Chaos Computer Club:
Zähne für den digitalen Datenschutz
22.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Abdruck wurde fotografiert, auf Folie ausgedruckt und mit Holzleim bestrichen. Die hauchdünne Leimschicht wurde abgezogen und fertig war das Imitat. Das Foto vom gefälschten Fingerabdruck samt «Nachmach-Anleitung» fand tausendfach Verbreitung.
«Das Ganze ist ein Riesenthema», sagt Rieger, der im Hauptberuf Technischer Geschäftsführer einer Firma für Kommunikationssicherheit ist. Neben Datenschutz gehe es dem CCC um «mehr Freiheitsrechte im digitalen Zeitalter». Von 1800 stieg die Zahl der Club-Mitglieder auf 2300. Über die «ollen Kamellen», als Hacker Daten von westlichen Computern in den Osten verkauften, will der -Jährige nicht reden. Prozesse waren die Folge, der CCC geriet in die Kritik.
Bei Fachleuten wie Thilo Weichert genießt der Club heute einen guten Ruf. «Der Fingerabdruck Schäubles steht für die Grundidee des Datenschutzes - die Überwacher gesellschaftlich zu überwachen», sagt der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein. So könne «die Lächerlichkeit vieler biometrischer Sicherheitsbestrebungen» gezeigt werden. Der CCC sei Vorreiter in dem Bereich.
Dagegen leben viele ältere Politiker nach Meinung der Computer-Profis noch im «Fax-Zeitalter». Einwände würden vom Tisch gewischt, bis sie eines Besseren belehrt würden. In Hamburg sorgten Sicherheitslücken beim elektronischen Wahlstift dafür, dass schließlich doch nur ganz herkömmlich mit Stift und Wahlzettel gewählt werden durfte. Die Sicherheitsmängel hatte unter anderem der CCC offengelegt. In Hessen wiesen sie Probleme beim Einsatz von Wahlcomputern nach.
Unter vorgeschobenen Gründen würde der Datenschutz ausgehöhlt, kritisiert Rieger. Die Online-Durchsuchung mit dem Aufspielen der «Bundestrojaner» sei damit begründet worden, dass so die Internettelefonie mit Skype abgehört werden könnte. «Skype sitzt in Luxemburg. EU-Rechtshilfeabkommen machen es möglich, dort die Informationen zu bekommen, um Gespräche abhören zu können.»
Dies sei aber dem Bundeskriminalamt zu aufwendig. Auf den Festplatten der Bürger befänden sich heute aber «intimste Daten», so Rieger. Nötig sei mehr Sensibilität. «Was wir brauchen, ist eine digitale Bürgerrechtsbewegung.» (Georg Ismar, dpa)

