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Skandalroman als Theaterstück: 

Bühne wird zum «Feuchtgebiet»

10. Jul 2008 11:58, ergänzt 17:33
Spielt nicht in ihrer eigenen Story mit: Charlotte Roche.
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Kaum sind die Schlagzeilen um Charlotte Roches Debütroman ein wenig verebbt, droht schon die nächste Sintflut: «Feuchtgebiete» wird jetzt zum Theaterstück. Maike Schultz über den Phantom-Porno von Halle.

Hämorrhoiden, Körperflüssigkeiten, Fäkalien und Analsex sind die Themenschwerpunkte von Charlotte Roches Debütroman – keine Dinge, die jeder gerne live und in Farbe sehen möchte. Regisseurin Christina Friedrich will den Stoff trotzdem auf die Bühne holen. Sie inszeniert die Geschichte um die promiske Helen Memel am neuen Theater (NT) im ostdeutschen Halle.

Wie das von Schauspieler Peter Sodann gegründete Theater auf der Kulturinsel in seinem Spielplan bekannt gab, soll schon am 27. September Premiere gefeiert werden. «Es wird uns keiner glauben, aber bereits einen Tag nach Erscheinen von Charlotte Roches Roman entstand die Idee, das Buch auf die Bühne zu bringen», steht auf der NT-Website zu lesen. Damals war noch nicht klar, was für ein Verkaufsschlager «Feuchtgebiete» werden würde.

Kein Porno zu erwarten

Für eine Spielzeit von sechs Wochen hat der Dumont-Verlag dem Theater die Exklusivrechte an «Feuchtgebiete» zugesagt. Dass sich Friedrich und Roche schon seit den 90er Jahren kennen, sei bei den Verhandlungen von Vorteil gewesen. Es gebe keinerlei Auflagen für die Inszenierung.

Was genau bei der Welturaufführung im Herbst gezeigt wird, steht noch gar nicht fest. Aber eines ist sicher: «Wer auf Sex aus ist, sollte nicht ins Theater gehen. Den hat man besser zu Hause», sagte die Regisseurin der «Bild»-Zeitung. An dem Buch hätten sie vielmehr «der extrem weibliche Blick» und «die schöne Anarchie» begeistert.

Ein Bestseller: Der Debütroman der TV-Moderatorin.
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«Eine Landschaft voller Abgründe»

Über den Inhalt der Bühnenadaption drang nur folgendes an die Öffentlichkeit: «Ein wildes dunkles Mädchen macht sich auf den Weg, ihren Körper zu erkunden. Sie sucht jeden Schmerz und jede Grenze. Sie fürchtet sich vor nichts und weint vor Angst. Sie sehnt sich nach Liebe und weiß schon alles», so Friedrich. «Ihre Welt ist ein Paradies und eine weiße Hölle. Helen Memel geht radikal in ihrem Körper umher und nimmt uns mit in diesen. Eine Landschaft voller Abgründe, Phantasien und die schönste Befreiung, die man sich wünschen kann.»

Die Regie-Absolventin der Berliner Schauspielschule «Ernst Busch» inszenierte bereits in Bremen, Bonn Hannover, Berlin und Mainz. Sie lehrt im Masterstudiengang Bühnenbild an der Technischen Universität Berlin und dreht gerade den Dokumentarfilm «Highway to Heaven».

Peter Sodann ist es gleich

In Halle führte Friedrich zuletzt bei dem Stück «Fightclub» Regie. Mit dem gleichen siebenköpfigen Nachwuchs-Ensemble (Benjamin Berger, Lisa Bitter, Matthias Faust, Ronny Miersch, Bastian Reiber, Stefanie Rösner und Benjamin Schaup) probt sie nun für «Feuchtgebiete». Wer die Hauptfigur Helen spielt, wurde noch nicht bekannt.

Die «Bild» fragte auch NT-Gründer Peter Sodann, wie er es findet, dass seine Bühne nun zum «Feuchtgebiet» wird. Er habe mit einem Gleichnis geantwortet: «Ein Theaterbesucher fragt einen Weisen: Ist es Kunst, wenn ein Schauspieler auf die Bühne sch...? Der Weise antwortet: Wenn das Publikum klatscht, könnte es Kunst sein.» Das Neue Theater bildet seit 1980 das Herzstück der Kulturinsel Halle. In Kooperation mit der Schauspielschule «Felix-Mendelsohn-Bartholdy» absolvieren die Jung-Schauspieler hier ihre letzten beiden Ausbildungsjahre.

Smegma in Dosen

Und Charlotte Roche? Die ehemalige Viva-Moderatorin belegt mit «Feuchtgebiete» nach wie vor den Spitzenplatz der «Spiegel»-Bestsellerliste Belletristik. Bisher verkaufte sich das Buch rund 700.000 Mal. Die Autorin wird sich das Bühnendebüt ihrer Geschichte wohl nicht entgehen lassen: Einen Tag vor der Premiere gibt sie eine Lesung im Halleschen «Steintor».

Sie sollte schon mal Verträge für die nächsten Anfragen im Gepäck haben. Der «Feuchtgebiete»-Kinofilm lässt sicher nicht lange auf sich warten - vielleicht sogar in Hollywood, immerhin gibt es den Roman bald auch in englischer Sprache zu kaufen. Sicher auch ein Gimmick-Renner in einschlägigen Shops: Das Helenische Smegma in Dosen. Schon Lady Bitch Rays skandalträchtiges Gastgeschenk in der Sendung von Schmidt und Pocher machte dieses Souvenir berühmt. (nz)

Video: Charlotte Roche liest aus «Feuchtgebiete»


 
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