22.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Street View: Nicht alle Orte werden lückenlos angezeigt
Foto: Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach dem Abschluss von Googles Kamerafahrten sollen die Street View-Aufnahmen schon im Frühjahr online gehen. Der Start in Frankreich ging erstmal schief: Dort nutzte jemand sein Persönlichkeitsrecht. Mit Video
In Berlin, München und Frankfurt am Main hat Google seine Aufnahmen für die geplante Straßenansicht Street View abgeschlossen. In Köln, Stuttgart, Hamburg oder Bremen sind sie noch unterwegs, die Autos mit der aufwendigen Optik von acht Kameras auf dem Dachgepäckträger.
Voraussichtlich im Frühjahr werde das neue Angebot mit mindestens drei Städten gestartet, sagt Google-Sprecher Stefan Keuchel. In der vergangenen Woche ging Street View Frankreich mit Aufnahmen von Paris, Lyon, Marseille, Lille, Nizza und Toulouse online.
«Dieses Bild nicht mehr verfügbar» Allerdings gibt es in der Pariser Street View bereits eine schwarze Lücke - weil offenbar jemand von seinen persönlichen Rechten Gebrauch gemacht und bei Google die Entfernung eines Fotos verlangt hat. Klickt man sich auf den Champs Élysées nach Nordwesten, heißt es kurz vor dem Triumphbogen: «Dieses Bild ist nicht mehr verfügbar.»
Der möglichst lückenlose Blick auf die Hausfassaden in vier Metern Höhe stößt teilweise auf massive Kritik. «Von dieser Kamerahöhe aus gucken Sie bis in die Schlafzimmer», sagt der stellvertretende Bürgermeister von Molfsee, Reinhold Harwart. «Da hört für mich der Spaß auf.»
Besorgte DatenschützerDas eigene Wohnumfeld müsse datengeschützt bleiben. Wenn diese Aufnahmen erst einmal weltweit verfügbar seien, könne jeder Kriminelle «mit dem Laptop auf den Knien auskundschaften, wo er seinen nächsten Bruch macht». Ausgehend von der 5.000-Seelen-Gemeinde bei Kiel ist der Unmut über Google Street View auch bei professionellen Datenschützern auf Resonanz gestoßen.
Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Hartmut Lubomierski sieht Google Street View zwar relativ gelassen - schließlich könne jeder auf der Straße fotografieren. Der Datenschutzbeauftragte des Bundes, Peter Schaar, hat aber weiter Bedenken.
Dessen Sprecher Dietmar Müller sagt: «Man kann es sicherlich niemandem verbieten, unsere Straßen zu fotografieren. Aber natürlich ist die Wirkung in diesem Ausmaß und durch das Internet eine ganz andere.»
Tausende Gigabytes an Daten Die «Street View Cars» von Google nehmen in jeder Stadt mehrere zehntausend Aufnahmen in einer 360-Grad-Rundumsicht auf und versehen diese mit Geodaten, also den genauen Längen- und Breitengraden. Die jetzt in Deutschland erstellten Fotos haben nach Angaben von Google-Sprecher Keuchel einen Datenumfang von mehreren Terabytes.
«Diese Bilder werden dann zu einem riesigen Städtepuzzle zusammengefügt», erklärt Keuchel. Die dabei verwendete, von Google selbst entwickelte Anwendung sorgt dafür, dass Gesichter und Autokennzeichen «verpixelt», also unkenntlich gemacht werden. Zoomt man sich in den Google Maps in Städte mit einer Street-View-Ansicht, erscheint eine entsprechende Schaltfläche auf der Webseite.
Keine Angst vor Einbrechern«Es geht bei Google Street View um die faszinierende Möglichkeit, sich fremde Städte anzusehen», sagt Sprecher Keuchel. So könne man sich etwa bei einer Umzugsplanung schon vorher die Umgebung einer neuen Mietswohnung anschauen. «Am liebsten wäre uns, wenn gar keine Personen auf den Bildern wären.»
Das lasse sich aber in den großen Metropolen nicht immer vermeiden. Und was ist mit den Hausfassaden? «Kein Einbrecher auf der Welt benötigt ein Produkt von Google, um auf Beutezug zu gehen», antwortet Keuchel. «Wir verstehen die Argumente. Aber 99,9 Prozent aller Nutzer werden Street View nutzen, um gute Dinge damit zu tun.»
Weder in den USA noch in anderen Ländern habe es eine vergleichbare kontroverse Diskussion um den Datenschutz gegeben wie in Deutschland, sagt Keuchel. Google Street View wurde im Mai 2007 mit vier Städten in den USA gestartet, inzwischen kann man dort mehr als 40 Städte aus der Straßenperspektive erkunden. Nach den USA sollen Australien und Japan folgen. (Peter Zschunke, AP)
Video: Satire zu Google Maps