Online-Community mit unbefriedigendem Umsatz:
StudiVZ-Chef lässt sich ausloggen
23.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Sucht neuen Geschäftsführer: StudiVZ
Foto: Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach nur 14 Monaten wechselt Holtzbrinck den Geschäftsführer seiner Web-2.0-Tochter StudiVZ aus - angeblich «auf eigenen Wunsch» Rieckes. Doch die fehlende Begründung nährt Spekulationen.
StudiVZ-Chef Marcus Riecke verlässt den Medienkonzern Holtzbrinck mit sofortiger Wirkung. Branchenkreisen zufolge soll der Verlag damit auf die geringen Umsätze der Webseite reagiert haben. In einer Pressemitteilung heißt es jedoch, der Weggang erfolge «auf eigenen Wunsch».
Zu seinem Nachfolger wurde vorläufig Clemens Riedl ernannt. Er war gerade erst vom «Tagesspiegel» als Vermarktungschef zu StudiVZ gekommen. Der langjährige Holtzbrinck-Manager hat die Aufgabe, den Umsatz im nächsten Jahr auf mehr als 20 Millionen Euro hochzutreiben.
Eine Milliarde PI-VerlustUnter Riecke soll das soziale Netzwerk in diesem Jahr 10 Millionen Euro erwirtschaften, aber noch Verluste schreiben. Er habe es nicht geschafft, der Community ein tragfähiges Geschäftsmodell zu verpassen, meint «Heise.de». Holtzbrinck-Vize Jochen Gutbrod sprach kürzlich davon, StudiVZ schreibe «enttäuschende Ergebnisse».
Der Verlag hatte StudiVZ im Januar 2007 für geschätzte 85 Millionen Euro gekauft. Im Sommer wechselte Riecke von Ebay zur größten Web-2.0-Gemeinschaft Deutschlands mit inzwischen mehr als zehn Millionen Nutzern. Die Klickzahlen waren im August 2008 aber massiv eingebrochen: Hatte das Angebot im Juli noch 5,2 Milliarden Page Impressions (PI) gemacht, waren es im August nur noch 4,2 Milliarden.
Fremdvermarktung gefordertVor allem aber soll die Chemie mit Stefan von Holtzbrink nicht gestimmt haben: «Offensichtlich haben Riecke und die Unternehmenskultur in Stuttgart nicht zusammengepasst», spekuliert das Medienportal «turi2». Riecke habe klare Ansagen von oben einer «langen Leine» vorgezogen.
Doch selbst, was er eigenständig plante, stieß auf Ablehnung: Laut «Netzökonom»-Blogger Holger Schmidt von der «FAZ» wollte sich Riecke noch enger an Facebook orientieren. Das US-Portal von Mark Zuckerberg hatte StudiVZ im Sommer wegen des Diebstahls geistigen Eigentums verklagt.
Außerdem habe der Manager die Vermarktung an einen Spezialisten auslagern wollen, statt sie weiter über die Holtzbrinck-Tochter GWP laufen zu lassen. Nach Riecke will nun auch deren Geschäftsführer gehen: GWP-Chef Harald Wahls steht offenbar kurz vor einem Wechsel zum Essener WAZ-Konzern. Holtzbrinck kommentierte die Gerüchte nicht. (nz)