19.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Einer erneuert sich: Symbole der Browser
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In diesen Stunden stellt Microsoft die finale Version seines neuen Internet Explorer bereit. Schon mahnen die ersten Stimmen: Finger weg! Der Browser sei zu anfällig für Angriffe und biete zu wenige Sicherheitsupdates.
Microsoft hat für Donnerstagabend die Veröffentlichung des neuen Browsers Internet Explorer 8 (IE 8) in seiner endgültigen Fassung angekündigt. Experten raten aber aus Sicherheitsgründen zu anderen Produkten wie Mozilla Firefox oder Opera.
«Wir sagen aktuell, es sollten alternative Browser genutzt werden, weil immer noch die Mehrheit der Surfer den Internet Explorer benutzt und dieser Browser daher am meisten angegriffen wird», erklärt Marian Jungbauer, Diplom-Informatiker am Institut für Internet-Sicherheit der Fachhochschule Gelsenkirchen.
Auch die Reaktionszeit bei Sicherheitslücken spricht aus Sicht des Experten gegen den Internet Explorer. «Bei Microsoft muss man auf den monatlichen Patchday warten», sagt Jungbauer. Mozilla stopfe Sicherheitslücken im Firefox statistisch gesehen hingegen in ein bis zwei Tagen.
Wie sicher der IE 8 sei, würden die kommenden Wochen und Monate zeigen. «Alle Hacker werden sich nun darauf stürzen.» Ein grundsätzliches Problem sei die tiefe Verankerung des Explorers im Betriebssystem Windows, erklärt der Experte. «Viele Angreifer haben in der Vergangenheit Lücken in Systemfunktionen ausgenutzt, die der IE mitnutzt.»
Warten auf den Firefox 3.5Microsoft bewirbt den IE 8 unter anderem mit einem beschleunigten Seitenaufbau und bezeichnet den Browser als den derzeit schnellsten Browser auf dem Markt. Für die Darstellung der von einem Marktforschungsunternehmen ermittelten 25 beliebtesten Websites hätten der IE 8 und Googles Browser Chrome im Schnitt je 3,53 Sekunden gebraucht, der Mozilla Firefox 3,82 Sekunden. Bei der addierten Ladezeit liegt der IE 8 Microsoft zufolge knapp vor dem Chrome.
Jungbauer kritisiert den Test als praxisfern: Zum einen seien 0,3 Sekunden Geschwindigkeitsunterschied für den Anwender nicht relevant. Zum anderen erscheine bald der Firefox 3.5. «Alle erwarten, dass er schneller sein wird», sagt Jungbauer. Außerdem berücksichtige der Test nicht die Geschwindigkeit der Browser bei JavaScript-Anwendungen, die im Web 2.0 zur Realisierung desktopähnlicher Umgebungen immer wichtiger werden. «Für Web 2.0-Anwendungen ist der IE 8 im Grunde nicht ausgelegt.» In punkto JavaScript-Geschwindigkeit sei der IE 8 der langsamste Browser auf dem Markt.
Web-SlicesDie Mozilla Foundation, deren Firefox-Browser nach dem IE am weitesten verbreitet ist, begrüßt indes, dass sich der neue IE 8 im Gegensatz zu seinen Vorgängern weitgehend an geltende Webstandards hält. «Das ist ein weiterer Schritt von Microsoft, offene Webstandards zu unterstützen», sagt Mozilla-Europe-Präsident Tristan Nitot einer Mitteilung zufolge. Es sei aber bedauerlich, dass sich Microsoft nicht an Innovationen beteilige.
Dazu zählt Nitot beispielsweise schnelles JavaScript oder die Weiterentwicklung der Websprache HTML hin zur kommenden Version 5, die auch Schnittstellen für verknüpfte Multimediainhalte bieten soll.
Zu den neuen Funktionen des IE 8 zählen laut Microsoft unter anderem sogenannte Web Slices. Sie sollen den Anwender über Änderungen auf abonnierten Seiten wie Wetter-, Auktions-, oder Online-Netzwerk-Portalen auf dem Laufenden halten. Zudem hat Microsoft einen Privat-Modus eingeführt, der vor einer Sitzung aktiviert werden kann und ein Surfen ohne Spuren auf dem Rechner ermöglichen soll. Bei der Suchfunktion zeigt der Internet Explorer 8 den Angaben zufolge bereits bei der Eingabe des Begriffes relevante Vorschläge an und präsentiert thematische Suchergebnisse mit Bildern.
Browser und MarktanteileEiner im Januar veröffentlichten Nutzerbefragung des Marktforschungsinstituts Fittkau und Maaß zufolge hat der Firefox im Jahr 2008 in Deutschland mit einem Marktanteil von 39 Prozent fast den IE eingeholt. Dieser hat demnach einen Nutzeranteil von 54 Prozent, vor wenigen Jahren lag er noch konstant um die 90 Prozent. Im Vergleich der neuen Browser-Versionen hat der Firefox den IE in Deutschland sogar schon überholt so bleibt die Version 7 des Internet Explorers hinter den Versionen 2 und 3 des Firefox zurück.
Auch im internationalen Vergleich hat der Internet Explorer verloren. Wie eine Statistik der US-amerikanischen Marktforscher von Net Applications belegt, lag sein Marktanteil im Dezember 2008 bei 68 Prozent, im Dezember 2007 waren es noch 76 Prozent. Firefox legte von 17 auf 21 Prozent zu. Apples Safari lag mit acht Prozent Marktanteil an dritter Stelle. Googles neuen Browser Chrome verwendete nur jeder 100. Nutzer. (dpa/nz)