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Nachruf auf Pop Art-Ikone: 

Robert Rauschenberg ist tot

14. Mai 2008 12:09
Rauschenberg galt als einer der Väter der Pop-Art.
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Der bekannte US-Künstler ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Seine einzigartigen Kombinationen aus Alltagsgegenständen und skurrilen Objekten machten ihn zu einem Pionier der Pop-Art.

Eine ausgestopfte Ziege, ein Autoreifen und ein Tennisball sichern Robert Rauschenberg einen Platz im Olymp der Pop Art - gleich neben Roy Lichtenstein und Andy Warhol: «Monogram» (1959) ist das berühmteste seiner «Combine Paintings» - dreidimensionalen Installationen aus Alltagsobjekten und Farbe, mit denen er die traditionelle Grenze zwischen Malerei und Skulptur einriss. Voll Entsetzen sagte ein Kritiker: «Wenn das moderne Kunst sein soll, dann gebe ich auf.» Rauschenberg starb nach Angaben seiner New Yorker Galerie vom Dienstag in seinem Haus auf Captiva Island (Florida). Er wurde 82 Jahre alt.

In den 50er und 60er Jahren machte das «Enfant terrible» sich daran, der Ernsthaftigkeit des amerikanischen Abstrakten Expressionismus den Kampf anzusagen: Bezeichnend ist eines von Rauschenbergs frühen Werken «Erased De Kooning« (1953), in dem er einfach eine Zeichnung seines New Yorker Kollegen Willem de Kooning ausradierte. In seine dreidimensionalen Gemälde baute er Zeitungsbilder, Comic Strips und Gegenstände alltäglicher Banalitäten.

Einzigartige Fantasie

«Keiner hat die überschäumende, ungezügelte Energie von Rauschenbergs Vorstellungskraft», schrieb der Kunsthistoriker Robert Hughes über ihn. «Er liebt die Geräusche, den Abfall und den Geruch der Straße.» Rauschenberg experimentierte mit Drucken auf Aluminium, sich bewegenden Plexiglasscheiben, Kleidern und anderen Oberflächen.

Geboren wurde er 1925 als texanischer Ölarbeiter-Sohn Milton Ernest Rauschenberg. Sein Großvater väterlicherseits stammte aus Berlin und heiratete später eine Cherokee-Indianerin.

Die indianische Abstammung präge auch seine Kunst, sagte Rauschenberg einmal in einem Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit»: «Ich versuche, in meiner Kunst dem Gewöhnlichen etwas abzugewinnen. Etwas, das mich überrascht. Viele Menschen leben doch in dem Gefühl, dass ihnen für ihr Glück etwas Wichtiges fehlt. Oder dass sie das Entscheidende in ihrem Leben versäumen. Dabei ist die Welt doch ungeheuer reich. Man muss den Reichtum nur einsammeln».

Seine Affinität zu Deutschland rührt von seiner Verehrung für den Maler Kurt Schwitters und seine Freundschaft mit Joseph Beuys her.

Von Schwarzweiß-Malerei zur Objektkunst

Rauschenberg begann nach dem Militärdienst ein Studium am progressiven Black Mountain College in North Carolina bei Josef Albers. Dessen Mantra zum Trotz, dass sich eine Farbe immer in den Dienst der anderen stellen solle, konzentrierte er sich zunächst auf monochrome «White Paintings» und «Black Paintings». In North Carolina lernte er auch den Choreographen und Tänzer Merce Cunningham und den Musiker John Cage kennen, mit denen er eigene Projekte schuf. Der Durchbruch kam mit dem Umzug nach New York, wo er in der legendären Galerie von Leo Castelli seine erste Einzelausstellung hatte.

Rauschenberg-Bild
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Seine tief verwurzelte demokratische Grundhaltung manifestiert sich in der Gleichrangigkeit der Bildelemente. Diese Haltung kennzeichnete auch das aufsehenerregende Projekt «Roci» («Rauschenberg Overseas Culture Exchange»): Der Künstler bereiste von 1984 bis 1991 zehn Länder, um das jeweils Kulturspezifische bildnerisch zu verarbeiten - im Zusammenarbeit mit den Künstlern. «Roci begann mit meinem Entschluss, etwas gegen die Weltkrise zu tun, anstatt mich der Midlife Crisis hinzugeben», sagte er flapsig. Als er mit einer Fülle von Werken wiederkam, sprachen Kritiker begeistert von einer Rauschenberg-Renaissance.

Verheiratet war Rauschenberg nur kurz - mit Susan Weil, die er gleich nach dem Krieg bei einem Studienaufenthalt in Paris kennengelernt hatte. Mit ihr bekam er einen Sohn Christopher, der heute als Fotograf arbeitet. Zu seinen langjährigen Lebensgefährten gehörten Cy Twombly und Jasper Johns, mit dem er jahrelang ein ausschweifendes Leben in Manhattan führte. 1998 widmete ihm das New Yorker Guggenheim Museum ein riesige Retrospektive mit rund 400 Werken. Die «New York Times» nannte Rauschenberg den «Titanen der Amerikanischen Kunst». Im Münchner Haus der Kunst ist seit dem vergangenen Freitag eine Ausstellung mit seinen Werken aus den Jahren 1970 bis 1976 zu sehen. (nz/Carla Reissman, dpa)

 
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