24.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Startseite von Evangelisch.de Screenshot: nz
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wo offline die Mitglieder schwinden, geht die evangelische Kirche in Deutschland online mit Evangelisch.de einen Schritt in die Moderne der digitalen Welt. Das Portal will Medium, Ratgeber und Community in einem sein.
Mit dem neuen Portal Evangelisch.de ist die evangelische Kirche seit Donnerstag online. Das Portal biete hohen publizistischen Gehalt und eine Themenauswahl nahe am Menschen, sagte der Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), Jörg Bollmann, am Mittwoch in Frankfurt.
Evangelisch.de solle ein Schritt in die «Moderne der digitalen Welt» sein, sagte Jörg Bollmann. Themen, über die die Gesellschaft diskutiere, würden sich auch auf Evangelisch.de wiederfinden, sagte er. Als aktuelles Beispiel nannte Bollmann die Debatte um die Jugendgewalt und die möglichen Auswirkungen von Computerspielen. Ein typisches Thema für Evangelisch.de sei auch die Bewahrung der Umwelt, sagte Bollmann. Daher werde auf dem Portal unter anderem auch über den Klimagipfel der Vereinten Nationen berichtet.
Arnd Brummer, Chefredakteur des evangelischen Magazins «Chrismon», sagte, das Portal wolle «im großen Meer der christlichen Angebote» eine Navigationshilfe bieten: «Wer im Netz unterwegs ist, muss die Kirche dort finden können.»
Christliche interessierte Menschen könnten neben «Positionen aus der Welt des Protestantismus» auch praktische Informationen finden, zum Beispiel zu der Frage, was ein Pate für sein Patenkind leisten soll. Brummer und seine Stellvertreterin Ursula Ott sind in Personalunion auch Chefredakteure von Evangelisch.de.
Zusammenarbeit mit epd und «Chrismon»Nach Angaben von Direktor Bollmann arbeiten bei Evangelisch.de im GEP insgesamt zehn feste Mitarbeiter, darunter fünf Redakteure. Das Portal entstehe in enger Vernetzung mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) und dem Magazin Chrismon, sagte er. Das Gemeinschaftswerk habe in diesem Jahr eine Million Euro in den Auf- und Ausbau von Evangelisch.de investiert und stelle für das Jahr 2010 eine Million Euro zur Verfügung. «Glücklicherweise müssen wir nicht mit einem Businessplan arbeiten», sagte Bollmann. Das Internetportal solle dennoch zunächst drei Jahre probeweise laufen.
Dabei sollen Werbeeinnahmen - nicht nur aus der kirchlichen Ecke sondern auch für Autos oder Handys, nicht aber für Alkohol - das Projekt in die schwarzen Zahlen führen. Andere evangelische publizistische Angebote sollten durch das Portal weder kannibalisiert noch verdrängt werden. Mit vorhandenen Internetangeboten der 22 Landeskirchen sind Kooperationen bis hin zum Austausch von Inhalten geplant.
Brummer betonte, dass Evangelisch.de ein «offenes, plurales evangelisches Portal» sei. Dort sollten sich alle Strömungen der evangelischen Kirche wiederfinden, auch die evangelikalen. Das Portal kooperiert nach Angaben der Betreiber unter anderem mit dem evangelikalen Nachrichtendienst Idea und dem evangelikalen Portal Jesus.de. Kritiker werfen den Evangelikalen Dogmatismus und ein eindimensionales Gesellschafts- und Geschichtsbild vor.
Wirklichkeit «aus evangelischer Perspektive beleuchtet»Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, sagte in einem Grußwort, auf Evangelisch.de werde die Wirklichkeit «aus evangelischer Perspektive beleuchtet». Das Portal wolle Menschen «Halt und Orientierung» bieten und werde eine Schlüsselrolle im Internetangebot der evangelischen Kirche einnehmen.
Portalleiterin Melanie Huber erläuterte, im Gegensatz zu anderen sozialen Netzwerken im Internet stehe bei Evangelisch.de weniger die Selbstdarstellung im Vordergrund: «Es geht nicht darum, wer die meisten Freunde hat.» In der zum Portal gehörenden Community könnten sich vor allem solche Menschen beteiligen, die Rat suchen oder ein offenes Ohr für die Probleme anderer Menschen haben. Dafür gebe es etwa einen «Ich-höre-zu-Knopf». Auch werde es bei dem Portal eine enge Vernetzung geben zwischen den publizistischen Inhalten und den Themen, über die die Nutzer in der Community diskutierten.
Mitgliederschwund der KircheMit einem Bagger ist eine Abrissfirma in Hannover kürzlich der ausgedienten Messiaskirche zuleibe gerückt: Mangels Gottesdienstbesuchern werden von den beiden großen Kirchen stets mehr Kirchengebäude aufgegeben - findet sich kein neuer Nutzer, werden schweren Herzens auch Gotteshäuser eingerissen.
Evangelisch.de ist somit auch ein multimediales Portal gegen die schrumpfenden Gemeinden. Die Hoffnung ist, Menschen die im Netz mit dem Glauben in Berührung kommen, auch offline für Kirchliches zu gewinnen. (epd/dpa/AP/nz)