Umstrittener Bau der Waldschlößchenbrücke:
Unesco für neuen Bürgerentscheid in Dresden
10. Mai 2008 18:04
 |  Die Unesco will einen weiteren Entscheid zum Bau der umstrittenen Brücke | Foto: Quelle |
|
Der Chef des Welterbezentrums, Bandarin, hat einen Baustopp gefordert. Er kritisierte zugleich die erste Abstimmung über die Brücke.
In dem andauernden Streit um den Bau der Dresdner Waldschlößchenbrücke hat das Unesco-Welterbezentrum in Paris eine neue Abstimmung der Bürger gefordert. «Der erste Entscheid hat die falsche Frage gestellt und den Dresdnern die Sachlage nicht verdeutlicht», sagte der Chef des Welterbezentrums, Francesco Bandarin, der «Sächsischen Zeitung».
Er bezog sich damit auf den Bürgerentscheid von 2005, bei dem sich eine Mehrheit der Dresdner für eine Brücke im Elbtal ausgesprochen hatte. Damals hätte laut Bandarin die Frage gestellt werden müssen, ob die Dresdner eine Brücke wollten, die die Aberkennung des 2004 verliehenen Welterbetitels nach sich ziehen würde.
«Fast unmöglich, noch nach Kompromissen zu suchen»
Dresden sei als einzigartige Kulturlandschaft in die Liste des Welterbes aufgenommen worden, sagte Bandarin. Schon mit der Beantragung des Titels - vor dem ersten Bürgerentscheid - sei klar gewesen, dass die Stadt damit die Verpflichtung übernommen habe, die Landschaft zu schützen. «Wenn man einen historischen Stadtkern schützen will, fängt man doch auch nicht am nächsten Tag an, ein Hochhaus in die Mitte zu bauen.» Bandarin forderte, den im Herbst 2007 begonnenen Brückenbau sofort zu stoppen. «Denn es wird fast unmöglich, noch nach Kompromissen zu suchen.» Ein neuer Bürgerentscheid werde einige Zeit brauchen. «Aber Zeit spielt doch keine Rolle. Denkmalschutz denkt für die Ewigkeit, für zukünftige Generationen. Was sind da ein oder zwei Jahre?» Sollten sich die Dresdner bei einer neuen Abstimmung für eine Brücke entscheiden, «dann kann ich nur sagen: Keiner ist verpflichtet, Welterbe zu sein». Er glaube aber nicht, dass die Menschen so denken.
Neuer Entscheid fraglich
Der Dresdner Stadtrat hatte sich kürzlich mehrheitlich für einen neuen Bürgerentscheid ausgesprochen. Ob und wann er stattfindet, ist jedoch fraglich, da der amtierende Oberbürgermeister Lutz Vogel (parteilos) sein Veto einlegte. Nun muss sich das Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde einschalten. Die Initiatoren des Entscheids wollen erreichen, dass die Dresdner eine Alternative zwischen der geplanten Waldschlößchenbrücke und einem Tunnel an gleicher Stelle haben. Wird die Brücke weiter gebaut, droht die Aberkennung des Unesco-Welterbetitels. Darüber will das Welterbekomitee voraussichtlich schon im Sommer entscheiden. (dpa)