Geburtsstunde des Videospiels:
50 Jahre «Tennis for Two»
24.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Früher Oszilloskop, heute Wii - echtes Tennis ist Luxus geworden
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein Klassiker feiert Jubiläum: Vor 50 Jahren erfand der Kernphysiker William Higinbotham das erste Videospiel. Und das alles für einen simplen Tag der offenen Tür.
Über die exakte Heburtsstunde des Videospiels wird viel diskutiert. Fakt ist, dass «Tennis for Two» als erstes alle Elemente - Rechner, Bildschirm, Controller und Spaß - eines modernen Video- oder Computerspiels vereinte. Es war das erste Videospiel, das auf dem Bildschirm eines Oszilloskops dargestellt und von zwei Spielern bedient werden konnte.
«Tennis for Two» wurde am Brookhaven National Laboratory auf Long Island entwickelt. Der Physiker William Higinbotham forschte damals eigentlich an einem Teilchenbeschleuniger und sollte möglichst präzise Analyseinstrumente bauen. Dafür verwendete Higinbotham die modernste Rechentechnologie der 50er: den Analogcomputer.
Attraktion für den Tag der offenen TürAllein um dessen fortschrittliche Technik beim Tag der offenen Tür öffentlich zu präsentieren, erfand er das elektrische Tennis. Für die Skizze des Schaltplans für brauchte er Higinbotham laut «Telepolis» nur zwei Stunden, die Konstruktion dauerte dann allerdings drei Wochen.
Die Besucher standen quer durch die Turnhalle Schlange, um auf gerade mal 12,5 Zentimetern Bildschirmdiagonale gegeneinander anzutreten. «In der Hand hielten die Spieler einen Steuerkasten mit einem Knopf zum Ballschlagen und einem Knauf, mit dem der Abschlagswinkel bestimmt wurde. Der Ball hinterließ beim Fliegen eine gestrichelte Spur, er prallte sogar vom Netz ab», schreibt das IT-Portal.
Tennis auf dem Jupiter oder Mars Nach dem Publikumserfolg entwickelte Higinbotham das Spiel für den nächsten Tag der offenen Tür weiter. Er verbesserte die räumliche Perspektive und kreierte einen Bildschirm mit 36 Zentimetern Diagonale, verstellbarer Schlagstärke, Ortsangabe sowie Gravitation.
Der Wissenschaftler kam nicht dazu, seine Erfindung weiterzuentwickeln. Er ging als Mitbegründer der Federation of American Scientists im Kampf um nukleare Abrüstung in die Geschichte ein und starb 1994. Anlässlich des Jubiläums veranstaltete das Labor an diesem Freitag eine kleine Sonderausstellung. Wieder einmal konnten Spielwütige «Tennis for Two» ausprobieren diesmal wohl aus reiner Nostalgie. (nz)