für die Ausstattung von Inszenierungen in der Oper verwandt worden. «Wir feiern unser Museumsfest weiter.» Die Türckische Cammer soll die Faszination der Fürsten nachvollziehbar machen, wobei die Pracht der Exponate im Vordergrund steht. «Das Besondere ist, dass wir zu fast allen Stückendie überlieferte Geschichte haben, das ist einmalig.» (Simone Block, dpa)

 
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