Nach Kritik von Verbraucherzentralen: 

netzeitung.deXing reagiert am schnellsten

 Herausgeber: netzeitung.de

Logo von Xing Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Logo von Xing Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nachdem der Bundesverband der Verbraucherzentralen teils gravierende Datenschutzmängel in zahlreichen Online-Netzwerken bemängelt hatte, löscht das Karriereportal Xing nun die ersten Beiträge.

Nach der Forderung der Verbraucherzentralen nach mehr Datenschutz bei einigen Online-Netzwerken hat das Karriere-Portal Xing sofortige Veränderungen angekündigt. So würden zum Beispiel Forenbeiträge von ehemaligen Mitgliedern gelöscht, sagte Xing-Sprecher Thorsten Vespermann am Mittwoch.

«Wir unterstützen alle Änderungsvorschläge», sagte der Vorstandschef der Xing AG, Stefan Groß-Selbeck, in Hamburg. Die Allgemeinen Geschäftsbedingen würden umgehend bei den Punkten aktualisiert, die aus Sicht der Verbraucherzentrale eine Verbesserung darstellten. «Dafür sind nur kleinere Anpassungen notwendig.»

So sei man hinsichtlich der Forenbeiträge bislang davon ausgegangen, dass es nützlicher sei, diese Beiträge im Netz zu belassen, sagte Vespermann. Das entsprechende Diskussionsforum sollte nicht inhaltlich durchlöchert werden. Löschen sei aber auch möglich und werde nun unverzüglich technisch umgesetzt.

Verteilte Kundendaten
Die Verbraucherzentralen hatten mehrere Online-Netzwerke wegen Datenschutzmängeln abgemahnt. Die Plattformen Facebook, Lokalisten, Myspace, Wer-kennt-wen und Xing benachteiligten ihre Nutzer, hieß es. Sie müssten sicherstellen, dass Daten nur verwendet werden, wenn die Nutzer einwilligen. Die Kunden müssten entscheiden, ob ihre Daten über Suchmaschinen zu finden seien. Einige Anbieter ließen sich zahlreiche Rechte an den Inhalten ihrer Nutzer geben oder sperrten den Zugang für Mitglieder, ohne Gründe zu nennen.

Xing betonte, die Kundendaten lägen schon heute getrennt vom Firmensitz verteilt auf mehreren Servern. Xing sei darüber hinaus voll verschlüsselt. Mitglieder hätten stets die Kontrolle über ihre Daten und Privatsphäre. Bei dem Portal können Nutzer Profile anlegen und Kontaktnetze knüpfen. Die Mitgliederzahl stieg zuletzt um rund eine halbe Million auf mehr als 7,5 Millionen.

«Facebook nimmt den Datenschutz und die Privatsphäre der Nutzer sehr ernst», sagte eine Sprecherin. Die Datenschutz-Einstellungen würden immer weiter verbessert. Die Unterlassungserklärung werde geprüft. Manager Chris Kelly hatte bereits zuvor mehr Datenschutz angekündigt. Reaktionen der anderen Online-Netzwerke blieben zunächst aus.

Datenschutzbeauftragte vorsichtig optimistisch
Auch der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar ist bei diesem Thema besorgt: «Es besteht noch dringender Handlungsbedarf bei den Anbietern». Doch er hat Hoffnung: Datenschutz werde allmählich zum Wettbewerbsfaktor in der umkämpften virtuellen Welt. Zuletzt verzeichnete der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix Erfolge im Kampf um die Sicherheit der Daten.

SchülerVZ, StudiVZ und MeinVZ sicherten zu: Jeder kann einstellen, welche Inhalte eines Profils für wen zugänglich sein sollen. Schaar attestiert der Branche zwar Verbesserungen. «Über die Nutzung personenbezogener Daten klären viele Betreiber nicht wirklich verständlich und nicht an prominenter Stelle auf», sagt er aber. «Da gibt es noch Defizite.»

Test des Fraunhofer-Instituts
Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie machte bei einem Test besorgniserregende Erfahrungen. Die Forscher meldeten sich als normale Nutzer in Online-Netzwerken an an. Anschließend wechselten sie die Rolle und prüften als Angreifer die Effektivität der Schutz-Konfigurationen. Mittels Suchmaschinen kamen sie zum Beispiel an geschützte Bilder und Informationen über politische Orientierung oder Familienstatus.

Auch unerwünschte Werbung ist ein Dauerbrenner. «Vor einer Verwendung der Daten für Werbezwecke müssen die Nutzer einwilligen», sagt Schaar. «Die Frage ist aber, inwieweit die Netzwerke ihre starke Marktstellung dazu gebrauchen, die Leute vor die Alternative zu stellen: Entweder ihr willigt ein - oder ihr verzichtet.»

Der Netzwerkforscher Duncan Watts berichtet in der jüngsten Ausgabe des Magazins «brand eins» zwar: «Werbeleute sind fasziniert von der Möglichkeit, in ein soziales Netz einzudringen, das auf Vertrauen basiert, und dieses Netz für kommerzielle Zwecke zu nutzen.» Doch die wichtigste Währung im Netz, die Glaubwürdigkeit, wird dabei schnell entwertet. Watts meint deshalb: «Tupperpartys funktionieren nicht im Internet.» (dpa/nz)