27.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Schneller als im TV gibt es Nachrichten über Bombay bei Twitter
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bombendetonationen, Gewehrsalven und Geiselnahmen: Schneller als TV und Radio berichten Blogger bei Twitter über die Ereignisse in Bombay. Die Bilder dazu gibt es bei Flickr - aktualisiert im Minutentakt.
Noch bevor die großen Nachrichtenagenturen über die neuesten Ereignisse der Terroranschläge in Bombay berichten können, gehen bei dem Microblogging-Dienst Twitter im Sekundentakt Augenzeugenberichte ein. Eine Userin namens «Weldonkennedy» bloggt, dass sie bei Twitter alles über die Anschläge erfahre. «Ich liebe soziale Netzwerke», schreibt sie, «die funktionieren so viel schneller als traditionelle Medien.» Dabei handelt es sich bei Twitter nicht einmal um ein klassisches soziales Netzwerk.
Die Mikroblogger dürfen nur 140 Zeichen verfassen. Die Meldungen kommen in rasender Geschwindigkeit, manchmal mehr als 60 Stück pro Minute. Fast alles passiert hier in Echtzeit. Die Plattform ist so zu einer Art Live-Nachrichtenticker geworden. In knappen Sätzen transportiert Twitter die Meldungen in die Welt.
«Ranjitrgeorge» schreibt Donnerstag, 13.10 Uhr: «Vier neue Explosionen im Taj Hotel.» «Scorpfromhell» postet wenige Minuten später: «Vier Verletzte werden gerade aus dem Trident Hotel getragen.» «Santoshp» antwortet umgehend, dass dort ein Terrorist festgenommen wurde, auch Namen und Herkunftsland des Mannes will er wissen. «Terrencecyrill» meldet, dass die Terroristen nun an drei Orten sind, dem Taj-Mahal Hotel, dem Trident-Oberoi-Hotel und dem Nariman-House.
Authentizität bleibt fraglichDurch die unübersichtliche Menge an Meldungen ist es unmöglich, deren Echtheit zu überprüfen, es entsteht lediglich ein ungefiltertes Allgemeinbild. Nach Angaben einiger Blogger auf Twitter basiere aber auch die Berichterstattung von CNN über die Anschläge teilweise auf den Kurznachrichten des Netzwerkes.
Authentischer dagegen sind entsprechende Bilder, die sofort bei der Online-Foto-Community Flickr hochgeladen werden. Sonst eher eine Sammelstelle für Urlaubsfotos oder die Bilder von Hobbyfotografen, kann man hier nun stets aktualisierte Fotostrecken über die Vorfälle in Bombay ansehen.
Nicht alle selbsternannten «Lokalreporter» sind persönlich vor Ort. Manche verweisen in ihren Kurznachrichten auf Fernsehsender und Internetseiten. Andere sammeln Telefonnummern von Hotlines, die für Angehörige eingerichtet wurden. Wieder andere freuen sich einfach nur, irgendwie dabei zu sein. «Shrik_shrek» schreibt: «Twitter rocks! Lasst uns gemeinsam rausgehen und die Welt retten.» Dafür dürfte die Platzbeschränkung von 140 Zeichen pro Nachricht allerdings zu knapp gehalten sein. (nz)