09.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Götz George in seiner bekanntesten Rolle
Foto: ARD
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Den speckigen Parka für die Rolle fand er im Schrank seines Bruders. Mit dem Tatort-Engagement nahm die Karriere Götz Georges schließlich Fahrt auf. Dass es in seinem Privatleben oft turbulent zuging, auch davon erzählt ein neues Buch. Mit Video
Beinahe wäre Jürgen Prochnow zu Horst Schimanski geworden: Er war 1980 der Favorit von Regisseur Hajo Gies. Schließlich fiel die Wahl des WDR doch auf Götz George. Der war von der Rolle zunächst ganz und gar nicht angetan. «Ich will kein Trenchcoat-Kommissar sein, damit werde ich ja festgenagelt auf eine ganz spießige und bürgerliche Figur», rief er aus. Dann las er das Drehbuch und war begeistert: «Dieser Kommissar ist richtig aufsässig, dachte ich, toll», erzählt der Schauspieler in der Biografie «Mit dem Leben gespielt».
Damals war Götz George gut 40 Jahre alt, hatte beruflich einiges erreicht und war doch frustriert. Der wirkliche Durchbruch im deutschen Film war ihm noch nicht gelungen, Rollen, die ihn herausforderten, waren nicht in Sicht. «Putzi abends bei mir. Ihm fehlt Arbeit», schrieb seine Mutter Berta Drews im Juni 1979 in ihrem Tagebuch «Putzi» war ihr Kosename für den Sohn.
Mit Schimanski änderte sich alles. «Die 80er Jahre», sagt er, «waren sicherlich die schönsten, die anstrengendsten und die erfülltesten Jahre in meinem Leben.» In der ersten Szene des ersten Schimanski-»Tatorts» isst er zwei rohe Eier. Weil der Dreh mehrfach wiederholt werden musste, hatte er schließlich zwölf rohe Eier heruntergeschlungen - und übergab sich. «In solchen Situationen war der Götz erbarmungslos gegen sich selbst», berichtet Regisseur Gies.
Die Geschichte eines leidenschaftlichen SchauspielersGeorges Biograf Torsten Körner hat nicht nur ausführlich mit dem Schauspieler gesprochen, sondern mit zahllosen Zeitzeugen, Kollegen, Freunden und Verwandten. Das Ergebnis ist die Geschichte eines leidenschaftlichen Schauspielers, für den seine Arbeit immer das Wichtigste war.
Wichtiger oft auch als das Privatleben: Beziehungen scheiterten, seine Ehe mit Loni von Friedl wurde 1977 geschieden. Bereits ein Jahr zuvor war die Schauspielerin mit Tochter Tanja aus dem gemeinsamen Haus in Berlin ausgezogen. George war zu dem Zeitpunkt auf Tournee. «Mein Mutter empfing mich, zum Glück, und erzählte mir, was passiert war... es hat lange gedauert, bis ich in meinem Alltag wieder eine vernünftige Basis und Struktur fand», sagt George heute.
Ein Vater, der züchtigteDas Verhältnis zur 1967 geborenen Tochter stabilisierte sich, als sie größer wurde. Sie ging als Kind mit der Mutter nach Hamburg. «Ich merkte zwar, dass ihre Mutter keineswegs schlecht über mich gesprochen hatte, aber Tanja und ich waren ziemlich verklemmt...Es war schon eine sehr große Liebe zwischen uns, aber ich habe ihr das nicht so zeigen können, und deshalb war es ein schwieriges Sich-Annähern», erzählt der Vater.
Auch über seinen eigenen Vater Heinrich George, der in russischer Gefangenschaft starb als Götz acht Jahre alt war, spricht er. Mutter und Vater waren häufig abwesend, Kindermädchen passten auf Götz und seinen älteren Bruder auf. Zugleich war der Vater sehr streng. «Obwohl er mich züchtigte, war er doch auch ein zärtlicher Mensch. Meine Mutter erzählte mir, dass er es originell fand, dass ich mich auflehnte und opponierte. 'Stell Dir mal vor', sagte er, 'der Junge wäre ein Duckmäuser.'»
Kraftausdrücke des «Schmuddelkommissars»Ein Duckmäuser ist George auch als Horst Schimanski nicht, «Schmuddelkommissar» wird er unter anderem wegen seiner Kraftausdrücke in der Boulevardpresse genannt. Den legendären Parka fand er selbst im Schrank seines Bruders; er wurde grau gefärbt und enger gemacht. Die «Tatort»-Folgen waren ein großer Erfolg, doch George begann sich im Laufe der Jahre von der Schimanski-Figur abzunabeln. Dazu trug wohl auch der Erfolg bei, den er inzwischen als Kinostar hatte. 1991 wurde die letzte Schimanski-Folge ausgestrahlt: Der Polizist nimmt seinen Hut und ermittelt in Zukunft als Privatdetektiv weiter.
Die 90er Jahre wurden eine Zeit großer beruflicher Erfolge mit «Schtonk» (1992), «Der Totmacher» (1995) oder «Rossini» (1997). Privat hatte George mit Problemen zu kämpfen: Die Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährtin Gabi Pauler wurde ebenso in die Boulevardpresse getragen wie ein Bootsunfall vor der sardischen Küste. Unvergessen wird auch sein grantiger Ausbruch bei «Wetten, dass...» 1998 bleiben, für den ihn das Publikum ausbuhte.
Doch «die Klischees, die in der Öffentlichkeit oft über ihn in Umlauf sind, stimmen einfach nicht», sagt dagegen sein Kollege Matthias Brandt über ihn. «Er ist in der persönlichen Begegnung ein extrem humorvoller Mensch, kein Miesepeter.» (Susanne Gabriel, dpa)
Torsten Körner: «Götz George. Mit dem Leben gespielt», Scherz Verlag, 19,90 Euro
So sah «Schimmi» damals ausUnd so parkte er aus...