Unsere Weblog-Kolumne: China: Eine Diktatur wird beobachtet01. Apr 2008 06:56  |  China wirbt für die Olympischen Sommerspiele | Foto: dpa |
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Die Debatte um einen Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking hat die Weblogs erreicht. Außerdem: Maschinengewehre in Leipzig und Neukölln-Boom in Berlin. Der Blogblick
«Sport ist Mord» - dieses bekannte Sprichwort macht in den letzten Tagen mal wieder die Runde. Und zwar umso mehr, je repressiver der chinesische Staat in seiner Provinz Tibet vorgeht. Trotz aller offiziellen Statements von Sportfunktionären, die sich einen reibungslosen Ablauf der olympischen Sommerspiele in Peking wünschen, ist die Debatte um einen eventuellen Boykott noch längst nicht beendet.
Und wo diskutiert wird, sind die Blogger nicht weit.
Zur besseren Analyse des diesjährigen Austtragungsortes der Olympischen Sommerspiele haben Thomas Hölzl und Torsten Pinkert jedenfalls schon mal das China-Watchblog
gegründet.
Untertitel: «Eine Diktatur unter Beobachtung». Hier geht es um alles, was dieser Tage aus und über China zu hören ist: Tibet, Meinungsfreiheit, Menschenrechte und vor allem um die Olympischen Spiele. Egal ob
Boykott
oder
Sponsoring
- die China-Watchblogger setzen sich damit gründlich und leidenschaftlich auseinander.
So
schreibt etwa
Torsten Pinkert: «Auf der einen Seite habe ich absolutes Verständnis für die Sportler. Das tägliche Training, die jahrelange Vorbereitung auf genau diesen einen Termin, die Freude, der Traum einer Olympiateilnahme, evtl. ein Sieg. (Ich habe auch in der ehemaligen DDR sechs Jahre lang Leistungssport betrieben und kann die Quälerei im Training sehr gut nachvollziehen, ebenso die Freude auf DAS große Ereignis.) Auf der anderen Seite die Toten, das menschenverachtende Vorgehen Chinas gegen die Mönche (und nicht nur diese) in Tibet. Generell der Umgang Chinas mit nach Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie strebenden Menschen.»
Nicht jeder geht so weit, gleich ein eigenes Watchblog zum Thema aufzumachen. Man kann ja auch das schon bestehende Blog in diesem Sinne nutzen. So wendet sich das Weblog TVBlogger mit einer Frage zur speziellen Form des TV-Boykotts der Spiele
an seine Leser:
«Was meint Ihr? Sollten die Olympischen Spiele in diesem Jahr boykottiert werden oder sollte man die Probleme des Landes während der Spiele zurückstellen und auf eine gemeinsame und friedliche Sportveranstaltung hoffen? Würdet Ihr verstehen, wenn die TV-Sender sagen, dass sie sich weigern die Spiele zu übertragen?» Die anschließende Diskussion kann sich durchaus sehen lassen.
Am Beispiel eines Filmbeitrags des ARD-Magazins «Panorama» über den Autokonzern VW und die Olympischen Spiele in China macht sich ein Autor der Nachdenkseiten seine
Gedanken:
«Dieser Panorama-Bericht ist eigentlich nur deshalb einen Hinweis wert, weil er deutlich machen kann, wie scheinheilig die Forderung nach einem Olympia-Boykott ist. Dieser Boykott würde ja nichts kosten. Wenn man wirklich Druck auf die Chinesen ausüben wollte, dann über wirtschaftliche Sanktionen, also etwa über einen Investitionsboykott. Aber der schmälerte ja die Gewinne.»
Im Blog Zettels Raum
findet man
: «Die Parallele liegt auf der Hand: Wie Nazi-Deutschland 1936 will jetzt das kommunistische China perfekte Olympische Spiele inszenieren, mit zwei Zielen: Erstens der Welt zeigen, was für ein tolles, effizientes politisches und gesellschaftliches System da am Werk ist. Zweitens der Welt das Bild eines freundlichen, liberalen Regimes vermitteln.» Ein Ergebnis steht für den Autor schon fest: «Diese Olympischen Spiele werden, wenn sie wie geplant ablaufen, den chinesischen Kommunismus stärken.»
