15.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Barenboim bleibt auch weiterhin an der Staatsoper
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Die Berliner Staatsoper braucht einen neuen Intendanten, denn der bisherige hat im Streit um mehr Geld für Opernproduktionen das Haus verlassen. Noch gibt es keinen abgesegneten Wirtschaftsplan.
Der Intendant der Staatsoper Unter den Linden, Peter Mussbach, verlässt das Haus mit sofortiger Wirkung. Damit geht ein wochenlanger Geldstreit an dem von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim mitgeleiteten Opernhaus zu Ende. Die Stiftung Oper in Berlin habe sich mit Mussbach geeinigt, ihn von allen Pflichten zu entbinden, teilte die Senatskulturverwaltung am Donnerstag mit. «Beide Seiten sehen sich zu diesem Schritt veranlasst, da sie kein Einvernehmen über die künftige Ausrichtung des Gesamtbetriebes und der künstlerischen Programmatik erzielen konnten», hieß es zur Begründung. An diesem Freitagabend will Barenboim das Programm für die kommende Spielzeit vorstellen. Damit gelten die finanziellen Streitigkeiten als gelöst.
Barenboim sagte, die künstlerische Substanz seines Hauses sei trotz des Streits intakt geblieben. Das jüngste Pfingstfestival mit acht Opern- und Konzertabenden vor stets ausverkauftem Haus sei ein Beweis für die hohe Qualität der Staatsoper, sagte der Dirigent der Deutschen Presse-Agentur dpa. Es sei ein Fehler gewesen, die internen Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit auszutragen.
Mussbachs Vertrag lief bis 2010Mussbach hatte Ende April erklärt, wegen Differenzen mit dem Geschäftsführenden Direktor Georg Vierthaler beim Etat und der Verwendung von einem zusätzlichen Zuschuss in Höhe von 10 Millionen Euro könne er keinen gültigen Wirtschaftsplan vorlegen. Mussbach, dessen Vertrag über das Jahr 2010 hinaus nicht verlängert worden war, wollte mehr Geld für Opernproduktionen, Barenboim mehr Mittel für die Staatskapelle. Auch Vierthalers Vertrag war nicht verlängert worden. Er hat die Staatsoper mittlerweile verlassen. Mussbachs Aufgaben übernimmt nun zunächst Operndirektor Ronald Adler.
Der Stiftungsrat der Opernstiftung unter Vorsitz des Regierenden Bürgermeisters und Kultursenators Klaus Wowereit (SPD) hatte daraufhin den Stiftungsvorstand angewiesen, einen gültigen Wirtschaftsplan für die Staatsoper vorzulegen. Die zusätzlichen 10 Millionen Euro hatte Berlin der Staatsoper als Gegenleistung für eine Beteiligung des Bundes an der Sanierung des maroden Gebäudes zur Verfügung gestellt.
Die Staatsoper ist derzeit seht erfolgreichDer Generaldirektor der Opernstiftung, Stefan Rosinski, erklärte, der Weggang Mussbachs könne das Symptom für eine Zukunftsentscheidung über den Kurs der Staatsoper sein. Mit seinen «ästhetischen Provokationen und Grenzüberschreitungen» habe Mussbach das Musikerbe mit der Bilderwelt unserer Zeit konfrontieren wollen. Er hoffe, dass die Staatsoper durch seinen Rückzug keinen Schaden nehmen werde.
Derzeit sonnt sich die Staatsoper im künstlerischen Erfolg. So wurde am vergangenen Sonntag Wagners «Tristan und Isolde» unter Barenboims Leitung mit einer rund halbstündigen Ovation gefeiert. Dabei waren zwei internationale Spitzensänger, Waltraud Meier in der Rolle der «Isolde» und Matti Salminen als «König Marke», erst kurzfristig für erkrankte Ensemblemitglieder eingesprungen. «Wenn Künstler bereit sind, so schnell und kooperativ zu reagieren und nach Berlin zu kommen, dann geht das nur, weil die Staatsoper ein sehr hohes künstlerisches Niveau hält, das sie sich über Jahre erarbeitet hat», sagte Barenboim.
Während der Renovierung wird die marode Staatsoper von 2010 bis 2013 in das seit Jahren geschlossene Schillertheater ziehen. Wegen der geringeren Zahl der Zuschauerplätze muss die Oper mit Mindereinnahmen von 11 Millionen Euro rechnen, 7 Millionen Euro hat das Haus in Reserve.
Der 59-jährige Mussbach war seit 2003 Intendant der Staatsoper. Einen Nachfolger gebe es noch nicht, sagte ein Sprecher der Oper. Zu Mussbachs großen Erfolgen gehören die Inszenierung von Hans Werner Henzes «Phaedra» und Schönbergs »Moses und Aron« (2004). (dpa)