Kombi-Kunst-Ticket:
R.E.M. rockt Fans ins Museum
16. Jul 2008 12:32
 |  Ex-Kunststudent und Sänger: Michael Stipe | Foto: dpa |
|
Wer das R.E.M.-Konzert in Dresden besucht hat, darf umsonst in die Staatliche Kunstsammlungen. Ex-Kunststudent Michael Stipe am Mikrofon war selbst im Grünen Gewölbe, bevor er auf die Bühne ging.
Die US-Rockband R.E.M hat ihren Konzertbesuchern dazu geraten, doch mal wieder ins Museen zu gehen. Mit der Eintrittskarte für die Show am Dienstag haben die Fans nun zwei Monate lang Zeit, um sich Raffaels «Sixtinische Madonna» in den Staatlichen Kunstsammlungen anzusehen.
Der R.E.M.-Sänger Michael Stipe war selbst vor dem Konzert seiner Band in der Elbmetropole im Grünen Gewölbe, sagte eine Sprecherin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Auch etliche R.E.M-Fans seien vor dem Konzert am Elbufer in den Museen gewesen.
Verwaltungsdirektor öffnete die Museumstüren
Auch für die Fans, die der Musik ohne Ticket lauschten, hatte Stipe ein Herz: «Tut mir nur leid für die Leute auf der Brücke», rief er jenen Fans zu. Die Initiative für das Kombi-Ticket der besonderen Art ging vom Verwaltungsdirektor der Kunstsammlungen Dirk Burghardt aus. Er sei aber beim Management der Band gleich auf offene Ohren gestoßen, hieß es von der Museumsinstitution.
Lieder der neuen Platte im Mittelpunkt des Konzerts
Das Konzert selbst begannen R.E.M. mit aktuellen Songs. Nach dem rockigen Auftakt konnten die Fans beispielsweise zu «Horse To Water» lautstark jubeln. Beim Tänzeln auf der Bühne ließ Stipe im schwarzen Anzug seine 48 Lebensjahre vergessen. Der charismatische Musiker stürmte wie ein jugendlicher Draufgänger an der Rampe entlang oder bewegte sich roboterhaft zu den Klängen seiner Bandkollegen. Stipe, Bassist Mike Mills und Gitarrist Peter Buck hatten sich mit einem Drummer und einem weiteren Gitarristen Verstärkung, der gelegentlich auch ans Keyboard wechselte.
Erstes Konzert in Deutschland in diesem Jahr
Beim ersten Deutschland-Auftritt der Tour gewährten die Musiker aus dem US-Bundesstaat Georgia einen Einblick in 27 Jahre Bandgeschichte. Natürlich ist auch R.E.M. im Multi-Media-Zeitalter angelangt. Auf einer riesigen Videoleinwand flimmerten auf der Hinterbühne Bilder von der Show, kurze Filmsequenzen oder verknappte Text-Botschaften. Neben großen R.E.M.-Hits wie «Imitation Of Life» oder «Bad Day» erklangen immer wieder Songs des Ende März erschienenen Albums, so der Titelsong «Accelerate», «Houston» und «Hollow Man». Einmal schien es, als würde Stipes Stimme an Kraft verlieren.
«Let me in» für Kurt Cobain
Doch beim wunderschönen «Let Me In» belehrte er die Zweifler eines Besseren. Zu dem Song, der Stipes seinem Freund und Nirwana-Sänger Kurt Cobain widmete, zogen sich die Akteure zu einer Akustik-Session auf der rechten Bühnenseite zurück. Auch das Lied «Elektrolite» aus dem Jahr 1996 markierte ein Stück R.E.M.-Historie. Beim Finale sprang Stipe zweimal in den Sicherheitsgraben, der die Bühne von den Fans trennte, und nahm ein Bad in der Menge. Bei den abschließenden Hits «Losing My Religion» und «Man On The Moon» tanzte das Publikum ausgelassen. «Es ist das erste Konzert in Deutschland, es ist fantastisch», bedankte sich der Frontman.
Nächstes Konzert in Berlin
Leider hatten die Tontechniker bei dem knapp zweistündigen Konzert nicht ihren besten Tag erwischt. Phasenweise war die Anlage übersteuert und dämpfte den Hörgenuss. Nach Berlin am Mittwoch stehen in Deutschland noch weitere sechs Konzerte auf dem Tourneeplan: Stuttgart (19.8.), St. Goarshausen am Rhein (20.8.), Würzburg (22.8.), Oberhausen (17.9.), Hamburg (18.9.) und München (23.9.). Bei den Staatlichen Museen zu Berlin gab es bislang nach eigenen Angaben übrigens noch keinen Entschluss, die Türen der Museen für R.E.M.-Fans gratis zu öffnen. (nz/dpa)