Cebit 2009:
«Die schwächste Cebit seit ihrem Bestehen»
05.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Wie kann man nur einen Internet-Schwerpunkt anbieten, aber kaum frei verfügbare Wlan-Netze? Warum wird das Internet so in den Vordergrund gestellt, wenn es auf der Cebit 2009 reell darum nur am Rande geht? Ist das wirklich «die schwächste Cebit seit ihrem Bestehen», wie viele Besucher raunten? Fragen über Fragen, die sich die Veranstalter auf jeden Fall werden gefallen lassen müssen, wenn die weltgrößte IT-Messe am Wochenende vorbei sein wird.
Einige Antworten kann man schon jetzt geben, ohne die Verantwortlichen zuvor gehört zu haben. Die IT-Branche ist stärker in der Krise, als sie es selbst wahr haben will. Das lässt sich nicht an der Größe der Messe ablesen, die zum Glück im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich geschrumpft ist. Sondern an ihrer Qualität. Wenig Innovation war in Hannover zu sehen und zu erleben, noch weniger gute Ideen waren zu vernehmen und am allerwenigsten war Mut zu spüren, diese Mängel zu formulieren und damit vielleicht schon ein bisschen zu ihrer Beseitigung beizutragen.
Mut aber braucht es, wenn aus der Krise eine Chance werden soll. Der Messe-Schwerpunkt Internet zum Beispiel blieb eine aufgepropfte Kategorie. Mutig kann man allein Sascha Lobos Versuch nennen, dem Ganzen in der «Webciety» und diversen Veransaltungen zumindest ansatzweise Konturen zu eben. Ansonsten nur Cloud Computing und vage Aussagen: «Alles wird irgendwann mit allem vernetzt sein.» Google wird genau wissen, warum das Unternehmen die Cebit meidet wie Microsoft den Firefox und OpenOffice zusammen.
Microsoft ragt herausNicht alles an der Cebit 2009 ist schlecht. Auch wer Microsoft-Produkte noch nie mochte, muss dem Messe-Auftritt der Firma große Qualität, enorme Vielfalt und gute Unterhaltung bescheinigen. Egal ob das PC-Betriebssystem Windows 7, das Handy-Betriebssystem Windows Mobile, der Browser Internet Explorer 8, der Tischcomputer Surface, teilweise webbasierte Unternehmenssoftware, Programme fürs Auto oder Geodatendienste und -anwendungen da ist was, da kommt was, das macht was her. Über Details kann man sich immer noch streiten.
Jedenfalls macht eine Viertelstunde Tatscherei auf der Surface-Oberfläche und ein Vertiefen in die Niederungen von Windows 7, das auch über einen Touchscreen zu bedienen sein wird, mehr Spaß als die je unterschiedlichen und doch immergleichen Desktop-PCs, Notebooks, Server, Navigationsgeräte, Digicams, Tastaturen, Mäuse und Drucker. Hardware und Software können spannend sein, nicht aber, wenn sie ohne Kontext, also aufs simple Gerät oder die einfache Anwendung konzentriert, gezeigt werden.
Vernetzung lässt auf sich wartenDas ist der eigentliche Schwachpunkt der Cebit. So viel Technik, die das Leben und Arbeiten der Menschen erleichtern könnte, vor allem dann, wenn sie kombiniert aufträte. Microsoft macht das an einigen Beispielen deutlich, etwa wenn in der Büro-Software Chat, Video, Audio, Voice-over-IP und webbasierter Dateienaustausch zusammenkommen.
Ansonsten: Vernetzung weitgehend Fehlanzeige. Besonders deutlich wird das beim Vorzeigestand des Cebit 09-Partnerlandes Kalifornien in Halle 6. «Enterprise Social», «American Business Center» und «Facebookster» haben nicht mehr miteinander zu tun als sich den selben, zu groß geratenen Stand zu teilen. Wenigstens bietet das «California Diner» eine lecker aussehende Sahne-Maissuppe an. Das sind nun also die Abgesandten des Silicon Valley.
Tagesschau-on-demandVerärgert wendet man sich dort ab und dem nächsten Messestand zu, zufällig gehört er der ARD. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-Aktuell, stellt sich den Fragen von Besuchern und Journalisten. Seltsam, im Vergleich zu den Amerikanern, von denen man so viel erwartet hatte, geht es hier plötzlich um das Web der Gegenwart, um den Mikroblogging-Dienst Twitter etwa und das Fotoportal Flickr, sowie um die Frage, welchen Beitrag beide leisten, wenn es um Kommunikation und Information geht. Gniffke gibt zu, dass auch die Tagesschau Twitter und Flickr nutzt, wenn auch «journalistisch geprüft und aufbereitet».
Die Zukunft der immer noch populärsten Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen sieht er in einer «Tagesschau-on-demand», die man sowohl mobil auf dem Smartphone oder Handy als auch stationär in der künftigen Web-Fernseher-Kombination abrufen kann und zwar wann man will.

