Roboter in Japan:
Wo Maschinen Menschen pflegen
11.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bis dahin mag es noch ein sehr langer Weg sein. Von allen Ländern in der Welt ist Japan aber wahrscheinlich einer solchen Zukunft am nächsten. Was sich Science-Fiction-Autoren in zahllosen Romanen vorgestellt haben, könnte irgendwann Wirklichkeit werden: Dass Menschen und Roboter Seite an Seite zusammenwirken und sozial interagieren.
In japanischen Fabriken sind Roboter schon jetzt so anerkannt, dass sie an ihrem ersten Tag mit Shinto-Zeremonien begrüßt werden. Es gibt Roboter, die Sushi-Gerichte garnieren. Andere pflanzen Reis und betreuen die Felder. Roboter werden für den Empfang in Firmengebäuden eingesetzt, sie rollen mit dem Staubsauger durch die Gänge oder füttern Bewohner eines Altenheims mit dem Löffel.
Für Japan ist die Entwicklung der Roboter eine Konsequenz aus der demographischen Entwicklung. Weil mehr als ein Fünftel der Bevölkerung älter als 65 ist, müssen Roboter Arbeiten verrichten, für die es keine Beschäftigten gibt. Sie sollen auch einen Teil der Altenpflege übernehmen, was in Europa noch undenkbar wäre.
Das liegt auch an den unterschiedlichen Kulturen. Während Roboter in Japan schon immer als freundliche Helfer dargestellt wurden, treten sie in der westlichen Science-Fiction-Literatur oft als gewaltsame Horror-Maschinen auf. Die hohe Akzeptanz von Robotern in Japan führen Experten auch auf die Shinto-Religion zurück, welche dazu neigt, die Grenzen zwischen beseelten Wesen und unbeseelten Gegenständen zu verwischen.
Roboter beschweren sich nicht über Überstunden und brauchen keine Altersversorgung. «Die Kosten von Maschinen sinken, während die Arbeitskosten steigen», sagt Eimei Onaga, Vorstandschef von Innovation Matrix, einer Firma, die japanische Roboter in die USA exportiert. «Schon bald könnten Roboter Arbeiter mit einfachen Tätigkeiten ersetzen und die Produktivität erheblich steigern.»
«Roboter sind der Eckstein der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Japans», erklärte der Abteilungsleiter für Industriepolitik im Handelsministerium, Shunichi Uchiyama, kürzlich auf einem Seminar. «Wir erwarten, dass die Robotik-Technologie in immer weitere Branchen eindringt.» Der nächste logische Schritt sind Roboter im Alltagsleben.
In einem Krankenhaus in Aizu Wakamatsu, 300 Kilometer nördlich von Tokio, rollt ein weiß-blauer Roboter von der Größe eines Kindes über die Flure und führt Patienten zur ambulanten Chirurgie. Die Maschine, hergestellt vom Startup-Unternehmen Tmsk, kennt einfache Begrüßungsformeln und erkennt Menschen mit Hilfe von Sensoren. Die Aizu-Chuo-Klinik gab für die Anschaffung von drei Robotern umgerechnet 363.000 Euro aus.
Der einzige im Geschäft zu kaufende Haushaltsroboter kommt aus den USA, der Staubsauger-Roboter Roomba von iRobot. Seit dem Start im Jahr 2002 wurden bisher 2,5 Millionen dieser Maschinen verkauft, zum Einzelpreis von 120 Dollar (78 Euro).
«Was wir jetzt brauchen, ist nicht der ultimative Humanoid-Roboter», meint der Leiter der japanischen Vereinigung zur Förderung des Robotermarkts, Kyoji Takenaka. «Die Ingenieure sollten daran denken, dass der Schlüssel zur Entwicklung von Robotern nicht im Labor liegt, sondern im Alltagsleben.»
Asada interessiert sich vor allem für die Entwicklung der künstlichen Intelligenz. «Die Roboter der nächsten Generation müssen in der Lage sein zu lernen und sich selbst weiterzuentwickeln.» Sein Kollege Hiroshi Ishiguro meint: «Eines Tages werden sie unter uns leben. Dann müssen Sie mich fragen: Sind sie ein Mensch? Oder ein Roboter?» (Hiroko Tabuchi/AP)

