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Nazi-Spam als Rufschädigung

15. Jun 2004 16:11
Zehntausende Spam-Mails mit rechtsradikalem und neonazistischem Inhalt kursieren seit der vergangenen Woche. Die verwendeten gefälschten Absenderkennungen sorgen für viel Verwirrung.

Die Welle an rechtsradikalen Spammails, die in deutscher Sprache unter anderem die Abschiebung aller Ausländer fordern, hält unvermindert an. Mancher User wurde mit mehreren Hundert dieser Mails am Tag bombardiert.

Opfer als angebliche Täter

Mehr in der Netzeitung:
  • Nazi-Spam geht weiter 14. Jun 2004 08:19
  • «Sober»-Wurm verschickte Nazi-Spam 11. Jun 2004 11:15, ergänzt 12:05
  • Nazi-Spam von gekaperten PC versandt 10. Jun 2004 15:01, ergänzt 15:20
  • Dabei benutzt die über Viren versendete Müllmail-Flut eine «besonders raffinierte Vorgehensweise», wie nun das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt. Sowohl Empfänger- als auch Absenderadressen werden manipuliert. So sieht es für den Empfänger einer der Spammails so aus, als würde ein bekannter Mailpartner die rechtsradikale Meinung vertreten.

    «Sober.H», wie der für den Spam-Versand verantwortliche Virus heißt, durchsucht dabei laut Angaben des BSI den gesamten Rechner nach E-Mail-Adressen, die er sowohl zum Versand als auch als Absenderkennzeichnung nutzen kann. «Die versendeten Spams mit rechtsradikalen Inhalten führen zu erheblichen Ansehensverlusten der vermeintlichen Absender», so das BSI in einer Warnung, «sie sind also nicht Täter, sondern Opfer dieser Spam-Kampagne.»

    Medienvertreter betroffen

    Mehr im Internet:
    Beobachter meinen, dass die Urheber der Nazi-Spam-Kampagne genau diesen Effekt planten. So wurden zahlreiche der Mails anfangs mit Absenderadressen bekannter Medien verschickt - darunter Spiegel Online, die Netzeitung und das ZDF. Auch gingen viele der Nazi-Spam-Mails direkt an Medienvertreter. Gegen die Verwendung der eigenen Mailadresse als Absender solchen rechtsradikalen Spams kann nichts getan werden - die meisten Mailprogramme ermöglichen eine freie Absenderwahl, auch die Versand-Maschine innerhalb von «Sober.H» nutzt diesen Effekt.

    Das BSI empfiehlt den Einsatz aktueller Anti-Viren-Programme, um «Sober.H» und seine Vorgänger zu entfernen und die weitere Verbreitung des Datenschädlings zu unterbinden. Bislang ist unklar, wer die Täter hinter dem Nazi-Spam sind; das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern ermittelt.

     
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