Jens Berger, Der Spiegelfechter, entwickelt in einem langen und sehr differenzierten Beitrag die jeweiligen Eigenarten Chinas, Tibets und der westlichen Staaten. «China ist ein ungemein stolzes und selbstbewusstes Land und hat teils diametral andere Vorstellungen von den 'großen Basiswerten', als westliche 'Langnasen', die im chinesischen Selbstverständnis immer noch Barbaren sind»,
heißt es dort
etwa. Und am Ende steht die Frage: «Oder geht es dem Westen etwa gar nicht um die Tibeter, sondern eher um die strukturelle Schwächung des großen Rivalen aus dem Fernen Osten?»
«Während in vielen Ländern über einen Olympia-Boykott diskutiert wird wegen dem harten Vorgehen Pekings gegen Unabhängigkeitskämpfer in Tibet, bemüht sich die chinesische Führung nicht nur sinnbildhaft für schönes Wetter rund um die Olympischen Spiele. Vielmehr sollen Ingenieure Regenwolken vertreiben», schreibt das China-Blog und
wünscht:
«Viel Erfolg!»
So zurückhaltend ist man andernorts nicht. Das Goggiblog zum
Beispiel
«boykottiert sämtliche Berichterstattungen über Triumphe aus einem Land, in dem Menschen getötet werden, Kinder gezwungen werden in Fabriken zu arbeiten und deren Regierung Minderheiten niederschlägt, die ihnen gerade nicht in den Kram passen. Alle Blogger sind aufgerufen, diesem Boykott zu folgen, solange sich China in seiner Verhaltensweise nicht grundlegend verändert!» Ähnlich
argumentiert
The Daily Ruben.
Rainer sacht schließlich sacht bzw. sagt bzw.
schreibt:
«Ein Olympiaboykott würde den Machthabern in die Hände spielen, weil er endgültig bewiese, dass der Dalai Lama Olympia 'als Geisel genommen' habe. Insofern taugt ein Boykott der olympischen Spiele von Peking nicht als Instrument im Kampf um die Freiheit der Tibeter und die Autonomie Tibets. Statt dessen spricht alles dafür, dass die Sportler selbst, nicht als Anhängsel ihrer jeweiligen Nation, sondern als Individuen, die an Werte der Demokratie (Selbstbestimmung, Gerechtigkeit, Freiheit) glauben, während der olympischen Spiele Zeichen setzen - so wie es Tomie Smith und John Carlos im Jahr 1968 während der Olmypiade in Mexiko getan haben.»
MEHR IM INTERNET: Kommentare der Woche |
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Anhang
Stadtblogs: Auf Heldenstadt.de - Ein Leipzig Blog!
wundert
man sich doch sehr, dass im Zuge von Polizeikontrollen Maschinenpistolen mittlerweile zur Standardausrüstung gehören. +++ Wie beschaulich es dagegen in Würzburg zugeht: Das Würzblog freut sich
einfach,
dass der Stadtstrand bald wieder eröffnet wird. +++ Das Hauptstadtblog macht beim Nordneukölln-Hype
mit:
«Sanderstraße, Friedelstraße, Hobrechtstraße, Weserstraße. Straßen, die Valentine und ich ehrfürchtig durchkurvten und auf einmal mit ganz neuen Augen betrachteten. Dies war früher einfach nur unsere Fahrradroute, der Ort, an dem Freunde oder Ärzte wohnten. Das ist jetzt natürlich vorbei. Raumfahrer, Jimmy Woo, Kantina von Hugo, das Ä, das sind die Hotspots, die neuen Fixpunkte des urbanen Lebens.» +++
Angesichts
einer Ausstellung mit den den Plänen für die Bundesgartenschau ist man im Weblog SchwerinSchwerin «entsetzt ob der großkotzigen Planung». +++ Im Eisenhüttenstadt Blog schaut man
gespannt
in Richtung der ungarischen «Stadt Dunaujvaros»: «Einerseits wurde der freundliche Ort an der Donau beinahe zeitgleich zu unserer Stalinstadt als Eisenhüttenindustriestadt mit dem ziemlich analogen Namen Sztálinváros gegründet und errichtet und noch zeitgleicher entstalinisierend umbenannt, wobei man sich in Ungarn für einen vergleichsweise eher industrie-neutralen Namen - Dunaujvaros bedeutet schlicht Donauneustadt - entschied.»
Für das Web ediert von Maik Söhler |