Yahoo: Wenn Datenkraken lieb sein wollen05. Feb 2008 07:08  |  Google und Yahoo am Boden | Foto: AP Photo/Mark Lennihan |
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Yahoo, Microsoft, Google – der Online-Markt ordnet sich neu. Wo drei sich streiten, freuen sich die Blogger. Außerdem: Eingefroren in New York oder reich und insolvent. Der Blogblick.
Man kann die Geschichte ganz einfach erzählen: Microsoft will Yahoo kaufen und Google findet das nicht gut. Man kann die Geschichte komplex erzählen: Der Online-Markt boomt, aber er boomt nicht überall gleich. Einige Unternehmen haben Fehler gemacht und stehen nun nicht ganz so gut da wie die Konkurrenz.Wenn man sich verbündet, wäre der Marktführer vielleicht angreifbar. Der ganze Spaß kostet rund 30 Milliarden Euro, hätte sich aber selbst dann rentiert, wenn das Nahezu-Monopol einer Suchmaschinenfirma im Netz unangetastet bliebe. Denn ein neues Beinahe-Monopol im Bereich Mail und Messenger könnte die Folge sein.
Könnte, hätte, wäre - erzählen wir die Geschichte doch lieber einfach: Einer will was kaufen und der andere will das verhindern. Also redet der andere den einen schlecht. Das Google Watch Blog hat die lustigen Attacken von Google auf Microsoft und umgekehrt (schlecht) übersetzt und
dokumentiert.
Darin wirft ein Datenkrake einem anderen Datenkraken vor, ein Datenkrake zu sein: «Könnte die Kombination der beiden die Vorteile des PC-Software Monopols in unfairer Weise nutzen, um den freien Zugang zu fremden E-Mail, Messaging und Web-Diensten zu beschränken? Gesetzgeber auf der ganzen Welt sollten sich diese Fragen stellen - und die Verbraucher verdienen eine zufrienstellende Antwort.» Ja wissen die da drüben in Amerika denn nicht, dass Krähen sich untereinander nicht die Augen aushacken? Und Kraken schon gar nicht? Prompt antworten die Anwälte von Microsoft: «Microsoft engagiert sich für die die Offenheit, Innovation und der Sicherung der Privatsphäre im Internet. Wir glauben, dass die Kombination von Microsoft und Yahoo! diese Ziele voran bringen wird.» Jawohl. So ist das. Die Erde ist eine Scheibe. Wer dem Rand zu Nahe kommt, fällt runter.
Bei so beruhigenden Worten und so guten Unternehmen muss sich zum Glück niemand mehr fürchten. Aber warum verstehen die deutschsprachigen Blogger das wieder einmal nicht.
Mike Schnoor, Telagon Sichelputzer, hat jedenfalls
Angst,
«dass insbesondere der gemeine kleine Internetnutzer auf der Strecke bleiben wird».Er meint aber auch: «Spaß bringt das Thema aber allemal, denn jeder darf jetzt wieder wie wild losschreiben und in alle Richtungen um sich hauen. Dass höchstwahrscheinlich mehere tausend Stellen von dem Zusammenschluss betroffen sind, sehen dabei die wenigsten. Ich bin gespannt, ob es ein entsprechendes Watch-Blog zu beiden Unternehmen geben wird.»
Auch Thomas Frütel, Webmaster Blog, hat
Bedenken:
«Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Microsoft derartige Positionen sehr aggressiv und selten zum Wohle des Endnutzers ausnutzt. Ob allerdings Google mit seinem quasi-Monopol im Suchbereich und der 'Du sollst keine andere Werbung haben neben Adsense'-Politik in der Position ist, Microsofts Geschäftspraktiken zu kritisieren, sei dahingestellt.»
Auf einige grundlegende Daten und Fakten
verlinkt
Frank Huber, Media-Blog. Stastisches Material trägt auch das B2B Online-Marketing Blog
bei.
Knackig fügt das Weblog Handelskraft strategische Kurzanalysen
hinzu.
Der Online Marketing Report liefert eine eigene Einschätzung und
betont
- Überraschung! -, dass Konkurrenz das Geschäft belebe.
Peter Schink, Blogage, gibt sich mit solchen Banalitäten nicht ab und greift Microsoft
tatkräftig
unter die Arme: «Mit dem Deal will sich Microsoft besser gegen Google aufstellen - und erklärt damit ja auch so ein wenig den Bankrott der eigenen Webstrategie. Deshalb finde ich: Microsoft sollte sich jetzt auch ein neues Logo zulegen, und mit Yahoo endlich mal so richtig einen auf 'beta' machen. Ich hab mal ein bisschen vorgelegt ... der Blauton soll eine kleine Reminiszenz an die vielen Windows-Bluescreen-Abstürze sein.»
