Grass hatte in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» am Wochenende erstmals über seine SS-Mitgliedschaft gesprochen. Das Buch «Beim Häuten der Zwiebel», in dem das Thema ausführlich behandelt wird, erscheint im September. Bereits am kommenden Wochenende will die Zeitung eine mehrseitige Beilage zu dem Buch veröffentlichen.Der «F.A.Z.»-Mitherausgeber glaubt, dass Grass' literarisches Werk unbeschadet bleibe, die Bewertung des politischen Autors werde sich allerdings verändern. Dass Grass so lange geschwiegen hat, habe einen banalen Grund: «Der Zeitpunkt war verpasst. Er hätte es irgendwann spätestens zur 'Blechtrommel' sagen müssen.»
Man könne darüber streiten, ob Grass diese Karriere gemacht hätte, wenn das alles bekannt gewesen wäre. Warum Grass sein Schweigen jetzt gebrochen hat, dafür hat Schirrmacher eine Erklärung: Das Buch «Beim Häuten der Zwiebel» sei die letzte Chance gewesen. Grass werde nächstes Jahr 80. Er wolle in gewisser Weise «das Resümee seines Lebens ziehen».
«Wenn irgend ein Germanist das eines Tages herausgefunden hätte, bei einem Mann, der so auf den Nachruhm erpicht ist, dann hätte Grass die Debatte nicht mehr selber kontrollieren können», sagte Schirrmacher. Er habe Respekt davor, dass ein 80-jähriger Mann in diesen Kampf geht. «Da bin ich auch fasziniert von Grass», sagte Schirrmacher.(nz)