21.08.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Sieht ganz harmlos aus: Google Bücher Screenshot: nz
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Immer mehr Politiker, Unternehmen und Verbände aus Europa und den USA mischen sich in den Streit um Googles Bücher-Digitalisierung ein. Google sei ein Monopolist, heißt es - auch von Seiten ehemaliger Monopolisten.
Manches im Streit um die Digitalisierung von Büchern durch den Webkonzern Google ist so vorhersehbar wie der Erfolg des nächsten Werks von Joanne K. Rowling. Microsoft, Yahoo und Amazon wollen gegen die geplante Einigung Googles mit US-Autorenverbänden und Verlagen vorgehen, wie US-Medien am Freitag berichteten.
Anderes wiederum überrascht dann doch. Weil die französische Nationalbibliothek mit der Digitalisierung der eigenen Bestände offensichtlich weder technisch noch finanziell hinterherkommt, suchte man das Gespräch mit Google. Dass das wiederum für reichlich Ärger in Frankreich sorgt, kann hingegen ebenso wenig verwundern wie zahlreiche neue Widerstände, die dieser Tage gegen das Google Books genannte Projekt formuliert werden.
Formuliert werden sie vom deutschen Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), dem französischen Kulturminister Frédéric Mittérand, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels oder Gary Reback, Anwalt und Berater einer Koalition um das gemeinnützige Projekt Internet Archive, der sich nun eben auch die für ihre Gemeinnützigkeit so sattsam bekannten Konzerne Microsoft, Yahoo und Amazon angeschlossen haben.
Worum geht es überhaupt?Seit über fünf Jahren scannt und digitalisiert Google Bücherbestände aus Universitäten und öffentlichen Büchereien. Auch Google ist kein gemeinnütziger Verein. Das Unternehmensziel, alle verfügbaren Bücher in der «Google Buchsuche» teils gratis, teils gegen Gebühr bereitzustellen, zielt gleichzeitig auf neue und auf den Ausbau alter Einnahmequellen durch mehr Webseiten, auf denen weitere Adwords-Anzeigen untergebracht werden können.
Eine vorläufige Einigung von Google mit US-Autorenverbänden und Verlagen vom Oktober des vergangenen Jahres sieht vor, dass Google gegen Zahlung von 125 Millionen Dollar das Recht erhält, Bücher von Universitäten und Büchereien zu digitalisieren und ins Netz zu stellen. Diese Einigung muss noch von einem Gericht genehmigt werden, das US-Justizministerium hat eine eigene Untersuchung der Wettbewerbsfolgen eröffnet. Seither häuft sich die Kritik aus all jenen Teilen der Welt, die Einfluss zu nehmen in der Lage sind.
Unter den gescannten Büchern sind nach Angaben des Bundesjustizministeriums und von Autorenverbänden wie der VG Wort auch viele europäischer Autoren. Einwände gegen den Vergleich können noch bis zum 4. September geltend gemacht werden.
Wer oder was ist ein Monopolist?Die Argumente der Kritiker fallen extrem unterschiedlich aus und lassen sich doch in einem Satz zusammenfassen: Google darf kein Bücher-Digitalisierungsmonopolist werden. Gary Reback, einst einer der Wortführer in einem Kartellverfahren gegen Microsoft, spricht für die Anti-Google-Koalition, zu der auch Microsoft gehört, in der «New York Times» von «enormem, weitreichendem und wettbewerbsbehinderndem Konsequenzen», die der Bücher-Scan zur Folge haben könnte.
«Staaten gehen fahrlässig mit ihrem kulturellen Erbe um, wenn sie es einem Monopolisten überlassen und eigene, von Steuergeldern finanzierte Projekte wie die europäische digitale Bibliothek Europeana damit torpedieren», sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels der Deutschen Presseagentur dpa und vergaß auch nicht, die eigene Buchplattform Libreka zu empfehlen, die ebenfalls digitalisierte Werke bereitstellt.
Auch Kulturstaatsminister Neumann warnt vor einem «faktischen Informationsmonopol» von Google. Gegen das Einscannen rechtefreier Bücher sei zunächst nichts einzuwenden. Wer aber geschützte Werke ohne Zustimmung der Urheber ins Netz stelle, verstoße gegen europäisches Recht. In Frankreich argumentiert die Politik ähnlich. Über Jahre wurde viel Geld in eigene Programme zur Digitalisierung der Bestände der französischen Nationalbibliothek gesteckt, die über die französische Webseite Gallica und das europäische Portal Europeana teilweise abrufbar sind. Nun bräuchte die Nationalbibliothek mehr Geld, um dem Staat das Monopol an den digitalisierten Werken zu sichern. Gleichzeitig wirft man Google Monopolismus vor.
Wettbewerb der IdeenGoogle selbst will von so etwas natürlich nichts wissen. Ein Google-Sprecher sagte dem «Wall Street Journal», die Vereinbarung mit den Verlegern bringe mehr Wettbewerb ins Geschäft mit digitalisierten Büchern, und die Konkurrenten wollten dies verhindern. Dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» sagte der Europa-Chef von Google, Philipp Schindler: «Stellen Sie sich einfach mal vor, es gäbe Google nicht. Würde ein einziger Verlag dann besser dastehen? Nein, im Gegenteil.»
Man muss die durch enorme Mengen an Daten, Gadgets und Geld um Google geballte Macht nicht mögen, um zu verstehen, dass sich in dieser geharnischten Debatte vieles darum dreht, dass andere gerne jenes Monopol hätten, das sie Google unterstellen. Google ist kein Monopolist und das Unternehmen wird auch keiner werden, wenn andere, denen offline bislang wichtiger war als online, endlich mal im Internet des Jahres 2009 ankommen.