Jenna Miscavage-Hill, Nichte des Scientology-Führers, protestiert mit «Anonymous» in Los Angeles.
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Die heftige Auseinandersetzung zwischen der umstrittenen Organisation und ihren Gegnern geht in die nächste Runde. Jetzt tobt der virtuelle Kampf auf Youtube: Dort wurden kritische Filmbeiträge gesperrt. Mit Video
Erst demonstrierte das internationale Netzwerk «Anonymous» gegen Scientology im Internet und auf der Straße, jetzt sind zwei prominente Scientology-Gegner von Unbekannten auf dem Videoportal Youtube gesperrt worden, wie das Onlinemagazin «Heise Online» berichtet: die Ex-Scientologin Tory Christman und der Fernsehjournalist Mark Bunker.
Youtube ist zum digitalen Schlachtfeld der Kontrahenten geworden: Dort packte der prominente Scientology-Aussteiger Jason Beghe über die Organisation aus. Er schilderte, wie er in den zwölf Jahren, in denen er unter anderem als Sprecher tätig war, eine Million Dollar investierte. Im Video nennt er Scientology «sehr gefährlich» und vertritt die Meinung, die Entwicklung eines Menschen werde «durch Scientology verkrüppelt». Die Organisation leitete rechtliche Schritte ein. Das Video wurde entfernt, jedoch umgehend von Youtube-Nutzern wieder publiziert.
Zeitweilig offline
Dort hatte das dezentral organisierte Netzwerk im Januar die erste «Kriegserklärung» veröffentlicht. «Anonymous» war ursprünglich ein Netzwerk von Hackern, die Software-Piraterie betrieben und Passwörter knackten, heißt es im Magazin «Wired». In einem offenen Brief an «Scientology» schrieben die Aktivisten: «Eure Desinformationskampagnen, Unterdrückung von Abweichlern, eure Klagewellen, alle diese Dinge sind uns aufgefallen. (...) Wir werden euch aus dem Internet entfernen.» - Der Cyberkrieg war erklärt.
Danach gelang den Protestierenden angeblich ein Hack-Angriff, bei dem sie angaben, digitale Dokumente von Scientology erbeutet zu haben, etwa das Buch «Dianetik für Kinder» (Fantasiebildung). Sie stellten alle Dokumente zum Herunterladen ins Internet. Zudem sollen die «Scientology»-Internetseiten zeitweilig offline gewesen sein. In den USA schickten Gegner der Organisation zudem seitenweise schwarze Faxe an die Zentrale der Organisation, um deren Farbpatronen zu leeren.
Dezentrales Netzwerk anonymer Protestler
Anlass für das «Project Chanology» war, dass Scientology die Veröffentlichung eines Tom-Cruise-Videos zu verhindern versuchte. In dem Video, das von Tausenden Usern geklickt wurde, schwärmte der Filmstar in bizarrer Weise davon, wie er Menschen dank Scientology helfen könne.
Es zeigte den Schauspieler vor rund 5000 Scientology-Anhängern, die er fragt: «Sollen wir diesen Ort säubern?» Die Zuhörer antworten begeistert mit «Ja!». Wie das Nachrichtenportal «Heise Online» schreibt, kommunizieren die Teilnehmer des Projekts über Wikis und IRC-Channels miteinander und kennen meist nicht die wirklichen Namen ihrer Mitstreiter.
Im Februar rief der Zusammenschluss «Anonymous» weltweit zu Protesten auf. Das Datum 10. Februar wurde bewusst gewählt: Es ist der Geburtstag eines angeblichen «Scientology»-Opfers: Lisa McPherson. Unter anderem in London, Berlin, Brüssel, Kopenhagen, Dublin, New York, San Francisco und Washington gingen Gegner von «Scientology» auf die Straße. Nach Angaben der Veranstalter waren es rund 6000 Demonstranten in 110 Städten in 18 Ländern.
Prosteste mit Guy-Fawkes-Masken
In Deutschland fanden Demonstrationen vor den Scientology-Zentralen von Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München statt. Bisher liefen die Veranstaltungen überwiegend friedlich ab, bei der jüngsten Aktion wurden weltweit etwa 6000 Demonstranten gezählt. Die nächste Aktion ist für den 10. Mai geplant. Alle Proteste wurden dokumentiert durch mehr als 7000 Fotos auf der Fotoplattform Flickr und mehr als 50 Youtube-Videos.
In den meisten Städten waren die Teilnehmer maskiert. Viele trugen Guy-Fawkes-Masken, um ihre Identität zu verschleiern. Guy Fawkes war ein britischer Attentäter, der versuchte, den englischen König umzubringen. Seine Figur ist durch den Film «V wie Vendetta» bekannt geworden. Die Maskerade dient als persönlichkeitsschutz. «Scientology» veröffentlichte Videos, die die Identitäten von fünf «Anonymous»-Mitgliedern offenlegten mit Foto, Online-Alias, Name und Wohnort - natürlich auf Youtube. (nz)