Einigung zu Honoraren:
Übersetzer kassieren bei Bestsellern extra
20. Jun 2008 17:58
 |  Die Vielfalt des deutschen Buchmarktes beruht auch auf der Leistung der Übersetzer | Foto: dpa |
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In Deutschland verdient ein literarischer Übersetzer pro Stunde zumeist weniger als ein Anstreicher. Jetzt soll diese hochqualifizierte Berufsgruppe endlich besser bezahlt werden.
Die etwa 2000 literarischen Übersetzer in Deutschland sollen besser vergütet und künftig auch am Umsatz ihrer Bücher beteiligt werden. Darauf haben sich nach sechsjährigen Auseinandersetzungen namhafte deutsche Verlage mit dem Verband deutscher Schriftsteller in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di verständigt, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Übersetzerverband am Freitag in Berlin mitteilten. Dem Ergebnis muss allerdings noch eine Mitgliederversammlung der Übersetzer am 20. September zustimmen. Dann könnten die neuen Sätze ab 1. Oktober in Kraft treten. Die literarischen Übersetzer gelten als hochqualifiziert und gemessen an ihrer Leistung für den Erfolg eines Buches als unterbezahlt.
Im Kern besteht die Vergütungsregel aus einer Umsatzbeteiligung für alle Übersetzer von belletristischen Werken und Sachbüchern ab einer verkauften Auflage von 5000 Exemplaren sowie weiteren Erlösbeteiligungen an Taschenbuch-, Hörbuch- und elektronischen Ausgaben. Zusätzlich gibt es eine Beteiligung an sämtlichen Lizenzerlösen. Bisher war eine Beteiligung ab 15.000 verkauften Exemplaren angeboten worden. Die Beteiligungssätze liegen nach Auflagen gestaffelt und getrennt zwischen Hardcover und Taschenbuch zwischen 0,25 und 1 Prozent. Bei den Lizenzerlösen sollen sie mit 7,5 Prozent beteiligt werden. Die Grundvergütung soll für eine übersetzte Seite im Mittel bei 17 Euro beim Hardcover und 13 Euro beim Taschenbuch liegen, mindestens aber 12 beziehungsweise 10 Euro betragen. Für besonders anspruchsvolle Übersetzungen sollen auch weiterhin über 20 Euro gezahlt werden.
Börsenverein tagte in Berlin
Die Vereinbarung war auch ein Gesprächsthema auf der Jahreshauptversammlung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, des Dachverbandes des deutschen Buchmarktes, am Freitag in Berlin. Dabei wurde von der Bundesregierung ein «Gesamtkonzept zum Schutz des geistigen Eigentums in der digitalen Gesellschaft» gefordert. Was von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) dazu bisher vorgelegt worden sei, sei «immer noch konzeptlos», kritisierte Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis.Gleichzeitig richtete Skipis einen Appell an die eigenen Reihen in der Buchbranche, den rasanten technologischen Wandel der Medien nicht als Bedrohung, sondern auch als Chance zu verstehen. «Wir brauchen dazu allerdings auch eine mentale Bereitschaft zu kämpfen, wenn es darauf ankommt - so wie es uns die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft gerade wieder vorgemacht hat. Wir brauchen Flexibilität und Visionen und vor allem bessere Kenntnisse der technischen Möglichkeiten.»
Alternativen zu Frankfurt
Ein Thema auf der Hauptversammlung war auch ein möglicher Umzug des Börsenvereins nach Berlin oder Leipzig. Er will aber am Main bleiben. Der Vorstand wurde aufgefordert, für drei Alternativen am Standort Frankfurt detaillierte Vorschläge auszuarbeiten. Am Rande der Frankfurter Buchmesse soll dann im Oktober eine endgültige Entscheidung darüber fallen, welche Gebäude der Verband in Frankfurt beziehen wird, wie eine Verbandssprecherin sagte. Tochter des Börsenvereins ist die weltgrößte Bücherschau in Frankfurt am Main. Hintergrund des Beschlusses ist der baufällige Zustand des Frankfurter Hauptgebäudes, in dem sich der Börsenverein jetzt befindet. (dpa)