21.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ab 2009 will die Polizei die Software testen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Immer wieder geben sich Sexualstraftäter im Chat mit Kindern als Gleichaltrige aus. Ein neues Sprachanalyse-Tool soll beim Surfen schützen - und verbotene Porno-Dateien im Netz aufspüren.
Eine Forschergruppe der britischen Universität von Lancaster hat ein Computerprogramm entwickelt, das Online-Übergriffe gegen Minderjährige verhindern soll. Wie der britische Telegraph berichtete, nutzt das so genannte «Projekt Isis» eine Technologie, die die im Chatroom verwendete Schreibweise des Verdächtigen analysiert. So lässt sich leichter herausfinden, ob sich ein Erwachsener dahinter verbirgt.
«Bei unserem aktuellen Projekt setzen wir verschiedene Sprachanalyse-Tools ein, um diejenigen zu entlarven, die sich im Web als Jugendliche ausgeben und eine große Gefahr für unsere Kinder darstellen», sagte Awais Rashid, Professor für Software Engineering.
Filtersystem für DateinamenDas neue Verfahren nenne sich «Authorship Attribution». «Wir verbinden dabei Techniken aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Algorithmen», so Rashid. Anhand der online abgegebenen Wortmeldungen lasse sich genau auseinanderhalten, ob ein Erwachsener oder ein Kind an der Tastatur sitzt.
Das entwickelte Filtersystem ermöglicht auch die Suche nach Schlüsselwörtern, die in Pädophilenkreisen als Dateinamen zur Tarnung von kinderpornografischem Material verwendet werden. «Wir wollen mithilfe des Systems in der Lage sein, den Traffic in Filesharing-Netzwerken zu überwachen, um dadurch die Hauptverbreiter solcher Inhalte identifizieren zu können», erklärte Rashid.
Das Hauptproblem für die Vollzugsbehörden sei, mit dem schnell wechselnden Vokabular nicht Schritt halten zu können. Deshalb sei es notwendig, die Filter-Software laufend zu aktualisieren.
Menschliche Aufklärung nötig«Das Internet ist deshalb für Pädophile so interessant, weil es einen hohen Grad an Anonymität zulässt», sagte Triz Heider, Sozialpädagogin beim Beratungsportal «Kids-Hotline.de». So sei es dort für Erwachsene problemlos möglich, in die Rolle eines Kindes zu schlüpfen, um Kontakt zu einem potenziellen Opfer aufzunehmen.
Eine Filter-Software allein werde das Problem aber sicherlich nicht lösen können. «Zum ersten Auffinden verdächtiger Beiträge macht das durchaus Sinn. Eine genauere Betrachtung muss dann aber in Form einer Kontrolle von Menschenhand erfolgen», stellte Heider klar. Bevor man sich mit der Verfolgung von Pädophilen beschäftigt, solle man sich um eine ausreichende Gefahrenaufklärung der Kinder und Jugendlichen bemühen.
Datenschutz als ProblemAuch Karin Kaufmann vom Verein für Betroffene von sexuellem Missbrauch, rät zum offenen Umgang. «Je mehr die Gesellschaft das Thema tabuisiert, desto größer sind die Chancen des Täters, sein Ziel zu erreichen», sagte sie dem ORF.
Zurzeit wird die Beta-Version des Isis-Programms getestet, bevor dann im nächsten Jahr von der Polizei zur Verfügung gestelltes Pädophilen-Material analysiert wird. Bis Ermittler die Software einsetzen können, müssen laut Professor Rashid allerdings noch Datenschutzfragen geklärt werden.(nz)