Twitter schrumpft:
Nur noch der Spam nimmt zu
23.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Wachstum, Wachstum, Wachstum nur noch überboten von steigender Aufmerksamkeit in den Medien und bei den Netznutzern. Die Geschichte des Microblogging-Netzwerks Twitter ist seit seiner Gründung im Herbst 2006 eine einzige Erfolgsgeschichte, spätestens seit dem Winter 2008 ist der Online-Dienst auch größeren Teilen der Offline-Öffentlichkeit bekannt.
Nun aber melden die Online-Marktforscher: Twitter schrumpft. Ein Minus von 27,8 Prozent bei der Gesamtnutzung hat Nielsen in den USA von September auf Oktober festgestellt. Bei Comscore fallen die negativen Zahlen nicht ganz so drastisch aus, belief der Rückgang an Einzelbesuchern sich von September auf Oktober doch nur auf 8,1 Prozent. Ähnliche Zahlen wies auch Compete aus.
Die Betreiber des Netzwerks scheint das nicht zu schocken. Geschäftsführer Dick Costolo kündigte in einem Interview mit dem amerikanischen IT-Blog Techcrunch an, schon bald ins Werbegeschäft einzusteigen. Details blieb er dabei schuldig, außer dass es irgendwie um Retweets gehe. Als Retweet bezeichnet man auf Twitter die Weiterleitung einer Nachricht ins eigene Netzwerk.
Immer wieder neue Gadgets Zeit würde es, dass Twitter einmal Geld verdient, nach Angaben der «New York Times» erzielte das Unternehmen im Jahr 2008 keinerlei Einnahmen. Über die Jahre haben die Gründer des Netzwerks Millionen Dollar an Risikokapital von Investoren eingesammelt zuletzt sprach Mitgründer Evan Williams im September in einem Blog-Eintrag von einer neuen «bedeutenden Finanzierungsrunde» und neuen Investoren, die die Vision der Gründer für eine dauerhafte Entwicklung des Unternehmens teilten.
Immer wieder ist Twitter in jüngster Zeit auch durch Neuerungen aufgefallen. Zuerst bot das Netzwerk seinen Nutzern an, Listen mit anderen Twitterern zu erstellen, um ein wenig mehr Ordnung in die Benutzerstruktur zu bringen. Neuerdings werden im Testbetrieb Retweets von Nutzern angezeigt, die nicht zum eigenen Netzwerk gehören. Auch die Angabe von Geodaten zur Lokalisierung von Nutzern ist seit ein paar Tagen möglich. Sie sollen vorerst nicht auf Twitter selbst zur Anwendung kommen, sondern nur in sogenannten Twitter-Clients wie Seesmic oder Twitdroid. Das sind Applikationen, die die Kontaktpflege auf Twitter in externen Programmen zum Beispiel auf Smartphones ermöglichen.
Nur Rechenfehler?Twitter hat schon mehrfach seine Netzwerkstruktur variiert und neue Gadgets zugelassen. Einige der aktuellen Neuerungen könnten dennoch mit der Ankündigung, endlich Geld verdienen zu wollen, zu tun haben.
Applikationen wie Seesmic, Twitdroid oder auch das Tweetdeck fürs iPhone sind es auch, die den von den Marktforschungsunternehmen konstatierten Nutzerschwund für die Betreiber von Twitter erträglicher machen. Denn Nielsen, Comscore und Co registrieren lediglich die Zugriffe ins Netzwerk, die über den Webbrowser erfolgen der Abruf über Mobiltelefone und Smartphones bleibt außen vor. Gerade diese Form der Nutzung ist aber im Jahr 2009 enorm angewachsen, wie andere Zahlen von Marktforschern belegen.
Vielleicht ist es aber auch ein ganz anderes Phänomen, das dem Online-Netzwerk derzeit so zusetzt: Die Anzahl von Spam erhöht sich von Woche zu Woche und längst sind viele Nutzer nicht mehr nur von Porno-Profilen, -Nachrichten und -Links genervt. Auch die «normalen» Werbe- und Marketingabteilungen von Unternehmen sowie abertausende Einzelkämpfer aus dem Bereich Public Relations haben sich auf Twitter gestürzt und verrichten dort ungehemmt ihre tägliche Arbeit. Periodisch versucht Twitter, dem Spam Einhalt zu gebieten und sperrt einige Tausend Accounts. Schon am nächsten Tag aber sind die Nutzer unter neuem Namen wieder da.

