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Blinder wird sehend in der digitalen Welt

28. Aug 2008 16:04
Der blinde Journalist Dahesch bedient seinen Laptop mit Hilfe einer Braille-Tastatur
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Die Tastatur in Brailleschrift und die schnarrende Stimme des Screenreader-Programms «Blindows» eröffnen blinden Menschen die Computerwelt. Wie dem Journalisten Dahesch, dessen Texte schon vielfach ausgezeichnet wurden.

Die schnarrende Stimme kommt kaum nach, wenn die Finger von Keyvan Dahesch über die doppelstöckige Tastatur seines Laptops eilen. «Eigene Dat...» hebt der Computer an, unterbricht sich dann aber selbst, denn mit der rechten Hand hat der 66-Jährige die gesuchte Datei längst angeklickt. Mit der linken Hand liest er sie. Nicht ein Mal hebt Dahesch den Blick zum aufgeklappten Bildschirm - er sieht ihn nicht. Die Tastatur in Brailleschrift und die schnarrende Stimme des Screenreader-Programms «Blindows» eröffnen blinden Menschen wie Dahesch die Computerwelt.

Dass er auf inzwischen 30 Jahre Arbeit als freier Journalist für namhafte überregionale Zeitungen, auf eine Beamtenlaufbahn und eine Reihe von Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse oder die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt zurückblicken kann, kommt dem gebürtigen Teheraner selbst unglaublich vor. «Ich hatte so gut wie keine Chance, aber die habe ich genutzt», sagt der in Frankfurt lebende Dahesch an seinem bayerischen Urlaubsort Bad Griesbach.

Da begann das eigentliche Leben

Vor genau 50 Jahren kam er als Jugendlicher aus dem Iran nach Deutschland zur Augenuntersuchung. «Meine Eltern hofften immer, dass meine Blindheit heilbar ist», sagt Dahesch. Er konnte immerhin hell und dunkel unterscheiden. Als ihm aber auch deutsche Ärzte keine Hoffnung machten, reiste der Vater wieder in die persische Heimat, der 16-Jährige blieb. «Da erst begann mein eigentliches Leben», sagt Dahesch heute. Er habe im Iran keine Blindenschule besuchen können und kaum außer Haus gehen dürfen. Lediglich wenige Wochen vor der Abreise nach Deutschland habe er den Pfarrer Ernst Jakob Christoffel, Gründer der Christoffel-Blindenmission kennengelernt, der ihn ein wenig Deutsch und die ersten Zeichen der Braille-Punktschrift für Blinde lehrte.

In Deutschland folgten eine Blindenschule, die Ausbildung zum Masseur, ein Studium der Soziologie und Volkswirtschaft und eine Laufbahn im Hessischen Landesamt für Versorgung und Soziales bis hin zum Pressesprecher. «So kam ich in Kontakt mit dem Journalismus», erzählt Dahesch, während sich ein kleines Pünktchen der Braille- Computertastatur hebt und senkt wie ein Pulsschlag. «Das ist der Cursor», erklärt Dahesch. Auf jeder Taste sind acht kleine bewegliche Punkte angeordnet. Je nachdem, was gelesen wird, heben oder senken sich die Einzelpunkte zu Braille-Buchstaben. So verfasst Dahesch auch seine teils sogar mit Journalistenpreisen gekrönten Texte, etwa zu Sozialpolitik oder Themen rund um das Leben Behinderter.

Der in zahlreichen Ehrenämtern und Gremien aktive 66-Jährige stößt trotz der veränderten Gesetzgebung der vergangenen Jahre doch immer wieder auf Hindernisse für Behinderte. Für die nahe Zukunft ist Dahesch eher pessimistisch, was die Lebensumstände und Integration von Behinderten angeht, zumal er ein Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs fürchtet. «Und wenn es den Menschen selbst nicht so gut geht, geht es auch den Behinderten in ihrer Mitte nicht besser.» Nicht zuletzt deshalb hat Dahesch 2006 gemeinsam mit seiner Frau Anni eine gemeinnützige Stiftung zur Hilfe schwerbehinderter Menschen gegründet. (Jutta Steinhoff, dpa)


 
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