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Präsentation der Forschungsergebnisse: 

Schiller-Schädel vermutlich gestohlen

05. Mai 2008 22:43
3D-Print aus Kunstharz nach der Weichteilrekonstruktion des Schiller-Schädels
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Inzwischen gibt es einen Verdächtigen für den Diebstahl. Der verschollene Totenkopf sei vermutlich in einer anthropologischen Sammlung zu finden, sagte der Präsident der Klassik Stiftung Weimar.

Der Schädel von Friedrich Schiller (1759-1805) muss Wissenschaftlern zufolge aus seinem Grab in Weimar gestohlen und mit dem eines anderen Menschen ersetzt worden sein. Das sei die einzig denkbare Lösung des Rätsels um den Schillerschädel, sagte der Historiker Ralf Jahn am Montag bei der Vorstellung der Forschungsergebnisse zum «Friedrich-Schiller-Code».

Wissenschaftler hatten knapp zwei Jahre lang die Echtheit des Schädels geprüft, der 180 Jahre lang in der Weimarer Fürstengruft aufbewahrt worden war. Nach dem genetischen Gutachten handelte es sich nicht um Überreste des Dichters.

«Untersuchungen sind abgeschlossen»

Der verschollene Totenkopf befinde sich vermutlich in einer anthropologischen Sammlung irgendwo in Europa, sagte der Präsident der Klassik Stiftung Weimar, Hellmut Seemann. «Die Klassik Stiftung wird nicht die Initiative ergreifen und nach dem Relikt suchen». Dies sei nicht ihre Aufgabe. «Die Untersuchungen sind für die Stiftung abgeschlossen.»

Des Schädeldiebstahls verdächtigt wird der Weimarer Obermedizinalrat Ludwig Friedrich von Froriep, der Großvater des Anatomen August von Froriep, der 1911 die Echtheit des Fürstengruft-Schädels bezweifelt und einen anderen Schädel präsentiert hatte. Der Großvater habe über eine umfangreiche Sammlung von rund 1500 Schädeln verfügt, sagte der Historiker Jahn. Kein anderer hätte den einzigartig großen Schädel Schillers gegen einen so ähnlichen Kopf austauschen können, dass sogar heutige Anthropologen davon überzeugt waren, den Schädel des Dichters aus der Fürstengruft geborgen zu haben.

Seemann hält Frage für «geklärt»

Stiftungspräsident Seemann nannte das eindeutige Ergebnis der Untersuchung «außerordentlich befriedigend». Seit 180 Jahren sei diese Frage offen gewesen, «jetzt ist sie endlich geklärt». Goethe und Schiller hätten die Untersuchungen «unbedingt gewollt», wenn sie es hätten entscheiden können, sagte Seemann. Er sei sicher, dass Schiller aus seiner Geisteshaltung heraus mit dem Ergebnis «sehr einverstanden» gewesen wäre. Die Schiller-Verehrer werden die Fürstengruft nach Einschätzung des Stiftungspräsidenten künftig nicht meiden.

Der leere Schiller-Sarg neben dem Sarkophag mit den vollständigen sterblichen Überresten Johann Wolfgang von Goethes sei jetzt als Denkmal für den Dichter zu verstehen, erklärte Seemann. Dem Geist Schillers könne man in seinem Haus und vor allem in seiner Literatur nachspüren. Der Dichter-Genius sei Weimar somit nicht verloren gegangen.

Seemann kündigte an, am Kassengewölbe auf dem historischen Jakobsfriedhof in Weimar, in dem Schiller ursprünglich beerdigt worden war und das wahrscheinlich noch Teile seines Skeletts beherbergt, eine Tafel zum Ergebnis der Untersuchungen anzubringen. (AP)


 
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