Rech streitet Ermittlungspanne in Winnenden ab: 

netzeitung.deEmpörung nach Krautchan-Fake

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Heribert Rech schiebt jetzt alles auf einen "Verrückten" (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Heribert Rech schiebt jetzt alles auf einen "Verrückten"
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Nach dem Amoklauf in Winnenden will sich Baden-Württembergs Innenminister nicht nachsagen lassen, gefälschte Chat-Einträge als Erkenntnisse verkauft zu haben. In der Szene wird der gelungene Coup von «Tim» und «Bernd» gefeiert.

Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech hat sich Kritik an seinem Auftritt bei einer Pressekonferenz zum Amoklauf von Winnenden verbeten. Am Donnerstagmittag seien «die Ermittlungsbehörden aufgrund der aus Nordrhein-Westfalen und Bayern übermittelten Informationen davon überzeugt gewesen, dass der Täter seinen Amoklauf im Internet angekündigt habe», hieß es am Freitag in einer Presseerklärung des Ministeriums.

«Da der mögliche Internet-Chat schon vor der Pressekonferenz zahlreichen Medien bekannt war, hatten wir die Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit, über diesen Ermittlungsstand zu berichten. Man hätte uns sonst zu Recht vorgeworfen, wichtige und die Menschen bewegende Informationen zurückzuhalten», argumentierte der CDU-Politiker. Mit Blick auf Kritik der SPD im Landtag erklärte Rech, es sei beschämend, von einer peinlichen Panne zu sprechen. Baden-Württemberg trauere und wolle sich in Würde von den Opfern verabschieden.
«Sekundenschnelle Botschaften»
Mit Blick auf Rech hatte die Südwest-SPD kritisiert, man müsse nicht immer «mit sekundenschnellen Botschaften» an die Öffentlichkeit gehen. Der CDU-MInister wies die Vorwürfe zurück. Er habe «nur den aktuellen Stand der Ermittlungen mitgeteilt. Ermittlungen sind, während sie laufen, immer Momentaufnahmen», sagte Rech «stern.de» zufolge. «Insofern wurden die Ermittler von der Aktualität eingeholt.» Der Internetausgabe der «Süddeutschen Zeitung» zufolge sagte er: «Irgendein Verrückter hat wohl eine schlimme Falschmeldung in die Welt gesetzt.»

Sollten sich die Zweifel an der Echtheit des Chateintrags bestätigen, «müssen wir uns sorgfältig mit den Konsequenzen auseinandersetzen», erklärte der Minister weiter: «Es kann und darf nicht sein, dass auf so skrupellose und menschenverachtende Weise die Gefühle der trauernden Angehörigen mit Füßen getreten werden. Wenn sich das alles bewahrheitet, kann ich darauf nur mit Abscheu reagieren.»
«Fälschung ist nicht schwierig»
Wie konnte es dazu kommen? «Das ist ganz einfach, so einen Eintrag zu manipulieren», sagt der Experte zur Quellenprüfung im Internet, der Berliner Journalist Albrecht Ude. «Einen solchen Eintrag mit Photoshop zu fälschen ist nicht schwierig», sagt auch Axel Kossel, Redakteur der Zeitschrift «c't». Ein Forumsbeitrag von 2.45 Uhr wurde abfotografiert (Screenshot). «Das kann natürlich auch nachträglich, also Stunden nach dem Amoklauf am Mittwoch gemacht worden sein», sagt ein Kenner von krautchan.net. Mit einem Bearbeitungsprogramm wurde dann der ursprüngliche Text ersetzt durch die angeblichen Worte des Täters. Der Zeitstempel 2.45 Uhr blieb aber bestehen.

In der Szene wird am Freitag über den fragwürdigen Coup jubiliert. «Der Fall wird als epischer Gewinn gefeiert, weil er eine solche große Resonanz ausgelöst hat», sagt ein Informant der Nachrichtenagentur dpa. Man mache sich in der Szene lustig über Medien, die den in dem Beitrag angesprochenen «Bernd» als Freund des Amokläufers bezeichnet hatten. Als «Bernd» werde in dem Forum jeder Nutzer bezeichnet, der sich anonym anmeldet. «Wir reden uns alle mit Bernd an, um die Anonymität zu wahren.» (dpa/AP)