27.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
So sieht ein Datensicherungs- Roboter aus.
Foto: Pan Amp
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Bundeswehr behauptet, brisante Geheim-Daten durch technische Pannen verloren zu haben. Maik Söhler sprach mit dem IT-Experten Bert Weingarten über Datensicherung und die Wiederherstellung defekter Bänder.
Netzeitung.de:
Herr Weingarten, bei der Bundeswehr sind nach einer Datensicherung riesige Mengen an Geheimdienst-Informationen verlorengegangen. Selbst die Originalspeicher scheint man nicht mehr zu finden. Kann das sein?Bert Weingarten: Daten über nachrichtendienstliche Erkenntnisse in nur einer Sicherheitskopie abzulegen, wäre ein Unding. Bei großen Datenbeständen gibt es doch immer Anfragen von außen, es gibt immer jemanden, der die Daten einsehen möchte oder hieraus Informationen benötigt. Eine doppelte oder dreifache Absicherung an verschiedenen Orten ist hier keine Kür, sondern Pflicht. Dass die Primärdaten angeblich auch weg sein sollen, ist jedoch bemerkenswert.
Netzeitung.de: Wie anfällig sind die von der Bundeswehr verwendeten Datenspeicher-Roboter?
Weingarten: Datensicherungsroboter haben generell verschiedene Bandlaufwerke, die Daten speichern. Der Industrie-Roboter kann zwischen zehn und 100 Bänder aufnehmen. Man spricht bei dieser Sicherungsform von einem Sekundärspeicher oder einfach von einer automatisierten Sicherung. Das bedeutet, dass die ursprüngliche Datenquelle grundsätzlich erhalten bleibt.
Stellen sie sich das Gerät einfach als einen Kasten mit Greifarm vor. Dieser Arm nimmt ein Band aus seiner Parkposition, befördert es nach unten in eines der Bandlaufwerke. Dort wird es beschrieben und wieder in einer Halteposition abgelegt. Gleichzeitig registriert das System, welche Daten auf welchem Band abgelegt wurden. Bei alldem können Fehler passieren. Nur zeigt das Gerät dann normalerweise an, dass die Datenspeicherung nicht ordnungsgemäß erfolgt ist. Dann sichert man das eben noch mal. Diese Option ist auch bei ältern Datensicherungsrobotern Standard.
Kopie oder nicht?Netzeitung.de:
Bei der Bundeswehr offensichtlich nicht.Weingarten: Es gibt bei der Bundeswehr zu allem eine Dienstverordnung wie man seine Uniform zu tragen hat, wie man einen LKW zu warten hat usw. Diese Dienstverordnungen füllen ganze Aktenberge. Bei Backups, also den Sicherungsvorgängen, wird das nicht anders sein. Es wird zumindest eine detaillierte Dienstanweisung geben, wie ein Backup durchzuführen ist.
Außerdem ist die Datenquelle ja nicht weg, wenn der Datenroboter ein Backup gemacht hat. Und üblicherweise wird beim Backup auch gleich ein Duplikatband hergestellt, die Kopie ist also zweifach im Roboter enthalten.
Netzeitung.de: Wie viele Daten passen auf so ein Band?
Weingarten: Die bei der Bundeswehr verwendeten Bänder entsprechen meiner Einschätzung nach dem Tape-IV. Diese Bänder haben in der Regel eine Lauflänge von 554 Metern, das entspricht rund 35 Gigabyte unkomprimierter Daten. Man bräuchte sieben DVDs für diese Datenmenge.
Wiederherstellung von DatenNetzeitung.de:
Was muss passieren, wenn so ein Band beschädigt ist?Weingarten: Beim Datenbestand der Bundeswehr? Mit Sicherheit wird eine Meldung an den direkten Vorgesetzten erfolgen. Dieser wird dem verantwortlichen Offizier den Vorfall vortragen. Sollten dann die Daten nicht von den eigenen Experten umgehend wieder herstellbar sein, müsste man auf externe Spezialunternehmen zurückgreifen..
Netzeitung.de:
Und das Wiederherstellen ist auch möglich? Weingarten: Grundsätzlich ja. Wenn Bandabschnitte zerstört sind, gibt es an dieser Stelle eben Datenverluste, aber die größte Menge der gesicherten Daten geht nicht verloren. Mir ist ein Fall bekannt, in dem zehn Prozent eines Bandes zerstört waren und trotzdem fast der gesamte Datenbestand gerettet werden konnte. Nur wenn ein Kassettenband verbrannt ist oder einem starken Magnetfeld ausgesetzt war, es zerschnitten wurde oder gar in Säure gelandet ist, dann ist nichts mehr zu machen.
Wenn sich derart wichtige Daten tatsächlich nicht mehr wiederherstellen lassen, muss sich die Bundeswehr fragen lassen, wann sie sich an wen gewandt hat, um die Daten rekonstruieren zu lassen. Sollte die Auskunft lauten, da hätten sich ausschließlich die eigenen Experten drum gekümmert, ist die Sache für mich faul.
Bert Weingarten ist Vorstand des Hamburger Unternehmens PAN AMP, das auf Datenfilterung- und Netzwerksicherheit spezialisiert ist. Zu dem Angebot gehören seit 1998 Backupstrategien für Terrabit-Datenbestände. Mit ihm sprach Maik Söhler