Cebit 2009:
Von Eyetrackern und Wii-Schrotflinten
05.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Von Eyetrackern und Wii-Schrotflinten
Tonnenweise Software, Hardware bis zum Umfallen, Riesenfernseher neben Mini-Notebooks und warum in Zukunft unsere Augen sehr wichtig werden: Teil 2 unserer Reportage von der Cebit 2009. Von Maik Söhler .
Was bisher geschah, Teil 1: Ein Internet-Schwerpunkt ohne Internet, wenig Innovation, kaum gute Ideen und überhaupt kein Mut. Die Cebit ist zu einer Technikmesse von gestern geworden. Tonnenweise Software Gleich tonnenweise wird in den nächsten Hallen Hard- und Software auf den Besucher losgelassen. Die Hallen 2 bis 5 werden bestimmt von Unternehmens-Software, Dokumentenmanagement, E-Mail-Archivierung und Datenverwaltung. Vom Arzt bis zum Zauberer und vom Rechtsanwalt bis zum Steuerhinterzieher – wer hier nicht das für ihn oder sie Passende findet, ist selber schuld.
Es sind die Hallen, in denen SAP, Bitkom, Datev und IBM dominieren, hier und da unterbrochen von einem Konsortium aus Ägypten (Egypt.on), südafrikanischen Firmen, die gemeinsam Software vertreiben oder dem Stand der «Islamischen Republik Iran». Schöner Zufall, dass direkt daneben das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung seine Cebit-Präsenz aufgebaut hat.
Die deutschen Bundesländer haben ihre Niederlassungen über das gesamte Gelände verteilt: Saarland und Sachsen – Halle 5, Hessen – Halle 2, Niedersachsen – Halle 16, Bayern und NRW - Halle 9. Richtig chic ist allein die Cloud-Computing-Animationsspielerei von IBM in Halle 2. Doch die Business-Gespräche am Rande dämpfen die futuristische Atmosphäre: «Ich mache alles für meine Partner.» – «Wenn der Preis stimmt.»
Tonnenweise HardwareAb Halle 19 dominieren Hardware und Geräte, kein Wunder, bis Halle 25 haben nun Korea, China, Taiwan und Japan die Cebit fest im Griff. Zur dort angekündigten «IT-Infrastruktur» wird kurzerhand alles gezählt: PC-Lautsprecher und -Eingabegeräte, Netbooks, Touchscreen-Technologie, digitale Bilderrahmen, Kameras, Bildschirme, Webradios, Akkus, Headsets, Adapter. Die Anzahl kreativer Eigenproduktionen liegt über jener der mehr oder weniger gelungenen Klone.
Allein Halle 21 hat etwas Besonderes zu bieten: Kabel, Platinen, Chips, Motherboards, Lötgeräte und -zinn. Back to Basics, mikroelektronische Handarbeit at ist best. Halle 24: Case-Modding, PC-Gehäuse für Bastler und alle, die schon immer mal einem Lüfter bei der Bewältigung seines Alltags zusehen wollten. Noch ein Highlight aus Halle 25: CTA Digital bietet etwas an, das «Sure Shot Rifle for Wii» heißt, ein weißes Plastikgewehr, mit dem das Spielen von Ego-Shootern auf Nintendos Großkonsole - hm, ja, was? - authentischer wird? Daneben Laptop-Taschenmode von Dicota und wasser- wie sand- und staubfeste Laptops von Mil-PC.com.
Riesenfernseher neben Mini-NotebooksAb Halle 26 kommen auch wieder die Großunternehmen zu ihrem Recht. Asus, Panasonic, die Telekom, Blackberry, wobei vor allem Asus und die Telekom viele Besucher anziehen und der Kontrast zwischen den Panasonic-Riesenfernsehern – einige können bereits ein bisschen Internet – und den Mini-Notebooks von Asus besonders hübsch geraten ist.
Die Hallen 14 bis 16 sind der Soft- und Hardware fürs Auto und andere Fortbewegungsmittel gewidmet. Vor allem Navigationsgeräte in allen Formen und Farben sind hier zu finden und sie beschränken sich längst nicht aufs Auto. Auch Bergwanderer, Motorrad- und Fahrradfahrer wollen schließlich navigieren. Der ADAC bietet die «digitale Autodiagnose» an, andere haben ein elektronisches Autolenkrad im Angebot.
Halle 11 trägt das Motto IT-Sicherheit. Egal ob PC, Internet, Firmennetzwerk oder Datenarchiv – die großen Anbieter konkurrieren um datenängstliche Kundschaft. GData lässt es mit einem Heimorgel-Entertainer eher locker angehen, während nebenan Avira ganz auf Seriosität setzt. Aber müssen einzelne Mitarbeiter von IT-Sicherheitsfirmen wirklich wie Bodybuilder aussehen? In Halle 12 wirbt ein Hersteller von Kühl-Racks für Server auf sehr unterhaltsame Art: in den Racks stehen keine Server, sondern Bierflaschen und -fässchen.
Was kommt?Zum Schluss noch schnell in Halle 9. Hier befindet sich der «Cebit Future Parc», der vor allem in diesem Jahr, in dem die Cebit so altbacken daher kommt, besonderes Interesse verspricht. Es geht um den Ausbau von universitären Wissensnetzen und das elektronische Schadstoffregister des Bundes. Der Aussteller Art + com Technologies zeigt Tischcomputer, gegen die Microsofts Surface wie ein Gerät aus den frühen neunziger Jahren aussieht.
Hier stellt auch die Firma Tobii ihre Eyetracker genannten PCs und Software-Anwendungen vor. Man kann allein mit den Bewegungen der Augen den Computer steuern. Texte lassen sich hoch- und runterscrollen, indem man die Augen bewegt. Der Computer erfasst, welche Bereiche eines Bildes den Blick des Nutzers besonders gut angezogen haben. In fünf Jahren seien Geräte und Software reif für den «Consumer-Bereich», sagt ein Tobii-Mitabeiter. Also in acht Jahren. Schon jetzt aber kommen Teile der Entwicklung bei Menschen mit Behinderungen zur Anwendung.
Digitale GesundheitAm anderen Ende der Halle werben Firmen für sich und ihre Dienste, bei denen der Name schon alles sagt: «TeleHealth», «Vitaphone», «biocomfort». Die Vernetzung von Gesundheit und digitalem Alltag schreitet voran, in Japan sind schon heute Kranken- und Altenpflege-Roboter keine Seltenheit mehr.
Und inmitten dieser Future-Digital-Healthcare-Welt findet sich auch eine alt-ehrwürdige Institution, die die richtige, die moderne Sprache trifft. Mit den Worten «Auf diese Technik verlassen sich 51 Millionen Menschen», wirbt die Deutsche Rentenversicherung für sich. Wo alles im Wandel begriffen ist und die Cebit 2009 nach Wegen aus der Krise sucht, bleibt eines also sicher: die Rente. Hatten wir auch das nicht schon öfter?