17.02.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Klicken und Rascheln gleichauf
Am 11. März erscheint Sonys digitales Lesegerät in Deutschland. Welche Vorteile und welche Nachteile hat es im Vergleich zum gedruckten Buch? Der Reader PRS-505 im Alltagstest.
Nach der Musik- und der Filmbranche strebt nun die Bücherwelt in neue digitale Welten. Die bisherigen Ansätze waren erst im Jahr erfolgreich – zumindest in den USA und Großbritannien. In diesem Jahr soll es mit neuen Lesegeräten endlich auch in Deutschland voran gehen.
Den Anfang macht der am 11. März erscheinende Sony-Reader PRS-505. Auf den ersten Blick wird das Lesegerät durchaus seinem Anspruch gerecht - es vermittelt «das Gefühl, ein normales Buch zu lesen». Im einwöchigen Alltagstest muss die neue Technik gegen die vertraute Gutenberg-Technik antreten.
Am Anfang steht es 0:0. Die Darstellung der Buchseiten auf dem gut neun mal zwölf Zentimeter großen Bildschirm (800 mal 600 Pixel) kommt dem Eindruck einer gedruckten Papierseite recht nahe. Die besonders kontrastreiche Anzeige nutzt eine als «E-Ink» - elektronische Tinte - bezeichnete Technik, die mit acht Graustufen und mehr als 100 Pixel pro Zentimetern eine hohe Auflösung erreicht.
Das matte Display gibt das Schriftbild auch aus einem schrägen Blickwinkel gut erkennbar wieder. Der Verzicht auf eine Hintergrundbeleuchtung schont den Akku und sorgt für eine flimmerfreie Darstellung. Weil das alles auch das Buch kann, steht es weiter 0:0.
Ein Buch für die InselDer E-Book-Reader kann den Lesestoff eines ganzen Bücherregals aufnehmen. Der interne Speicher von 192 MB reicht nach Angaben des Herstellers für etwa 160 Bücher. Mit Speicherkarten in zwei Formaten, SD und Memory Stick, lässt sich dies beliebig erweitern. Das Lesegerät ist damit ideal, wenn man nur ein Buch auf die einsame Insel mitnehmen darf. 1:0 für den E-Book-Reader.
Die Beschränkung auf Graustufen ist ein Nachteil, der bei den meisten belletristischen Romanen leicht zu verschmerzen ist. Schließlich sind diese auch nur Schwarz auf Weiß gedruckt. Sobald aber Fachbücher auf dem Reader gelesen werden, bleibt das Gerät hinter der Leistung des gedruckten Buchs zurück. Das im Buchhandel auch als E-Book im PDF-Format angebotene Fotobuch «Der entscheidende Moment» kommt auf dem Sony-Reader überhaupt nicht zur Wirkung. Ausgleich, 1:1.
Virtuelle Eselsohren in die digitalen Buchseiten Der Sony-Reader stellt seine Seiten klar und präzise dar. Es macht Spaß, in der Straßenbahn oder abends im Bett in den beiden mitgelieferten Romanen zu lesen: «Querschläger» von Silvia Roth und «Gut gegen Nordwind» von Daniel Glattauer. In die Badewanne sollte man das E-Book aber eher nicht mitnehmen, das könnte dann doch fatale Folgen haben.
Helles Tageslicht macht dem Display keine Probleme. Wegen der fehlenden Hintergrundbeleuchtung ist es aber wie beim gedruckten Buch nicht möglich, im Dunkeln zu lesen. Dokumente, die vom Computer im PDF-Format auf den Reader kopiert werden, werden unter Umständen zu klein dargestellt. Für diesen Fall gibt es zwei Zoom-Stufen. Trotz spielerischer Vorteile für das elektronische Gerät bleibt es noch beim 1:1. Das Sony-Gerät merkt sich automatisch die Seite, bei der man mit dem Lesen aufgehört hat - und bietet beim nächsten Mal an, an dieser Stelle weiterzulesen.
Schwieriges UmblätternAußerdem kann man mit einer speziellen Taste jederzeit ein Lesezeichen einrichten: Dabei wird rechts oben auf der Seite eine Seite virtuell umgeknickt». Auf der Startseite zu jedem Buch kann man dann die Liste mit diesen Eselsohren aufrufen, um bestimmte Stellen schnell wiederzufinden. Festgehalten wird auch der Verlauf, welche Seiten man schon gelesen hat, was bei einem Sachbuch durchaus nützlich sein kann. Mit diesen Vorteilen in der Navigation geht der Sony-Reader mit 2:1 in Führung.
