02.10.2009
Herausgeber: netzeitung.de
'Erst denken, dann handeln', schrieb der falsche Müntefering
Foto: NZ-Screenshot
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Seine Sätze haben es auf die Titelseiten von Zeitungen und Online-Portalen geschafft, doch hinter @muentefering steckte gar nicht der echte Noch-SPD-Chef. Nun wollen die Fälscher aufhören mit ihren Kurz-Parodien.
Ein Jahr lang schrieb
«muentefering» Kurznachrichten auf der Internetseite Twitter, mehr als 5000 Abonnenten hatte er und zahlreiche Medien zitierten ihn. Sie alle glaubten, es mit dem wahren SPD-Chef Franz Müntefering zu tun zu haben. Nun wird es von muentefering keine Twitter-Einträge wie «Erneuerung braucht Zeit, Mut und gute Konzepte. Ich werde meinen Teil zur Erneuerung beitragen.» mehr geben: Die Internetseite
«Metronaut» teilte mit, dass sie nicht mehr im Namen des SPD-Chefs twittern wolle.
«Mit dem jetzt angekündigten Rückzug von Franz Müntefering endet auch die Geschichte seines Twitter-Accounts, den wir Metronauten einfach mal gekapert hatten», heißt es in einem Artikel auf metronaut.de. Somit ist der Eintrag von muentefering auf Twitter vom 29. September sein letzter: «Erneuerung heißt konsequent sein. Ich trage politische Verantwortung für das Ergebnis vom Sonntag und mache den Weg nun für andere frei.»
Allein dieser Eintrag schaffte es als Müntefering-Zitat in mehrere Medien. So berichtete die Website des Nachrichtensenders n-tv; die «Berliner Morgenpost» druckte den vermeintlichen Münte gar auf ihrer Titelseite. Darauf wiesen die Medienjournalisten von
Bildblog hin.
«Einfaches Googeln hätte gereicht»Die Verursacher des Fakes, die Metronauten, sehen im Abdruck ihrer Müntefering-Zitate ein Zeichen dafür, dass die Recherche in deutschen Medien immer schlechter wird. «Es wäre seit dem 13. September 2008 ein einfaches Googeln nötig gewesen, um sich sicher zu sein, dass Müntefering nicht twittert», schrieben sie. Denn seit diesem Datum ist
ein Artikel der «Berliner Zeitung» online, in dem bereits auf den falschen Twitter-Müntefering hingewiesen wird.
Angefangen mit dem Twitter-Account muentefering hatte Lukas-Christian Fischer, PR-Berater und einer der Macher der Seite Metronaut. Er startete, als Kurt Beck vor einem Jahr den Posten als SPD-Vorsitzender verlor. «Ging gestern hoch her. Beck ist weg - reimt sich sogar», war der erste Eintrag, ihm folgten zahlreiche weitere, die immer mal wieder als Müntefering-O-Töne zitiert wurden. Die SPD-Zentrale musste regelmäßig die falschen Zitate ihres Chefs dementieren.
Parodie auf die markigen WorteDie Fälschungen sieht Fischer als Parodie auf die markigen Worte des scheidenden SPD-Chefs. Münteferings kurze, kämpferische Parolen nachzumachen sei gar nicht so schwer gewesen, zitierte die «Berliner Zeitung» den Fälscher.
Er habe die Sätze aber mit großer Sympathie für Müntefering und die SPD geschrieben. «Am Wahldebakel bin ich auf jedem Fall nicht schuld», beteuerte Fischer.
Für das Web ediert von Ragnar Vogt