Kubas bekannteste Netzautorin gibt nicht auf: 

netzeitung.deAlpha-Bloggerin ohne Netzanschluss

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Bloggerin Yoani Sánchez (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bloggerin Yoani Sánchez
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit ihrem Weblog «Generation Y» mischt Yoani Sánchez regelmäßig Kubas sozialistische Führung auf. Denn obwohl der Zugang zum Netz auf der Insel nicht einfach ist, finden viele Kubaner den Weg dorthin.

Um mit sich selbst ins Reine zu kommen, begann Yoani Sánchez vor zwei Jahren mit dem Bloggen. Heute ist die 33 Jahre alte Literaturwissenschaftlerin Kubas berühmteste Bloggerin. Als Erste stellte sie ihren vollen Namen und ein Foto zu ihren Texten.

Ihr Blog mit Namen «Generation Y» hat sich längst zum digitalen Zentrum der Debatte in Kuba entwickelt. Aufmerksam verfolgt Sánchez, was derzeit im Iran passiert. Die stark aufs Internet und Mobiltelefon gestützte Organisation Oppositioneller könnte schon bald auch in Kuba Schule machen, glaubt sie.

«Was im Iran geschieht, ist eine Lektion für die kubanischen Blogger», schrieb die Autorin jüngst in ihrem Blog. Auf der seit 50 Jahren sozialistisch regierten Karibikinsel könne bald Ähnliches geschehen: «Heute seid ihr es, morgen schon könnten wir es sein».

Bis zu 7000 Kommentare erhält so manche von Sánchez' Anekdoten aus dem realsozialistischen Alltag, die auch auf Deutsch nachzulesen sind. Sie handeln von der Beschaffenheit des morgendlichen Brötchens, auf das jeder Kubaner ein Anrecht hat oder auch von originellen Ausreden, um das Parteibuch der alleinregierenden kommunistischen Partei abzugeben.

Strikte Webzensur
Sánchez begleitet den Alltag mit knappen politischen Randbemerkungen. So zum Beispiel in einem Beitrag über den seit sieben Monaten defekten Fahrstuhl, der zu ihrer Wohnung im 14. Stock führt. Ein Staatsbetrieb reparierte die Anlage mit neuen, aber unpassenden Ersatzteilen. Kurz darauf war der Fahrstuhl wieder defekt. Sánchez zog eine bissige Parallele zum Zustand Kubas: «Auf ausgefahrenen Wegen neu erscheinende Veränderungen anzubringen kommt mir irgendwie bekannt vor.»

Ausbleibende Reformen unter Präsident Raúl Castro sorgen bei den Kubanern für Frust. Sánchez ist überzeugt, dass in dem Inselstaat eine Oppositionsbewegung nach Irans Vorbild entstehen könnte: «Die Feuerprobe unserer keimenden virtuellen Gesellschaft überrascht uns vielleicht schon morgen», schreibt sie.

Sánchez kopiert ihre Texte auf CDs. «Die werde ich nachher auf der Straße verteilen», erklärt sie. Offiziell haben nur etwa zehn Prozent der elf Millionen Einwohner Kubas Zugang zum Internet, das von der Regierung streng kontrolliert wird. Doch viele Kubaner schleichen sich in die Internetcafés der Hotels ein, die eigentlich Ausländern vorbehalten sind. Auch Sánchez kommt so ins Netz.

«Professionelle Dissidentin»
Die Bloggerin genießt mittlerweile auch im Ausland Popularität. Es begann mit ein paar Artikeln in der US-Presse über Blogger in Kuba. Bald folgten internationale Auszeichnungen. Das «Time Magazine» zählte die Bloggerin im vergangenen Jahr zu den hundert einflussreichsten Menschen.

Kuba reagierte mit Repression. Im März 2008 sperrte die Regierung Sánchez' Internetseite. Als die Bloggerin im Mai 2008 in Spanien einen Preis für digitalen Journalismus entgegennehmen sollte, verweigerten ihr die Behörden die Ausreise. Die Staatsmedien beschimpften sie später als «professionelle Dissidentin». Sánchez und ihren Bloggerkollegen verschaffte das nur noch mehr Popularität.

Unabhängige Journalisten in Haft
Ungefährlich ist das Bloggen in Kuba nicht. Mehr als 200 Menschen sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen derzeit aus politischen Gründen im Gefängnis, darunter 27 unabhängige Journalisten. «Ich persönlich habe viel Angst», sagt Sánchez. Aufhören will sie deswegen nicht. «Ich kann in der virtuellen Welt das tun, was mir in der realen verboten ist.» Unterstützt wird Sánchez von ihrem Ehemann Reinaldo Escobar, ebenfalls Blogger und unabhängiger Journalist.

Auch der Sohn, mit 13 Jahren im besten rebellischen Alter, trägt unfreiwillig zur Motivation seiner Eltern bei. Als die Familie jüngst über einen inhaftierten Freund sprach, erklärten die Eltern: «Er ist im Gefängnis, weil er sehr mutig ist.» Der Sohn entgegnete: «Dann seid ihr also frei, weil ihr Feiglinge seid?» (Matthias Knecht/epd)