Nach dem AGB-Desaster: 

netzeitung.deFacebook probt die Demokratie

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Facebook am Bildschirm (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Facebook am Bildschirm
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bisher hat sich Facebook gerne ein soziales Netzwerk genannt, war aber kaum mehr als eine Online-Community. Das könnte sich nach dem Desaster mit den AGB ändern: Die Mitglieder sollen bei den Nutzungsbestimmungen mitentscheiden.

Die Internet-Community Facebook will ihren mehr als 175 Millionen Mitgliedern ein Mitentscheidungsrecht bei der Gestaltung der Nutzungsbestimmungen einräumen. Unternehmensgründer Mark Zuckerberg kündigte am Donnerstag an, dass die Regeln für den Schutz der Privatsphäre, Urheberrechte und den Austausch von Daten künftig zur Diskussion und unter bestimmten Voraussetzungen auch zur Abstimmung gestellt werden sollen.

«Wenn die Leute mehr Informationen bei Diensten wie Facebook austauschen, entsteht eine neue Beziehung zwischen Internet-Unternehmen und ihren Nutzern», hieß es in einer schriftlichen Erklärung Zuckerbergs. «Die vergangene Woche hat uns bewusst gemacht, dass die Nutzer wirklich das Gefühl haben, dass ihnen Facebook selbst gehört, nicht nur die Informationen, die sie austauschen.»

Das Unternehmen musste in der vergangenen Woche eine Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zurücknehmen, nachdem sich unter Nutzern und Datenschützern ein Proteststurm dagegen erhoben hatte. Mit der Änderung gab sich Facebook das Recht, Daten von Mitgliedern zeitlich unbegrenzt zu nutzen. Die Idee dahinter sei gewesen, Informationen eines Nutzers anderen Mitgliedern auch dann noch anzeigen zu können, wenn er sein Profil löscht.

Hohe Mitbestimmungshürde
Künftig sollen geplante Änderungen zur Abstimmung gestellt werden, wenn sich mindestens 7.000 Mitglieder dazu äußern. Bei einer Abstimmung sollen auch Alternativen vorgeschlagen werden. Das Ergebnis soll bindend sein, wenn mehr als 30 Prozent der aktiven Nutzer daran teilnehmen. Das wären beim jetzigen Umfang des Netzwerkes nahezu 53 Millionen Menschen. Eine Gruppe, die gegen die Änderung der Copyright-Bestimmungen gegründet wurde, hatte zuletzt 139.600 Mitglieder.

«Wir wollen damit offener und transparenter werden», sagte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg der Deutschen Presseagentur dpa. «Wir vertrauen unseren Nutzern und wir legen Wert auf ihren Beitrag», sagte Zuckerberg. Entscheidungen über neue Produkte werde das Management aber weiterhin unabhängig treffen, betonte er.

Man habe Fehler gemacht, räumte Zuckerberg am Donnerstag ein. Die Mitglieder hätten alle Rechte an ihren Bildern und anderen Inhalten. Die stärkere Beteiligung der Nutzer sehe er als «aufregendes Experiment», Facebook werde sich in Zukunft weiter in diese Richtung bewegen. Überlegungen für eine stärkere Beteiligung der Mitglieder habe es schon länger gegeben - der jüngste Sturm der Kritik habe sie aber beschleunigt. Über den nun vorgelegten Plan soll einen Monat lang diskutiert werden.

Schnellere Wachstum als Myspace
Facebook hat insgesamt rund 175 Millionen angemeldete Mitglieder; da jedoch nicht alle von ihnen tatsächlich den Dienst regelmäßig nutzen, ist es schwer zu sagen, wie viele an einer Abstimmung teilnehmen müssen, damit die Quote von 30 Prozent erreicht ist.

Bei Facebook können die Nutzer Profile mit persönlichen Informationen anlegen, miteinander kommunizieren sowie Bilder oder Videos veröffentlichen. Der Dienst hat inzwischen den Erzrivalen Myspace bei den Wachstumsraten überholt. Ein Problem ist aber weiterhin, die Popularität in Umsätze umzumünzen.

Auf der Suche nach einem gewinnbringenden Geschäftsmodell hatte sich Facebook schon früher Ärger beim Datenschutz eingehandelt. Ende 2007 hatte das Netzwerk das Werbesystem «Beacon» gestartet, dass Mitglieder über die Einkäufe ihrer Freunde informierte. Facebook verkaufte es als Möglichkeit, neue Produkte kennenzulernen, und hoffte auf Werbeerlöse. Zahlreiche Nutzer fühlten sich jedoch dadurch gestört, dass zum Teil auch ihre sehr privaten Einkäufe für andere sichtbar waren. Nach heftigen Protesten stoppte Facebook den Dienst. (dpa/AP/nz)