04.04.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Er verliebte sich in Martina Hingis, als er im Fernsehen ein Match von ihr sah. Jetzt hat sich die Tennisspielerin gegen ihren wirren Verfolger zur Wehr gesetzt. Thema: Belästigt und verfolgt: Was "Stalker" antreibt Gefährliche Schatten
BERLIN. Er glaubt, sie sei die richtige Frau für ihn. Dass das nicht stimmt, hat er nun bald schriftlich. Ein US-Gericht hat den 46-jährigen Dubravko Rajcevic für schuldig befunden, die Anklage lautete auf Hausfriedensbruch und Belästigung. Ihm drohen nun bis zu vier Jahre Gefängnis. Der Mann hatte
Martina Hingis auf der ganzen Welt verfolgt, und sie mit Anrufen, Faxen und Liebesschwüren belästigt. Rajcevic ist ein «Stalker», so der moderne Ausdruck. Am Montag standen sich die 20-jährige Sportlerin und ihr Verfolger vor einem Gericht in Florida gegenüber. Und der Mann schien seinen Auftritt zu genießen.
Es fing an, als er sich scheiden ließDer in Kroatien geborene Schiffsingenieur hat seine Zuneigung zu Hingis justament in dem Augenblick
entdeckt, als seine vorherige Beziehung in die Brüche ging. 1999 ließ sich Rajcevic scheiden, im selben Jahr rief der sie während des French Open Turniers täglich im Hotel an.
Ihr Haus in Zürich soll er vier Mal besucht und dort mehrere Male geklingelt haben. Er hat ihr Blumen geschickt und ihr seine Bewunderung ausgedrückt. Das berichten amerikanische Medien.
Hingis: «Ich habe einen Freund»Die nervös wirkende Schweizerin sagte vor Gericht: «Ich habe ihm erklärt, dass ich einen Freund habe, dass ich mit meinem Leben zufrieden bin, und
ich habe ihm sogar gesagt, dass er alt genug ist, um mein Vater zu sein.» Der Verfolger will ihre Reaktionen anders gedeutet haben.
Nach Informationen der «Washington Post» habe Rajcevic von «vielen Personen aus Hingis Umfeld» erfahren, dass sie keine Beziehung mit ihm haben wolle. Er habe das aber nie von ihr selbst gehört. Hingis sagte nun aus, dass sie ihn persönlich und telefonisch gebeten habe, sie in Ruhe zu lassen.
Rajcevic leidet «unter Wahnvorstellungen»«Ja, ich glaube, sie hat mich geliebt, aber ich bin ein Jahr im Gefängnis gewesen», zitiert die «Washington Post» den Mann. «Sie ist jung,
schön, berühmt.» In dem Jahr, in dem er in Haft saß, «hat sie wohl jemand anderes gefunden.»
Gegenüber dem Fernsehsender CNN sagte sein Anwalt, dass Rajcevic das Recht habe, eine Frau zu lieben und seine Gefühle auch auszudrücken. Eine frühere psychologische Untersuchung war allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass Rajcevic «unter Wahnvorstellungen» leide.