Neues Videospiel «Grand Slam Tennis»: 

netzeitung.deWenn John McEnroe plötzlich unterm Tisch liegt

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'Grand Slam Tennis': John McEnroe spielt auf Sand (Foto: EA Sports <br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Grand Slam Tennis': John McEnroe spielt auf Sand
Foto: EA Sports
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit «Grand Slam Tennis» ist jetzt ein weiteres Videospiel für die Wii erschienen, das den vollen Körpereinsatz fordert. Es ist eines der ersten für Nintendos neue Controller-Ergänzung Wii MotionPlus. Maik Söhler hat es getestet.

Endlich mal Wohnzimmer-Tennis spielen, das anstrengt. Endlich mal in Bewegung bleiben, weil die Gegner stark spielen. Und: Endlich mal John McEnroe sein dürfen. All das und mehr bietet das neue Videospiel «Grand Slam Tennis» für Nintendos Wii.

Auch bisher schon haben wir im Wohnzimmer Tennis gespielt, und auch bisher war es auf der Wii. Eine Lampe und zwei Gläser sind dabei zu Bruch gegangen, anfangs verspürte man Muskelkater, später hatte man raus, wie sich die Bewegungen am Controller auf ein Minimum reduzieren ließen, ohne dass die Spielqualität darunter gelitten hätte. Doch der Tennis-Modus von «Wii Sports» hat den Nachteil, dass man ab 2100 erspielten Punkten kaum noch vorankommt. Ein anderer Nachteil ist die doch arg reduzierte Grafik.

Über beides muss man sich mit «Grand Slam Tennis» nicht mehr ärgern. Die Grafik verhält sich zu jener vom «Wii Sports»-Tennis wie ein Laptop der späten nuller Jahre zu einem Taschenrechner der Siebziger. Das bedeutet nicht, dass sie perfekt ist. Gerade bei den Hintergründen ließe sich noch einiges herausholen.

Wii MotionPlus
«Grand Slam Tennis» ist eines der ersten Spiele, das den Wii MotionPlus genannten Steckaufsatz für die Wiimote, den Controller, unterstützt. Nintendo hat uns zur Wii MotionPlus viel versprochen: Dass die Hand- und Armbewegungen nun noch genauer eingelesen werden, dass Verzögerungen und Ungenauigkeiten ausbleiben und dass insgesamt die Spielsensorik deutlich an Qualität zunehme.

Nun ja. Wir haben mehrere Trainingseinheiten und Spiele in «Grand Slam Tennis» hinter uns gebracht, mal mit der normalen Wiimote, mal mit dem einfach zu installierenden Wii MotionPlus. Es gibt Unterschiede, aber groß sind sie nicht, und so mancher meint, sie lägen stärker in der Spielprogrammierung begründet als in der neuen Controller-Ergänzung.

Bei langen Grundlinien-Duellen auf Sand mit Wii MotionPlus meint man jedenfalls, Topspin-Schläge genauer platzieren zu können; auf Rasen scheint Stoppbällen größerer Erfolg zuzukommen. Ansonsten aber: kaum Unterschiede. Das mag auch daran liegen, dass man in diesem Spiel von Anfang an extrem gefordert ist, weil die Gegner ungleich stärker sind als die Simpelfigürchen aus dem «Wii Sports»-Tennis.

Endlich mal John McEnroe sein dürfen
Man kann eine eigene Spielfigur erstellen und nach Belieben ausstatten – sowohl was Aussehen und Kleidung betrifft als auch im Bereich der Spielereigenschaften. Für Anfänger empfiehlt es sich, den eigenen Avatar als Grundlinienspieler und Sandplatzspezialisten einzurichten. Damit steigen die Chancen, in den ersten Matches auch mal einen Punkt zu holen, um ein Vielfaches.

Man kann aber auch als Tennis-Profi ins Spiel gehen. EA Sports hat sich viele Rechte gesichert, aktuelle und einstige Tennisgrößen geben sich in den großen Tennis-Arenen der Welt die Hand: Roger Federer, Rafael Nadal, Serena Williams, Ana Ivanovic, aber auch Björn Borg, Boris Becker und John McEnroe.

Schon immer mal wollten wir John McEnroe sein und hier nun bietet sich die Gelegenheit. Der Ballmaschine prügeln wir im Training die gelben Filze nur so ums Blech; auch im Einzelspiel gegen einen zweiten Spieler, der schon immer mal Boris Becker sein wollte, geht alles mehr oder weniger gut. Wir erwarten zu diesem Zeitpunkt von der Wii MotionPlus noch sehr viel.

Zurück auf Null
Bald schon rutscht McEnroe nach einem Volley von Becker unter den Wohnzimmertisch, dieser wiederum kann sich nach einer seiner bekannten Hechtrollen noch kurz vor dem Sofa bremsen. McEnroe gewinnt schließlich. Dann aber wird es ernst und die Konsole stellt die Gegner. Becker wird in Paris von Andy Murray abgefertigt; McEnroe darf auf dem Center Court in Wimbledon gegen Federer ran. Ein Debakel beginnt und will selbst dann nicht enden, als der nächste Gegner Andy Roddick heißt.

Wer hier mithalten will, muss trainieren, viel trainieren. Und das heißt bei «Grand Slam Tennis» von der Wohnzimmer-Unterhaltung zum Wohnzimmer-Sport überzugehen. Vorbei die Zeit, als man die «Wii Sports»-Tennisgegner mit kleinen Handgelenksknicken übers Feld scheuchen konnte bis tennisballgroße digitale Schweißtropfen von ihnen abfallen. Jetzt heißt es selbst zu schwitzen.

Grand Slam Tennis – EA Sports, Juni 2009, 54 Euro – wurde von uns auf der Wii gespielt. Noch in diesem Jahr soll es auch für Xbox360 und Playstation 3 erscheinen.