Kino im Vatikan:
Der Papst bringt seinen Sessel mit
09.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Wir erwerben allerdings selbst keine Filme, sondern sind auf Spenden angewiesen», seufzt die Filmverantwortliche mit einem entschuldigenden Lächeln. Claudia Di Giovanni, eine der wenigen Frauen in Führungspositionen im Vatikan, arbeitet seit knapp 20 Jahren in dem kleinen Archiv hinter dem Petersdom.
Darin seien erstmals Spezialeffekte für moderne Horrorvisionen eingesetzt worden, sagt Di Giovanni. Der von der italienischen Produktionsgesellschaft Helios produzierte Stummfilm hat deutsche Zwischentitel, denn die Kopie stammt aus einem Schweizer Fundus. Der Jesuit, der ihn einst in Basel für den Geschichtsunterricht genutzt habe, habe seinen Posten verloren, erzählt die Leiterin der Filmothek, «denn das neue Medium Film galt damals noch als teuflisch».
Die Filmothek soll laut Satzung nicht nur Filme über religiöse Themen sammeln, sondern «Werke von hohem künstlerischen und menschlichen Wert». Der langjährige Präsident des Päpstlichen Medienrats, John Patrick Foley, erzählt gern, wie der italienische Schauspieler und Regisseur Roberto Benigni sich bei der Vorführung seines Holocaust-Films «Das Leben ist schön» im vatikanischen Kinosaal auf den Schoß von Papst Johannes Paul II. zu setzen versuchte.
Seit Ende der 90er Jahre veranstaltet der Vatikan zusätzlich jedes Jahr ein kleines internationales Festival des spirituellen Films unter dem Titel «Tertio Millennio». Die Päpste hätten die Entstehung des Films von Anfang an mit Interesse verfolgt, urteilt Claudia Di Giovanni und weist auf eine frühe Aufnahme hin: Schon im Jahr 1896 ließ sich Papst Leo XIII. vom schottischen Filmpionier William Kennedy Laurie Dickson in den Vatikanischen Gärten filmen. Anschließend, so heißt es, segnete der Papst die Kamera. (Bettina Gabbe, epd)

