Telekom Austria in der Kritik:
Porno-Industrie mit IP-Adressen versorgt
17.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Rechtsanwälte Längle, Fussenegger und Singer vertreten nach Angaben von «Heise Online» deutsche Pornofilmhersteller wie Hustler Europe und Muschi Movie und fordern eine Pauschale von 790 Euro pro Datei. Bei Nichtzahlung drohen sie mit einer Klage über 36.000 Euro.
In einer Stellungnahme beruft sich der Internet-Provider auf «eine gesetzliche Auskunftspflicht nach dem Urheberrechtsgesetz, auch ohne richterlichen Beschluss oder staatsanwaltlichen Auftrag Auskunft geben zu müssen». Doch der Grenzbereich zwischen Urheberrecht und Datenschutz ist juristisch umstritten.
Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes zu dieser Frage steht noch aus. Inzwischen hat Telekom Austria aber schon eigenständig auf die negativen Schlagzeilen reagiert. Wie «Der Standard» an diesem Freitag in seiner Online-Ausgabe berichtete, will der größte Internet-Provider Österreichs sämtliche Auskünfte über Stammdaten der Nutzer stoppen.
So hatte ein edonkey-Nutzer einen Konzertmitschnitt von Jimi Hendrix beziehen wollen doch «Foxy Lady» entpuppte sich als Teresa-Orlowski-Video aus den 80ern. Nun sollten alle Betroffenen prüfen, «ob der Filmtitel des urheberrechtlich geschützten Werks mit dem Dateinamen übereinstimmt», rät ein Jurist.
Dass Filesharing generell nicht gern gesehen wird, spielte bei den Ermittlungen offenbar keine Rolle. Erst 2006 hatte die Staatsanwaltschaft zwei Monate lang Zugriff auf einen Server, der als Verteilpunkt im eDonkey-Netz diente. Insgesamt wurden 40.000 IP-Adressen mitgeschnitten, davon waren 3500 deutschen Nutzern zuzuordnen. Sie seien namentlich identifiziert und strafrechtlich verfolgt worden, berichtete «Heise Online». (nz)

