IFA 2008:
Fernseher auf der IFA: Größe ist nicht alles
26.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
AP: Es gibt noch immer Stimmen, die behaupten, die alten Röhrenfernseher seien von der Bildqualität besser als die neuen Flachbildschirme...
Jenny Braune: Das gilt nur für herkömmliche Signalwege und die alten Fernseher. Es gilt nicht für die neuen Signalwege, also beispielsweise digitales Satellitenfernsehen. Da machen sich die Neuen besser. Auch das hochauflösende HDTV können die alten und auch neuen Röhrengeräte nicht leisten.
Braune: Wenn ich ein analoges Kabel habe, mir aber in Zukunft alle Türen offenhalten möchte, würde ich einen LCD-Fernseher empfehlen, der nicht zu groß ist und auch keine zu hohe Auflösung hat. HD-ready reicht vollkommen, Full-HD ist nicht nötig. Ich würde auch nicht mehr als 32 Zoll, sprich 80 Zentimeter nehmen. Viele haben sich verkauft und stellen erst zu Hause fest, dass der neue Fernseher viel zu groß ist. Das täuscht in Geschäften unheimlich. Ich sage immer: Schneidet Pappe in der Größe des Fernsehers aus, den ihr haben wollt, und stellt sie dahin, wo das Gerät dann stehen soll.
Man muss auch immer im Hinterkopf haben, dass die alten Röhrengeräte meist das Verhältnis 4:3 haben, die neuen sind meist im 16:9-Format. Das heißt, die sind breiter als die alten Geräte. Die neuen Sendungen laufen fast alle im neuen Format, so dass ein nur wenig größerer neuer Fernseher schon ein deutlich größeres Bild bringt.
Auf jeden Fall sollte man vom Verkäufer im Laden verlangen, das Bild zu zeigen mit dem Signal, das man zu Hause auch tatsächlich hat. Natürlich sehen die Bildschirme in den Läden mit Filmen von Blu-ray-Spielern supergut aus, aber das habe ich ja zu Hause nicht. Man sollte sich auch klarwerden darüber, über welches Signal man in Zukunft sehen will. Wenn man jetzt analoges Kabel hat und später vielleicht doch DVB-T haben möchte, dann ist es gut, wenn ein DVB-T-Tuner eingebaut ist.
AP: Warum sollte der neue Fernseher nicht die größtmögliche Auflösung haben?
Braune: Full HD ist einfach eine deutlich höhere Auflösung als bei HD-ready. Full-HD entspricht dem sogenannten 1.080p. Man sieht Unterschiede erst bei Geräten ab über einen Meter Bildschirmdiagonale. Die Regel ist, dass man beim HD-Bild die zweifache Bildschirmdiagonale Abstand zum Bildschirm haben sollte. Das Problem ist dann aber, dass man gar nicht den ganzen Bildschirm im Blick hat, weil das so nah ist. Das ist auch nicht angenehm, weil man ja auch das ganze Bild sehen will.
AP: Welche Signalwege sind denn die gebräuchlichsten?
AP: Würden Sie denn auch Plasma-Fernseher empfehlen?
Braune: Die fangen erst ab ein Meter Bildschirmdiagonale an. Von der Bildqualität her nehmen die sich nichts mit LCD-TVs. Auch Einbrenneffekte gibt es nicht mehr. LCDs haben aber als Vorteil auch zu den Röhrengeräten die matte Frontscheibe. Man kann, wenn man Tageslicht hat, fernsehen, ohne dass irgendetwas auf den Bildschirm reflektiert wird.
Braune: Wir haben festgestellt, dass die neuen LCD- und Plasma-Fernseher extrem geringe Verbräuche im Stand-by haben, gerade im Vergleich zu den Röhrengeräten. Es gibt wenige, die deutlich über ein Watt kommen. Allerdings haben wenige Geräte überhaupt noch einen wirklichen Ein- und Ausschalter. Ich empfehle ja, trotzdem immer auszuschalten. Da bietet sich dann immer die schaltbare Steckerleiste an.
AP: Wie viel muss man denn mindestens für einen vernünftigen 32-Zoll LCD-Fernseher investieren?
Braune: Man muss schon 800 bis 900 Euro ausgeben. Aber auch Auslaufmodelle sind zur Zeit nicht schlecht und deutlich günstiger.
(Interview: Holger Mehlig, AP)

