Interview mit Teilnehmerin der World Cyber Games:
«Ich führe ein geregeltes Leben»
Netzeitung: Sie arbeiten in der Verwaltung. Wissen die Kollegen um ihre Leidenschaft?
Netzeitung: Weil sie auch schon Erfahrungen mit Computer- und Videospielen haben oder weil es ihnen völlig fremd ist?
Netzeitung: Seit mehreren Jahren diskutieren Pädagogen und Politiker, inwiefern Spiele mit Gewaltinhalten schädlich sind und zu Gewalttaten führen. Neuerdings geht es auch vermehrt um den Suchtfaktor. Ist ihnen noch niemand damit vor den Kopf gestoßen?
Netzeitung: Das verwundert schon ein bisschen, dass niemand etwas sagt.
Netzeitung: Woher kommt das wohl?
Syrer: Von den Medien, denke ich, von deren einseitigen Berichterstattung. Gerade die älteren Menschen, die gar keinen Bezug zu Spielen haben, übernehmen deren Meinung. Und dabei haben sie meistens keine Ahnung. Das ist verantwortungslos, was die Medien anrichten, und allem voran die Politiker.
Syrer: Ja, ich nehme schon seit langem an der Convention Xtreme in Karlsdorf-Neuthard teil, hatte mich also auch in diesem Jahr dafür angemeldet. Als ich mitbekommen habe, dass wegen des Verbots von «Warcraft 3» und «Counterstrike» seitens des Bürgermeisters die Veranstaltung abgesagt werden musste, war ich sprachlos. Zumal «Warcraft 3» ab 12 und «Counterstrike» ab 16 ist, und die Xtreme selbst nur Spieler ab 18 zulässt. Das ist echt schade, die LAN-Party fand schon 13-mal oder so statt und immer lief alles friedlich ab.
Netzeitung: Dies war nicht die einzige Veranstaltung, die abgeblasen wurde. Macht ihnen diese Entwicklung Angst?
Syrer: In gewisser Weise schon. Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass die anfängliche Akzeptanz unter den älteren Generationen schwindet. In den Medien wird meist nur negativ berichtet und die Politiker verwenden die Debatte dazu, um sich für die kommenden Wahlen zu profilieren.
Netzeitung: Welche weiteren Konsequenzen befürchten sie infolgedessen?
Syrer: Ich mache mir Sorgen, dass der E-Sport in Deutschland generell zu einer Randerscheinung wird. Denn eigentlich sind wir in den letzten Jahren ja auf dem Weg in die andere Richtung gewesen. Womöglich werden uns dann auch die Sponsoren weglaufen.
Netzeitung: Andererseits gehen die Spieler jetzt auf die Straße und demonstrieren, fordern ihre Rechte ein. Bringt das nichts?
Syrer: Sicher, wenn die Spieler demonstrieren, dann ist das auf jeden Fall gut und hilfreich. Dennoch mache ich mir Sorgen, dass sich jetzt zwei Fronten bilden. Bislang hatte ich schließlich eher den Eindruck, als ob alles zusammengewachsen wäre. Die ältere Generation hat LAN-Partys nicht nur akzeptiert, sie hat sich auch dafür interessiert, was da geschieht. Mit einem Verbot ändern sich die Dinge schlagartig. Es kommt zu mehr Auseinandersetzungen, zu mehr Konflikten. Das ist völlig unnötig, finde ich.
Netzeitung: Hinzu kommt die Online-Petition, die ein generelles Verbot von Actionspielen fordert. Ist das nicht zu allgemein?
Syrer: Allein dass «Warcraft 3» in den Medien zu den Killerspielen gezählt wird, kann ich irgendwie nicht nachvollziehen ein Strategiespiel! Das deutet meiner Meinung nach daraufhin, dass sie sich nicht ausreichend mit der ganzen Materie auseinandersetzen. Dabei haben doch Medien und Politiker eine große Verantwortung.
Mit Julia Syrer sprach Frank Magdans