Das flache Gerät mit einem ansprechenden Design und einem abnehmbaren Einband in hellbraunem Lederimitat bemüht sich redlich, mit dem Buch mitzuhalten. Hoffnungslos unterlegen ist es aber beim Umblättern. Mitunter dauert es zwei, drei oder noch mehr Sekunden, bis die nächste Seite erscheint. Dabei flackert das Display jedes Mal für den Bruchteil einer Sekunde schwarz auf. Noch länger dauert es, bis ein Foto - natürlich wieder nur in Grauwerten - angezeigt wird. Der Prozessor scheint einfach zu schwach zu sein. Deshalb gleich das gute alte Buch zum 2:2 aus.
Reader kann auch Musik abspielen Drei Ausgänge hat der PRS-505 an seiner schmalen Unterseite: Einen für das USB-Kabel zum Computer, das auch zum Aufladen verwendet wird. Ein zweiter Steckplatz nimmt den Anschluss für ein optionales Netzladeteil auf. Die dritte Schnittstelle ist für einen Lautsprecher gedacht.
Der E-Book-Reader kann auch Musik abspielen, in den Formaten MP3 und AAC. Lesen und gleichzeitig die Lieblingsmusik hören - der Reader liegt wieder vorn, 3:2. Aufladen? Das hat ein gedrucktes Buch nicht nötig. Der PRS-505 geht zwar sehr schonend mit dem Akku-Bedarf um, so dass eine Ladung für das Umblättern von 6.800 Seiten reichen soll. Aber die Abhängigkeit vom Strom ist natürlich schon ein Nachteil, es steht 3:3.
Einfache Beschaffung von LesestoffDer Reader von Sony ist offen für Lesestoff aller Art. Bei dem als Partner ausgewählten Buchhändler Thalia können zum Start mehrere tausend Titel heruntergeladen werden, zu Preisen, die «im Durchschnitt etwa 20 Prozent unterhalb des Preises für das 'normale' Buch» liegen. Außerdem können persönliche Dokumente aller Art im PDF-Format auf das Gerät kopiert werden.
Bei den Systemvoraussetzungen verlangt der Reader einen Windows-PC, weil sich die Software für die Verwaltung der eigenen E-Book-Bibliothek nur unter diesem Betriebssystem installieren lässt. Für freie PDF-Dateien kann man das Gerät aber auch auf dem Mac als externes Laufwerk ansprechen und mit Daten füllen. Sobald das Gerät vom Computer abgemeldet ist, kann man die eingefügte PDF-Datei lesen. Die einfache Beschaffung von Lesestoff führt zum 4:3 für den E-Book-Reader.
Weitergabe eingeschränktDas gedruckte Buch kann weitergegeben werden, wenn es gelesen wurde. Es kann verliehen, verschenkt oder auf dem Flohmarkt verkauft werden. Bei den gekauften Büchern mit DRM-Kopierschutz ist das schwieriger. «Sie können bis zu sechs Computer oder mobile Geräte aktivieren und geschützte PDF-Dokumente gemeinsam auf ihnen verwenden», heißt es im Online-Shop von Thalia. In der fünfköpfigen Familie bleibt also nur noch ein Freund, dem das E-Book nach dem Kauf weitergegeben werden kann. Hier ist das Buch klar im Vorteil.
Ausgleich zum 4:4, und das ist auch das Endergebnis. Der Sony PRS-505 kommt am 11. März zum Preis von 299 Euro in den Handel. In den USA gibt es bereits ein Nachfolgegerät, den Sony PRS-700 mit Touchscreen, einer virtuellen Tastatur für die elektronische Volltextsuche und einem stärkeren Prozessor. Mit einiger Spannung wird in diesem Jahr in Europa auch ein weiterer E-Book-Reader erwartet, der in den USA bereits sehr erfolgreiche Kindle im Vertrieb des Online-Buchhändlers Amazon. Wann dieses Gerät in Europa eingeführt wird, ist bislang nicht bekannt. (Peter Zschunke/AP)