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IFA 2008: 

Branche will ökologisch sein, ist es aber selten

30. Aug 2008 10:57
Flachbildfernseher sind energieintensiv
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Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit sind inzwischen entscheidende Kriterien bei der Anschaffung von Kühlschränken, Fernsehern und Waschmaschinen geworden. Doch viele neue Geräte verbrauchen sogar mehr Strom als die Vorgängertechnik.

«Grüne Welle», «59 Prozent weniger Stromverbrauch», «Energieeffizienzklasse A, A+ und A++» - die Schlagzeilen aus Ausstellerprospekten zeigen: Stromsparen ist bei der diesjährigen Funkausstellung IFA in Berlin das Thema. Nicht nur Kühlschrank-Produzenten schmücken sich mit geringen Verbrauchswerten. In Zeiten rapide steigender Strompreise lassen selbst Fernseherhersteller in keiner Präsentation unerwähnt, wie sparsam ihre neuen Geräte seien. Eigentlich, könnte man meinen, hätte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren Aufruf zum Energiesparen bei der IFA-Eröffnung sparen können. Doch die IFA ist keine grüne Oase. Mancher gibt sich grüner als er ist. Und auch den Kunden geht es meist erst in zweiter Linie um die Umwelt.

Energiesparen? «Klar ist das bei uns ein Thema», ist an nahezu allen Ständen auf der IFA zu hören. Bei den Hausgeräteherstellern ist das schon seit längerem so, auch wenn wohl nie zuvor damit so sehr geworben worden ist. Unter dem Berliner Funkturm gibt es Wärmepumpentrockner, Waschmaschinen mit Warmwasseranschluss und Geschirrspüler, denen Minerale im Trockengang stromsparen helfen - und sie alle stehen auf den Ständen in der ersten Reihe. «Die Hausgerätebranche hat das Thema Ökologie entdeckt», meint Miele-Technikchef Eduard Sailer und findet das etwas erstaunlich, denn darum gehe es doch schon lange.

Energieeffizienz bei Unterhaltungselektronik kein Thema

Anders bei Fernsehern, Kameras und Laptops: Hier stehen die Hersteller mächtig unter Druck. «Bisher war Stromsparen für Verbraucher bei Unterhaltungselektronik kein Thema», sagt Corinna Fischer, Expertin für Energieeffizienz beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Zwei Drittel des Stroms im Haushalt gingen für Hausgeräte drauf, dort ließe sich etwa mit einem neuen Kühlschrank auf einen Schlag kräftig sparen. Doch das reicht nicht mehr. «Erst jetzt - bei steigenden Preisen - schauen die Verbraucher auf den Verbrauch der Unterhaltungselektronik.»

Doch anders als bei Hausgeräten, für die Energieeffizienzklassen von «G» bis «A++» gelten, fehlt noch ein einheitlicher Gradmesser für den Stromverbrauch von Bildschirmen, Receivern und Audio-Systemen. Erst im Laufe des kommenden Jahres sei damit zu rechnen, meint Verbraucherschützerin Fischer, und rät zunächst generell zu Skepsis, wenn Geräte als stromsparend angepriesen werden.

Flachbildfernsher als Stromfresser

Die modernen - und in der Regel größeren - Flachbildgeräte etwa verbrauchten gewöhnlich mehr Strom als Röhrenfernseher, die sie ablösen. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur in Berlin sind zwar auch Flachbildfernseher dank neuer Technologie nicht mehr solche Stromfresser wie die ersten Modelle, doch selbst der Stromverbrauch gleich großer Fernseher unterscheide sich im Betrieb um bis zu 60 Prozent.

Käufer kostet das Sparen also zunächst einmal Mühe. Dass es ihnen dabei in erster Linie nicht um Umweltschutz geht, sondern um den Geldbeutel, zeigen Zahlen des Branchenverbands ZVEI. Drei Viertel der Befragten sagten demnach in einer Umfrage, sie würden für ein stromsparendes Elektronikgerät mehr bezahlen. Tatsächlich tiefer in die Tasche gegriffen haben aber nur 17 Prozent.

Ein weiterer Beleg: Der Premiumhersteller Loewe wirbt kaum mit den Umwelteigenschaften seiner Geräte. Die seien zwar ausgezeichnet, betont Frieder C. Loehrer, der Chef des deutschen Fernseher-Produzenten, aber das sei für Loewe-Kunden nicht das entscheidende Kriterium. Und diese müssen in der Regel nicht auf jeden Euro schauen. (Burkhard Fraune, dpa)

 
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