IFA 2008: 

netzeitung.deDie Suche nach dem heiligen Kühlschrank

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Lieber mit oder ohne Fernseher? Kühlschränke auf der IFA (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lieber mit oder ohne Fernseher? Kühlschränke auf der IFA
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Nie zuvor durften sie zur IFA, nun aber sind sie gleich in Massen da: die Haushaltsgeräte. Maike Schultz hat sich auf der Messe die neuesten Kühlschränke, Waschmaschinen und Haarglätter angesehen.

Wenn es um die IFA geht, haben dieses Jahr alle nur eines im Sinn: «Home Appliance». 2008 sind auf der weltgrößten Messe für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik erstmals auch Haushaltsgeräte zu sehen. In den Berliner Hallen unterm Funkturm herrscht die Atmosphäre eines High Tech-Ikeas. Sterile, verchromte Hochglanz-Küchen mit Plastikobst bilden die Kulisse für multifunktionale Waschmaschinen, Mixer oder Dampfgarer für Vitaminschonendes Kochen.

Fast alle großen Markenhersteller sind dabei, von Siemens und Miele über Bosch bis zu Electrolux oder Jura aus der Schweiz. Der Trend geht zur Transparenz: Kühlschränke, Geschirrspüler, Staubsauger, alles ist durchsichtig oder hat zumindest ein Fenster zum Reingucken. So ist der obligatorische Blick auf den Lebensmittelstatus auch ohne den Verlust von Kühlenergie möglich, die ein Öffnen der Tür verursacht. Aber möchte man wirklich jeden Dreck sehen, der sich beim Saugen angesammelt hat?

Dann doch lieber die hübschen LG-Waschmaschinen mit Blumenmuster. In der Philips-Halle schmücken sogar USB-Sticks im Riesendiamanten-Look die Glasregale – gleich neben den Epiliergeräten. Sogar die Monster-Staubsauger von Vorwerk verfügen inzwischen über handliche Größen und stylishe Rundungen. Die Optik spielt offenbar eine ebenso wichtige Rolle wie Energieeffizienz, die in Zeiten steigender Strompreise das bestimmende Thema der diesjährigen IFA ist.

Ziel ist eine «Grüne Welle», wie der Hersteller AEG in Großbuchstaben über seinen Messestand geschrieben hat. Der Konzern wirbt für «Stille Helden» – Spülmaschinen in «Flüsterlautstärke». Die vielen Präsentationen werfen allerdings die Frage auf, wie viel Energie bei der IFA eigentlich für das dutzendfache Spülen sauberer Teller und Hunderte unnötig eingeschaltete Gefriertruhen verschwendet wird.

Give-Aways und Koch-Shows
Ganz zu schweigen von den Müllbergen all der verbrauchten Pads, ohne die inzwischen kaum noch eine Espressomaschine auskommt. Wer schon aus der Ferne lange Schlangen sieht, kann sicher sein, dass mal wieder der Stand eines Kaffeemaschinen-Herstellers naht. Hier sammeln sich all jene Nicht-Fachbesucher, die auf der Suche nach attraktiven Give-Aways und Inspirationen für die nächsten Weihnachtseinkäufe noch mal eben einen Gratis-Cappuccino mitnehmen.

Mehr Zuschauer locken nur die zahlreichen Koch-Shows an – ganz im Gegensatz zum Stand von Starfriseur Udo Walz, an dem alle teilnahmslos vorbeilaufen. Der Meister ist ja auch nicht persönlich anwesend, sondern stellt nur seine Föhn-, Bürsten- und Haarglätterkollektion zur Schau.

Auf der Ausschau nach extravaganten Technik-Neuheiten kommt man an einer Menge Kaffeetrinker, Köche und Haarglätter vorbei. Denn wer bei Haushaltsgeräten schräge Innovationen wie USB-vernetzbare Toaster oder musizierende Spülmaschinen erwartet, muss lange suchen. Im Zelt von Samsung sogar vergeblich: Dort geht es zu wie in einem großen Wohnzimmer. Während ein Mitarbeiter auf dem weißen Teppich einen Staubsauger testet, bereitet eine Hostess drei Meter weiter Croissants im Samsung-Backofen zu.

«Twin Cooling» und «Triple Efficience»
Anstelle von überflüssigem Schnickschnack gibt es bei den Koreanern praktische Funktionalität zu bewundern. Zum Beispiel das «Twin Cooling System» bei Kühlschränken mit integrierter Tiefkühlung, die für 1400 Euro bereits im Handel erhältlich sind: «Damit Ihr Eis nie wieder nach Zwiebel schmeckt».

«Die Luftverteilung ist auf beiden Seiten separat geregelt und so mischt sich der Geruch nicht», erklärt Promoter Eui-Zin Kim. Fragt man ihn nach «ausgeflippten Neuheiten», führt er einen bloß zu einem Modell, der bei gleicher Breite 100 Liter mehr Inhalt fasst.

«Twin Cooling» beim Gefrierfach, «Triple Efficience» bei der Mikrowelle: Samsung verdoppelt und verbessert lieber das Bewährte, statt digital zu vernetzen. Und was ist mit der Umwelt? Der Erfolg liege darin, dass die neuen Geräte trotz aller Extra-Technik «nur» genauso viel Energie verbrauchen würden wie ältere Samsung-Modelle, so Kim. Immerhin haben sie wie fast alle Kühlschränke der neuen Generation einen eingebauten Wasserfilter- und Spender: Direkt neben dem Türgriff kann man das gesammelte Kondenswasser zum Trinken abzapfen.

Kühlschrank mit Fernseher
Extravaganz findet man schließlich bei Siemens: Dort steht er, der ebenfalls schon käufliche, schwarz glänzende Kühlschrank mit integriertem LCD-Fernseher. Direkt über dem Eierfach hat er einen USB Stick-Anschluss, über den man Filmdateien abspielen kann. Das Konkurrenzmodell der Firma Liebherr besticht mit einem Touchscreen: Per Fingerdruck auf eine Digitalanzeige in der Tür lässt sich nicht nur die Temperatur verstellen, sondern auch die optimale Kühlung für sämtliche Obst- und Gemüsesorten ablesen. Ob das im Alltag aber tatsächlich genutzt wird, scheint fraglich.

Geräte, die Funktionalität, Umweltschutz, Design und extravagante Technik vereinen, sind noch gar nicht auf dem Markt. Sie kann man bei der Ausstellung von Teilnehmern eines Electrolux-Wettbewerbs betrachten: «Design Lab» zeigt die Ideen von morgen. Zum Beispiel einen solarbetriebenen Kochtopf, gestaltet von der französischen Nachwuchs-Ingenieurin Laura Pandelle. Ein Thailänder hat den Entwurf für einen Heimkomposter gebaut. Das große Kunststoffei dient als geruchsdichter Abfallbehälter, der den Biomüll mitten in der Küche kompostiert.

Solche Erfindungen wirken immerhin sinnvoll. Anders als der neue Siemens-«Touchslider Hob», ein berührungsempfindliches Ceran-Kochfeld. «Einfach mit dem Finger drüber gleiten und es wird heiß», steht auf einem Schild. Na wenn das mal nicht daneben geht.