Spam, Twitter, Domaingrabbing : 

netzeitung.deWie die Mexikanische Grippe das Netz infiziert

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Kein Spam: Google Bilder zur 'Schweinegrippe' Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kein Spam: Google Bilder zur 'Schweinegrippe' Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In der realen Welt nimmt die Panik vor dem mutierten H1N1-Virus ab. Im Internet dagegen schüren windige Geschäftemacher und Betrüger die Angst der Menschen und versuchen, das große Geld zu verdienen.

Aus der anfänglichen Panik ist eine gesunde Vorsicht geworden, die sachliche Berichterstattung in großen Teilen der Welt hat zusammen mit dem offensichtlichen Ausbleiben einer Pandemie dafür gesorgt, dass in den meisten Ländern bei Worten wie Mexiko-Grippe, mexikanische Grippe oder Schweinegrippe die Menschen nicht gleich in eine Schockstarre verfallen.

In den vernetzten Welten dagegen forcieren windige Geschäftemacher und Betrüger mehr denn je mit bewussten Falschmeldungen, Verkürzungen und angeblichen Schutzmethoden das Thema, um auf schnelle und einfache Art Geld zu verdienen. Enorme-Spamwellen mit dem Betreff «Swine Flu» fluten in die Elektropostfächer, neue Webseiten mit Domains wie Swineflu.info oder Schweinegrippe.de entstehen, kein anderes Thema bewegt Twitterer so sehr wie dieses, wobei unzählige Tweets nichts anderes als «Schweine»-Spam beinhalten.

Schweineseiten
Typisch für eine der Webseiten ist Schweinegrippe.de. Sie wurde erst am 28. April 2009 angemeldet und begrüßt den Besucher mit den Worten «Willkommen auf Schweinegrippe.de. Auf Schweinegrippe.de finden Sie Informationen zum Thema schweinegrippe. Nutzen Sie unsere Links oder geben Sie Ihren Begriff in die Suche ein.»

Doch statt fundierte Informationen erwarten den Websurfer nichts anderes als hunderte Links auf Tablettenseiten wie ipill.de oder auf ccpp.cc, wo nepperisch ein Medizinstudium ohne Numerus Clausus angeboten wird. Am Ende der Seite heißt es schließlich kurz: «Sie können die Domain schweinegrippe.de kaufen!»

Nach der gleichen Masche funktionieren auch Mexikanischegrippe.de und Neuegrippe.de. Alles, was auch nur im Entferntesten zu Thema passt, ist hier gelistet und verlinkt: Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Grippe allgemein und speziell sowie kostenpflichtige, im Netz zu bestellende Mittel dagegen. Aber auch Links zu «Medical Safety Top Preise», Atemmasken, Kräutertees und Silofutter sind auffällig platziert. Das sind nur wenige der deutschsprachigen, allesamt erst in den vergangenen zwei, drei tagen neu registrierten Seiten. Der englische Sprachraum bietet zig weitere.

Schweinespam
IT-Sicherheitsunternehmen wie McAfee weisen seit Tagen darauf hin, dass die Anzahl von E-Mails die in diversen Varianten die Begriffe «Swine» und «Flu» im Betreff tragen, enorm zugenommen haben. Das deutsche Unternehmen Sophos betont, die Spammer verwendeten zu diesem Zweck «Crawler», die das Netz nach Themen von allgemeinem Interesse absuchen. Häufig zu findende Schlagzeilen würden automatisch in Betreffzeilen von Spam umgewandelt.

Klickt ein Empfänger eine der E-Mails an, landet er im besten Fall auf der Webseite einer dubiosen Online-Apotheke, wo Placebos oder abgelaufene Grippemittel zu überhöhten Preisen angeboten werden.

Im schlechtesten Fall wird einfach nur die Angst vor der mexikanischen Grippe dazu benutzt, den E-Mail-Empfänger zu einem Klick zu verleiten, der ihm Trojaner und anderen Schadcode unterjubelt. Anschließend werden dann Passwörter abgeräumt oder der PC wird einem Botnetz hinzugefügt und mutiert zur Spam-Schleuder. Oder beides.

Schweinespam speziell
Auch Weblogs, Foren und Online-Netzwerke erleben dieser Tage ein vermehrtes Aufkommen an Schweinespam. Wo frei kommentiert werden kann, sind Werbe- und Betrugseinträge nicht weit. Im Mikroblogging-Dienst Twitter dominieren seit Tagen die Begriffe «Swine Flu» und «#swineflu» das Geschehen. Neben zahlreichen sinnvollen Beiträgen wie Links auf Aufklärungsseiten oder –wikis finden sich auch eindeutige Spam-Tweets – auf Deutsch, Englisch, Französisch (und könnte man noch mehr Sprachen, dann wohl auch in diesen).

Wer auf Facebook «Schweinegrippe» oder «Swine Flu» eingibt, landet bei hunderten von Gruppen, die sich des Themas angenommen haben – überwiegend ernsthaft und in guter Absicht, manchmal auch ironisch oder satirisch. Wer sich die Gruppen genauer ansieht, kann auch schon mal in einer landen, in der nichts anderes als ein Werbehinweis für «Tamiflu» zu finden ist.

Auf Facebook sind das aber Ausnahmen. Erstaunlich gut sortiert präsentiert sich auch Googles Suchmaschine nach einer entsprechenden Anfrage. Unter den ersten 50 Treffern findet sich kein Hinweis auf eine betrügerische Seite. In den am Rande eingeblendeten Anzeigen sieht es zum Teil leider anders aus. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Geschäftemacherei und Betrug im Zusammenhang mit der Angst der Menschen vor einer Infektion sind nicht aufs Netz beschränkt. Hier finden sie nur einen spezifischen Ausdruck.

Für das Web ediert von Maik Söhler