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EU plant neue Regeln: 

Auslands-SMS darf nur elf Cent kosten

23. Sep 2008 20:34
Das simsen im Urlaub kann teuer werden - noch
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Bis zu 80 Cent muss derzeit ein Urlauber zahlen, der schnell eine Kurzmitteilung per Handy nach Hause schickt. Das will die EU-Kommission ändern, denn «der Markt funktioniert nicht».

Für Millionen Handynutzer in der EU soll eine SMS-Nachricht aus dem europäischen Ausland künftig nur noch höchstens elf Cent kosten. «Das ist eine gute Nachricht für 500 Millionen Verbraucher in der Europäischen Union», sagte EU-Kommissarin Viviane Reding am Dienstag in Brüssel.

Bisher liegt der EU-Durchschnitt bei 29 Cent pro SMS aus dem Ausland, in einigen Ländern müssen sogar 80 Cent berappt werden. Die neue Obergrenze von elf Cent, die ab Juli 2009 gelten soll, sei «großzügig», sagte Reding. Die Kosten für die Mobilfunkanbieter lägen unter einem Cent pro SMS: «Kein Anbieter wird deswegen pleitegehen.»

Auch die Kosten für Telefongespräche sollen weiter sinken. Ab 2012 soll ein abgehendes Gespräch höchstens 34 Cent und ein angenommenes im Ausland maximal 10 Cent kosten. Derzeit dürfen Anrufe maximal 46 Cent pro Minute und angenommene Gespräche höchstens 22 Cent kosten, nachdem Reding im Juli 2007 den sogenannten «Eurotarif» durchgesetzt hatte. Außerdem will die Kommission, dass künftig die Gespräche sekundengenau abgerechnet werden: Bisher zahlten die Verbraucher wegen Abrechnungen im Minutentakt rund 24 Prozent zu viel.

2,5 Milliarden SMS pro Jahr

Reding kritisierte eine «Bunkermentalität» der Telekombranche: «Der Markt funktioniert nicht. Somit haben wir keine andere Wahl, als jetzt entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.» Die vor allem bei jungen Leuten beliebten Nachrichten sind ein Riesengeschäft: Die EU-Bürger haben allein im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden SMS-Textnachrichten im Wert von 800 Millionen Euro verschickt. Von der Maßnahme Brüssels sollen 37 Millionen Touristen und 110 Millionen Geschäftsreisende in der EU profitieren.

Reding drohte den Unternehmen mit weiteren Schritten, sollte es nun nicht spürbare Preissenkungen beim sogenannten Auslands-Roaming geben: «Die neuen Roaming-Regeln sind noch nicht das Ende der Fahnenstange.» 2011 soll es eine erneute Überprüfung durch die EU-Kommission geben.

Nächstes EU-Projekt: Preise für Datenpakete

Auch die Kosten für Surfen im Internet mit Handy oder Daten-Karte im europäischen Ausland sollen massiv sinken. Der Einkaufspreis pro heruntergeladenem Megabyte soll bei einem Euro gedeckelt werden. Die Anbieter berechnen sich derzeit Preise von bis zu 5 Euro pro Megabyte. Der Verbraucher muss im EU-Durchschnitt 5,40 Euro zahlen, manchmal auch bis zu 16 Euro.

«Wir müssen etwas gegen die Horror-Rechnungen tun», sagte Reding. Im Bereich des Daten-Roaming gibt es ein Marktpotenzial, das nicht genutzt wird, weil die Verbraucher Angst vor überteuerten Preisen haben», sagte Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva.

Künftig sollen die Kunden individuelle Datenmengen festlegen dürfen. Wenn diese - zum Beispiel beim Internetsurfen im Urlaub - erschöpft sind, solle die Übertragung von Daten automatisch gestoppt werden. Reding: «Wir hatte gehofft, dass der Wettbewerb in diesem Bereich ein Eingreifen nicht notwendig machen würde.»

Inlands-SMS teurer

Nach Bekanntgabe des Vorhabens gab es Kritik aus der Branche an den SMS-Plänen. «Da ist Kommissarin Reding etwas über das Ziel hinausgeschossen», sagte ein Unternehmenssprecher der E-Plus Gruppe. In Deutschland koste eine SMS im Schnitt 16 Cent plus Mehrwertsteuer. «Dadurch entsteht die paradoxe Situation, dass eine Auslands-SMS für Deutsche billiger als eine SMS im Inland werden könnte.» Reding verteidigte das Vorgehen der Kommission: «Wir würden nicht eingreifen, wenn die Industrie nicht so exzessive Preise berechnen würde.»

Um die Roaming-Gebühren gibt es seit Jahren Streit zwischen der Kommission und den Telekommunikationsanbietern. Besonders die Anbieter in Urlaubsländern wie Österreich, Spanien oder Italien profitieren von den hohen Tarifen. Branchenkenner sagen, dass einige Unternehmen bis zu 20 Prozent ihrer Umsätze mit dem Roaming-Geschäft machen. Nach Angaben der Kommission macht der Telekom-Sektor jährlich in der Europäischen Union einen Gesamtumsatz von 300 Milliarden Euro, was zwei Prozent der EU-Wirtschaftsleistung entspricht. (dpa)

 
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