Das Inside-Blog ist
beeindruckt:
«Microsoft will Yahoo kaufen, was für eine Nachricht. Klingt toll, wenn man dringend sein Geld an der Börse loswerden will. Die zentrale Frage dürfte nur sein: Was wollen die damit?»
Darauf weiß Cem Basman, Sprechblase, eine Antwort. Er nähert sich dem Thema zuerst vorsichtig über einige Äußerungen
Tim O'Reillys
an. Sein Fazit aber lässt an Deutlichkeit nichts
missen:
«Microsoft wird der König im Mailmarkt und überlässt Google zunächst die Dominanz auf dem Feld der Suche. Der Mailmarkt ist ganz deutlch grösser als der Suchmarkt. Jetzt macht der Preis möglicherweise Sinn.»
Auch das WebWriting-Magazin begibt sich auf die Suche nach
Gründen:
«Viele meinen, es sei ganz unmöglich, Google im Suchmaschinensektor auch nur nahe zu kommen, doch erinnere ich mich an die Zeiten, als der Netscape-Navigator von 90% der User genutzt wurde. Damals erschien es unvorstellbar, dass Microsofts rudimentärer Webbrowser dagegen würde anstinken können.»
Nicht ganz so analytisch, dafür aber mit einer adretten persönlichen Note garniert,
schreibt
Crosa, Facing my life: «Yahoo? Interessiert Yahoo überhaupt? Ja, mich interessiert Yahoo. Yahoo besitzt nämlich Flickr. Und Flickr ist die größte Online-Foto-Comunity der Welt und würde mit einem Schlag an Microsoft übergehen. (...) Es ist wohl davon auszugehen dass Microsoft Flickr in Windows Live integriert… Mir wird schlecht wenn ich weiter darüber nachdenke.»
Das ist nicht gut. Besser man nimmt das Ganze mit Humor - so wie das Blog Thinktrice, das beim «Stöbern auf Macnews folgenden Kommentar zum Thema
gefunden hat:
«Meine Prognose: Apple kauft als nächstes Google, woraufhin Microsoft panikartig AOL und MSN aufkauft - letzteres aus Versehen, sie haben in der Eile nicht gemerkt, dass es ihnen schon gehört.Apple macht daraufhin den genialen Schachzug, Nestlé und Unilever zu kaufen, was Microsoft völlig irritiert und zu einem unkoordinierten Shoppingrausch treibt: am Ende gehört Microsoft nicht nur Procter & Gamble und Fiat, sondern auch Playmobil, Lokalisten.de sowie eine kleine Tankstelle am südwestlichen Stadtrand von Bottrop. Noch bevor die Situation eskalieren kann, werden allerdings sowohl Microsoft als auch Apple von Amazon gekauft. Und die Welt ist wieder in Ordnung.»
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang
Stillstand: Robert Basic, Basic Thinking, macht auf eine sehr schöne, auf Video festgehaltene Aktion - bzw. Nichtaktion - in New York
aufmerksam.
Die Sargnagelschmiede erfreut sich am Niedergang der Zeitschrift «Rich - Deutschlands erstes Statusmagazin»: «Hej, einfach mal Sponsoren nach Peanuts fragen!», lautet hier der
Kommentar
zum eingeleiteten Insolvenzverfahren. +++ Handarbeit: Die Farmblogger
preisen
handbetriebene Gabelstapler an und finden dafür in der Pruduktbeschreibung die schöne Wendung «emissionsfreie Flurfördergeräte». +++ Werbung: Roland Kühl-v.Puttkamer, Werbeblogger, hat eine feurige und kurzweilige Bierwerbung aus den USA
aufgetan.
Die Datenvandalen
präsentieren
akrobatische Straßenfußballer in einem Reklame-Clip.
Timo Off, Geistesblitz,
wirbt für
ein neues T-Shirt-Motiv samt T-Shirt, das gerade in Start-ups nicht fehlen sollte. Wer mutig ist, geht damit zur Bank oder zur Beerdigung.
+++ Primaries: Jens, Pottblog,
empfiehlt
die US-Entsprechung zum Wahl-O-Mat: das «Candidate Match Game» von «USA Today».
Für das Web ediert von Maik Söhler |