Kontakte sammeln im Netzwerk: So werden Sie Xing-King05. Apr 2008 08:40  |  Xing macht einen zum King, wenn man will | Foto: dpa |
|
Sie glauben, Business-Netzwerke wie LinkedIn oder Xing dienen dazu, neue Kunden zu finden, alte Geschäftsbeziehungen zu pflegen, neue Jobs zu finden und allerlei anderes Businesszeug zu betreiben? Alles Quatsch, sagt Michael Glebke (3338 Kontakte).
Xing & Co dienen nur einem Zweck, nämlich dem, die eigene Profilneurose zu pflegen. Während Teenager stolz darauf sind, bei Facebook oder MySpace viele Freunde zu haben, gilt es in deutschen in Businesskreisen inzwischen als schick, viele, viele Leute bei Xing zu kennen. Manager mit weniger als ein paar Hundert Kontakten sind entweder hoffnungslos old-fashioned oder schlicht maulfaul. Die Masse macht's. Benchmark ist übrigens ein Xingler mit derzeit rund 23.000 Kontakten!
Um in diese Größenordnungen aufzusteigen, bedarf es einer gewissen Beharrlichkeit und einer ausgeklügelten Kontakte-Strategie. So können Sie es schaffen:1. Der steinige Weg Damit beginnt jeder. Sie suchen Ihre Kollegen und Ex-Kollegen, Kunden, Partner, Verwandte, Bekannte, Freunde, Schulfreunde und Universitäts-Kommilitonen, Nachbarn etc pp. Das dauert recht lange, weil man nicht jeden sofort findet, und es bringt je nach Bekanntenkreis ein paar Dutzend oder auch einige Hundert Kontakte. Spätestens, wenn Sie aber auch noch den Freund des Schwagers Ihres Neffens als Kontakt bestätigt haben, ist langsam Schluss. Mehr Kontakte kommen auf diesem Weg nur tröpfchenweise dazu. Wer Xing-King werden will, muss andere Wege gehen. 2. Mitglieder, die mehrere meiner Kontakte kennen In der Powersuche gibt es bei Xing die nützliche Funktion «Mitglieder, die mehrere meiner Kontakte kennen». Sie werden entdecken, dass die Regel, man kennt die ganze Welt über sechs Ecken, wirklich stimmt. Je mehr direkte Kontakte Sie haben, desto mehr indirekte. Und die kann man prima anschreiben und um Bestätigung bitten. Als Begründung reicht normalerweise die alte Indianerweisheit «Der Freund meines Freundes ist auch mein Freund». 3. Xing-Grenzen umgehen Xing verbietet leider, mehr als 20 Nicht-Kontakte pro Tag per Mail zu belästigen. Da Sie möglichst viele Kontakte machen wollen, ist diese Obergrenze schlicht nervig. Aber man kann sie umgehen – zumindest ein wenig. Xing zählt die Nachricht erst, wenn Sie auf Senden geklickt haben. Wenn Sie nun für jede neue Nachricht ein eigenes Browserfenster öffnen und die Nachricht zwar schreiben, aber noch nicht abschicken, können Sie mehr als 20 Mails schreiben. Das geht solange gut, bis die Grafikkarte Ihres Rechners angesichts von zig geöffneten Browserfenstern den Geist aufgibt. 50 bis 60 Fenster sollten aber funktionieren, also dreimal so viele Mails wie eigentlich zulässig! Nicht zu umgehen ist hingegen die Obergrenze für unbestätigte Kontakte. Wenn Sie bei Xing jemand anschreiben und um Kontakt betteln, muss das Opfer dies bestätigen. Macht es das nicht, bleibt der Kontakt zunächst unbestätigt. Bei 51 solcher unbestätigter Kontakte ist Schluss (früher waren es mal 500!). Sie müssen warten, bis jemand bestätigt oder aber Sie löschen die Anfrage. Besonders nervig ist es nun, wenn Sie mit jemand Kontakt hatten und Mails ausgetauscht haben, der aber den Kontakt warum auch immer nicht bestätigt. Die Gründe sind entweder Faulheit oder vorgeschoben («Ich bestätige nur Kontakte zu Personen, die ich persönlich kenne...»). Machen Sie in solchen Fällen kurzen Prozess: Geben Sie maximal zwei bis drei Tage Zeit, wer dann nicht reagiert, wird es nie tun. Das hält nur auf, füllt Ihre unbestätigte Kontakte-Liste und hindert Sie am Fortkommen. Löschen! 4. Neue Mitglieder Die Unwissenheit von neuen Mitgliedern auszunutzen, ist vielleicht nicht ganz fair, aber Sie wollen den Neuen ja nichts Böses antun. Schreiben Sie die neuen Mitglieder an (in der Suchmaske gibt es dafür eine Abfrage) und erläutern Sie denen, dass es sich bei Xing gehört, Kontaktanfragen ohne Wenn und Aber zu bestätigen. Klappt in mindestens 50 Prozent aller Fälle. 5. Treten Sie Gruppen bei
