Was macht der Computerwurm am 1. April?:
Countdown im Conficker-Botnetz
31.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Mit «Denial-of-Service»-Attacken könnte eine Flut von Anfragen auf beliebte Webangebote gestartet werden, sodass deren Server unter der plötzlichen Belastung zusammenbrechen. Denkbar ist auch eine Cyberattacke auf Regierungsbehörden - zu den Angriffszielen von Conficker gehörten unter anderem die Bundeswehr und das britische Verteidigungsministerium.
«Ich glaube nicht, dass es zu verhängnisvollen Ereignissen im Netz kommen wird», sagt Richard Wang, der in den USA die Forschungsabteilung des Software-Herstellers Sophos leitet. «Für die Leute hinter Conficker ist es nicht sinnvoll, das Netz vor größere Probleme zu stellen, weil sie kein Geld machen können, wenn sie einen Teil des Internet zum Zusammenbruch bringen.»
Inzwischen aber geht es den Computerkriminellen vor allem ums Geld. Die Kontrolle von zahllosen infizierten PCs wird auf dem Schwarzen Markt gehandelt und als Spam-Schleuder genutzt oder zur Suche nach Sicherheitslücken von Websites, die sich ausnutzen lassen, um etwa an die Daten von Kunden zu gelangen.
Das Botnetz der infizierten Rechner ist wie ein Supercomputer, der die Ressourcen der angeschlossenen Rechner bündelt. Um aktiviert zu werden, müssen die entsprechenden Anweisungen losgeschickt werden. Der Wurm erzeugt mit einem inzwischen bekannten Algorithmus wahllos Internet-Adressen, die dann vom infizierten Rechner aufgerufen werden. So hat Conficker bislang jeden Tag versucht, Verbindung zu etwa 250 tatsächlich bestehenden Internet-Domains aufzunehmen - der Name des Wurms resultiert aus einer der Adressen, die zuerst aufgesucht wurden.
Am 1. April soll sich die Zahl der attackierten Domains auf 500 verdoppeln. «Wir erwarten, dass dann irgendetwas passieren wird, wissen aber noch nicht genau, wie das aussehen wird», sagt Jose Nazario von Arbor Networks, einer von mehreren Sicherheitsfirmen, die sich zum Abwehrverbund der «Conficker Cabal» zusammengeschlossen haben und die Urheber des Wurms jagen. «Mit jedem Schritt, den sie unternehmen, gibt es die Möglichkeit, dass wir sie identifizieren», sagt Nazario.
Die große Herausforderung aber bestehe in der globalen Koordination der Abwehr. «Das ist kein technisches Problem, aber eine logistische Schwierigkeit.» Die Autoren von Conficker haben den Wurm inzwischen so verändert, dass die infizierten Maschinen neue Möglichkeiten haben, um miteinander zu kommunizieren. Sie können jetzt Anweisungen untereinander austauschen und müssen nicht unbedingt eine gehackte Website kontaktieren.
Der Wurm nutzt eine Lücke im RPC-Dienst (Remote Procedure Call) von Windows, die Microsoft bereits im Oktober vergangenen Jahres geschlossen hat. Gleichwohl zogen sich danach noch zahllose Rechner den Wurm zu, weil das Update nicht rechtzeitig vorgenommen wurde. Conficker hat sich auch deshalb so schnell verbreitet, weil es die Computer mit der Sicherheitslücke von selbst findet.