Bei Xing gibt es inzwischen tausende Diskussionsforen zu den unterschiedlichsten Themen. Vertriebsmitarbeiter diskutieren im Forum «Vertrieb und Verkauf» über die Frage, wie die Neuakquise von Kunden am besten funktioniert (38.039 Mitglieder). IT-Spezialisten tauschen sich in Gruppen wie «Qualitätsmanagement für Software-Projekte» (3.530 Mitglieder) aus. Es gibt aber auch eher obskure Foren wie das der «Elsa Brändström Realschule Rheine» (mit immerhin 23 Mitgliedern) oder die Gruppe «Pogona Vitticeps» für Besitzer von Bartagamen (einer Echsenart, die bei Xing offenbar von elf Mitgliedern gezüchtet wird). Ob Sie wirklich Interesse an dem Thema des Forums haben, ist eigentlich wurscht. Sie wollen Kontakte. Daher gilt: Gruppe beitreten, Moderator um Kontaktbestätigung bitten und anschließend sämtliche Mitglieder nach und nach absurfen und kontaktieren. Je nach Größe der Gruppe, dauert das manchmal ziemlich lange, kann aber im Idealfall immens viele neue Freunde bringen. Um den Vorgang zu beschleunigen, können Sie auch – pro forma - den einen oder anderen Beitrag im Forum veröffentlichen. Dann erwecken Sie zumindest den Anschein, sich für das Thema zu interessieren.Ein Tipp noch: Verändern Sie Ihr Profil so, dass Ihre Kontakte nicht sehen können, welchen Gruppen Sie beitreten. Andernfalls wird man Sie recht bald fragen, ob Sie nun Bartagame züchten. 6. Der 1K-Club
Wenn Sie die bisherigen Tipps beherzigt haben, dauert es nicht lange, und Sie können dem legendären 1K-Club beitreten. 1K steht für ein Kilo, also 1.000 Kontakte und damit ist auch schon der ganze Inhalt des 1K-Clubs bei Xing beschrieben. Reingelassen wird nur, wer mindestens 1000 Freunde hat. Es gehe in diesem Elite-Forum um «High quality networking», steht zumindest in der Beschreibung. In Wirklichkeit ist es viel banaler: Zweck, Ziel und einziger Inhalt der Gruppe ist es, aus Kontakten mehr Kontakte zu machen. 7. Gründen Sie eine eigene Gruppe! Viel effektiver, als Gruppen beizutreten, ist es, eine eigene Gruppe zu gründen. Auch hier gilt: Das Thema ist unerheblich. Überlegen Sie nicht, was Sie interessiert, sondern zu welcher Gruppe die meisten Interessenten beitreten könnten. Haben Sie sich für ein Thema entschieden, muss eine nicht zu unterschätzende Hürde überwunden werden, die Xing-Verwaltung. Die muss nämlich jede Gruppe genehmigen und legt manchmal merkwürdige Kriterien an. So gibt es beispielsweise eine Gruppe zum ARD-Tatort, eine Gruppe zur ebenfalls populären RTL-Sendung «Ich bin ein Star, holt mich hier raus» wurde aber abgelehnt. Wenn diese Schwierigkeit aber erst einmal überwunden ist, eröffnet sich ein riesiges neues Potenzial für viele neue Kontakte. Laden Sie hemmungslos alle Xingler ein, die auch nur annährend für einen Beitritt in Frage kommen. Wer mitmacht, sieht sich mehr oder weniger moralisch genötigt, Ihre Kontaktanfrage auch zu bestätigen. Es winken somit hunderte, wenn nicht tausende neuer Kontakte. 8. Für Verzweifelte
Es gibt noch eine weitere Methode, neue Kontakte in großer Zahl schlagartig zu generieren. Sie ist zwar sehr effizient, auf Grund ihrer Nebenwirkungen kann man aber nur sehr bedingt zuraten. Nur wenn Sie sehr schnell neue Kontakte brauchen, etwa um Ihren Kollegen bei der Zahl der Kontakte und damit im firmeninternen Renommee schnell abzuhängen, dann kontaktieren Sie - Versicherungsvertreter. Bei Xing tummeln sich tausende, wenn nicht zehntausende freiberuflicher Versicherungsvertreter, die darauf brennen, Ihnen die beste Kranken-, Renten-, Unfall oder Berufsunfähigkeitsversicherung anzudrehen. Auch Finanzberater würden Ihnen gerne erläutern, was Sie beim Verwalter Ihrer Geldanlagen alles falsch machen. Es reicht, die entsprechenden Begriffe in die Suchmaske bei Xing einzugeben und die dann erscheinende Liste mit Namen abzuarbeiten. Schreiben Sie einfach, Sie würden sich gerne beraten lassen. Innerhalb von drei Wochen haben Sie - garantiert - 3000 neue Kontakte. Aber auch nichts anderes zu tun, als die Terminanfragen abzuwimmeln. 9. Und was haben Sie davon? Dumme Frage, erstens bedeuten viele Kontakte immenses Ansehen bei Leuten, die auch gerne viele Kontakte hätten. Schließlich haben Sie begriffen, was Web 2.0 ist. Zweitens haben Sie endlich eine sinnvolle Beschäftigung, weil die Grenze ja nach oben offen ist. Erst wenn Sie alle Xing-Mitglieder als Freunde haben, ist Schluss. Und drittens bedeuten Kontakte bares Geld: Sie können Xing-Seminare anbieten (Netzwerkes leicht gemacht o.ä.). Oder Sie schreiben Zeitungsartikel über Ihre Kontaktsuche...
|